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0048 Am Tor von Asien : vol.1
Am Tor von Asien : vol.1 / Page 48 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000243
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eigentlich achaemenidische Kunst ist in so hohem Maße eine königliche und also künstliche Schöpfung, daß sie garnicht als allgemeine Volkskunst gedacht werden kann. Man sollte also auch von achaemenidischer, nicht von altpersischer Kunst sprechen.

Ich möchte hier wiederholen, was ich vor etwa zwölf Jahren in den „Iranischen Felsreliefs" ausgesprochen habe: „Wenn überhaupt äußerliche Beziehungen der persischen Reliefs, etwa im Faltenwurf, zu griechischen Denkmälern beobachtet werden können, so kann sich das nur auf den altionischen Kunstkreis beziehen, der uns vorwiegend aus Ephesos, vom Artemision her bekannt ist, und dessen eigentliche Heimat wir in Milet suchen. Ein genaueres Eingehen auf diese Beziehungen ergibt aber überzeugend, daß alle Ähnlichkeit in nichts besteht, als in einer gewissen gleichmäßigen Höhe der technischen Fähigkeit, die in den allgemeinen Kulturbedingungen des großen Reichs genügend begründet ist.

Die achaemenidische Skulptur ist im Gegensatz zur griechischen, die auf ganz anderem Boden erwachsen ist, durchaus die letzte, jüngste und abschließende Entwicklungsstufe der Kunst des alten Morgenlandes, auf deren vorgeschriebenen Richtungslinien fortschreitend sie Abschließendes und Eigenes geschaffen hat. Für das abendländische Altertum hat sie so gut wie keine Bedeutung gehabt, so wenig und vielleicht noch weniger als es die späte assyrische und neubabylonische Kunst je gehabt haben. Für das Fortlaufen der Entwicklung, deren Erkenntnis die Kunstwissenschaft erstrebt, liegt ihre Bedeutung darin, daß sie die Überlieferung des alten vorderasiatischen Morgenlandes, das im Abendlande dem Griechentume völlig unterlegen war, in den morgenländischen Hellenismus hinüberrettete, und so die mit dem Hellenismus allmählich beginnende, gewaltige Rückwirkung des Morgenlandes gegen das Abendland ermöglichte. Von diesem Standpunkte aus, der eines der größten Probleme der Kunstgeschichte umfaßt, müssen wir uns mit der achaemenidischen Kunst befassen."

HELLENISTISCHES

Um die Bedeutung der Eroberung des Morgenlandes durch Alexander d. Gr. zu begreifen, könnte man allerhand vielsagende Vergleiche ziehen: man könnte sagen, das greise Morgenland fiel, alle seine Möglichkeiten ausgeschöpft habend, einfach dem fremden Eroberer, einem in seiner Kultur noch ganz jugendlichen Volke zur Beute, wie später das alte Römerreich den Germanen. Man könnte auch die griechische Eroberung mit der arabischen vergleichen, man könnte Alexander all den großen Welteroberern, den Djingiz Khan und Timur Leng, die sich alle als seine Nachfolger und Nachkommen betrachteten, gegenüber stellen. Man könnte aber auch den Hellenismus durch die Renaissance erklären, die die Überlieferung von der Gothik zum Barock unterbricht, eine Überlieferung, die später unter immer weitergehender Ausscheidung der Gedanken der Renaissance wieder angeknüpft wird. Man könnte endlich und am richtigsten den Hellenismus im Morgenland in Parallele setzen zur heutigen Europäisierung der alten morgenländischen Kulturländer. Aus jedem dieser Vergleiche würde man manches Richtige und Wichtige für das Verständnis des Hellenismus, also des durch Alexanders Eroberungen vom griechischen Boden und vom griechischen Volkstum losgelösten Griechentumes gewinnen. /38/

Die Iranier selbst haben in ihrer Geschichtsüberlieferung eine eigene Abfindung diesem Er-