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0009 Die Buddhistische Spätantike in Mittelasien : vol.1
Postancient Buddhist Culture in Central Asia : vol.1
Die Buddhistische Spätantike in Mittelasien : vol.1 / Page 9 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000040
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VORWORT

Dieses Buch bringt eine geringe Anzahl willkürlich ausgewählter Stichproben der von den preußischen Turfan-Expeditionen in Chinesisch-Turkistan ausgegrabenen, durchaus der religiösen Kunst angehörigen Plastik. Diese Kunst ist buddhistisch, und da sie auf der ausgehenden Spät-Antike beruht, nennen wir sie, analog Herrn von Sybels Bezeichnung der frühchristlichen Kunst als „christliche Antike", die buddhistische Antike Mittel-Asiens, oder besser Asiens, denn sie bildet eines der Elemente, und zwar das wichtigste, aus denen sich die religiöse Kunst des indischen und des chinesischen Kulturkreises entwickelt hat. Der Vorgang ist analog jener Entwicklung, die im WestendieKunst der europäischen Völker aus der verfallendenAntike entstehen ließ.

Da es nicht möglich ist das Vorkommen antiker Formen in den heute weit vom Verkehr abgelegenen Ruinenstätten OstTurkistans zu verstehen, ohne mit der Vorstufe einigermaßen vertraut zu sein, haben wir eine Anzahl Tafeln mit Faksimiles von Schöpfungen der graeco-buddhistischen Kunst von Gandhára (Ost-Afghanistan) den Abbildungen der ostturkistanischen Plastik vorausgesandt. Die meisten dieser Darstellungen sind von den Indologen Grünwedel, Foucher u. a. erklärt worden; da sie, in kleinen Ausmaßen hergestellt, oft ganze Szenen aus dem Leben des Buddha, Wiedergeburtslegenden u. dergl. darstellen, ist ihre Erklärung nur dem mit der einheimischen Literatur genau vertrauten Gelehrten möglich. Die Plastik von Ostturkistan dagegen bediente sich größerer Figuren zu diesen Darstellungen. Da kein für die Bildhauerei brauchbarer Stein, und auch kein Kalk, in genügender Menge in dem Lößlande Ostturkistan vorkommt, formte man die Figuren aus Lchm; bci der Zerstörung der Tempel durch einstweilen noch unbekannte Feinde wurden die aus diesem vergänglichen Material hergestellten Gruppen zerstört. Nur wenige Figuren, aber viele abgeschlagene Köpfe haben wir in den von größter Zerstörungswut zeugenden Schuttmassen gefunden, so daß die Identifikation einstweilen nur bei einzelnen Typen gelingen will. Viele der Figuren haben nur dekorativen Zwecken gedient.

Dieses Buch richtet sich zunächst an das große Publikum der gebildeten Welt, dem es zeigen soll, wie weit die antike Kunst in Asien vorgedrungen ist und was sie für Asien bedeutet, ein Gegenstand, der auch jeden Künstler anziehen muß.

Dann aber soll es eine Materialien-Sammlung sein für Gelehrte, denen es u. a. einen Baustein liefern soll zu den Fundamenten der noch zu schreibenden wissenschaftlichen Kunstgeschichte Mittel-, Süd- und Ost-Asiens.

Mit Rücksicht auf die Möglichkeit, daß diese aus Lehm geformte Plastik Ostturkistans in unserem Klima zu Grunde gehe, ist ein großes Ausmaß für die Wiedergabe gewählt und sind so viele Köpfe, als nur die Mittel zuließen, in Farbendruck wiedergegeben worden. Bei den einfarbigen Faksimile-Tafeln sind die Farben, wo sie noch an den Figuren oder Köpfen erhalten waren, sorgfältig beschrieben worden.

Die beiden Karten (Gandhära und Ostturkistan) hat Herr Dr. A. Herrmann für dieses Buch herstellen lassen, wofür ich ihm hier meinen Dank ausspreche.

BERLIN, IM AUGUST 1922

A. v. LE COQ.