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0066 Am Tor von Asien : vol.1
Am Tor von Asien : vol.1 / Page 66 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000243
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der Arsakiden ebenbürtig waren, der Mihrän, deren Sitz noch in sasanidischer Zeit das uralte Rai bei Tehrän war. Aus diesem Geschlecht stammte der Gegner Khosrö's II. Parwéz', Bahräm Tchöbin, der große Feldherr, der an Irans Untergang einen so wesentlichen Teil der Schuld trägt. Er ist der letzte, und unser Huldigender vor Mithradates II. vielleicht der erste Mihrän. Auch Géw ist eine Lieblingsgestalt der Sage. Nicht als Gotarz' Vater sondern als sein Sohn tritt er auf. Und außer ihm trägt der Held einer der rührendsten Liebesromanzen des Shähnäme, nämlich Bézhan der Liebhaber der Manézha, einen Namen aus unseren Inschriften. Bézhan ist ap. Waiwa-zana, d. i.,, aus Gew's Geschlecht", also nur eine Spielform des Namens Geopothros, d. i. Waiwa-puthra, Géw's Sohn. /68/

Eigene geschichtliche Überlieferung haben die Iranier von den Zeiten, die der Sasanidenherrschaft vorausgehen, nicht bewahrt. Die ganze Zeit der Arsakiden ist ihnen die Zwischenherrschaft der „Könige der Stämme", unbeliebt und schnell übergangen, fast wie eine Fremdherrschaft. Und auch dies dürftige Wissen meist aus fremden Quellen fließend. Unbeliebt und als fremd empfunden, nicht weil die Arsakiden keine Iranier gewesen wären, — das verbietet schon die Bedeutung, die sie in Wahrheit für die iranische Heldensage haben —, sondern weil ihre hellenistische Zivilisation sie wie Fremde wirken ließ. Die Seleukidenzeit beschränkt sich in der iranischen Überlieferung erst recht auf eine verschwommene Erinnerung an Antiochos d. Gr., auch diese geborgt, und im übrigen auf die völlig mythologisch gestaltete Herrschaft des Drachens Dahhäk. Und was über Alexander bekannt ist, fließt alles aus dem Alexander-Roman, aus des PseudoKallisthenes' über alle Vorstellung verbreitetem Werke, durch syrische Vermittlung. Vorher liegt das völlige Dunkel des Mythos, aus dem gerade der Name Dareios unscharf hervorschimmert. /69/

Dieser Verhalt wäre unbegreiflich, wenn die Sagenbildung in achaemenidischer Zeit herangereift und vollendet wäre. Verständlich wird er aber mit der Erkenntnis, daß gerade die Zeit der Arsakiden die Reifezeit der iranischen Heldensage war. Sie ist nicht erforscht wie die Ilias und die Odyssee, wie die Nibelungen und der Gral, sie soll erst erforscht werden. So ist sie ein unbefahrenes Meer der Finsternis, jenseit von dem unbekannte Länder der Entdeckung harren. Auf diesem Meer aber sind die Inschriften und Bilder von Bistün Leuchtschiffe.

Die Denkmale sind ebenfalls wieder tiefe Sinnbilder. Als Mithradates II. nach einem uns nicht näher bekannten Siege die Huldigung seiner Großen entgegennahm und im Fels verewigen ließ, da fühlte er sich und war er, als König der Könige und Großkönig, der Aufrichter und Vollender des Reichs, der Erreicher der von Arsakes und Tiridates gesteckten Ziele. Dafür zeugt dies sein Siegel am Tor von Asien. Aber es ist nicht mehr das Weltreich von Alt-Iran. Die Welt ist in zwei Hälften geteilt. Zwar wehren sich die östlichen Mittelmeerländer noch gegen das unabwendbar näher rückende Aufgehen im Römischen Reich, aber bald darauf ist Roms Herrschaft vollendet. Die vermittelnden Staaten auf den Trümmern des Reichs Seleukos' verschwinden, und es gibt nur noch die Zwei: Rom und Iran. Denn auch Iran ist mit Mithra-dates' d. Gr. Eroberungen vollendet. Mochte auch den Römern das kaum zum Bewußtsein kommen, oder mochten sie einen solchen Gedanken ablehnen, er bewahrheitete sich immer mehr: es gab einen Dualismus zweier Reiche, deren Wettbewerb und Nebenbuhlerschaft unaussöhnbar war, und der nicht eher endete, als mit dem Untergehen der antiken Kultur im Islam. Daß Mithradates West-Iran mit den Euphrat- und Tigris-Ländern zu einem starken Reiche