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0083 Am Tor von Asien : vol.1
Am Tor von Asien : vol.1 / Page 83 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000243
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krauses Gewirr von Kurven, das kaum noch einen Rest von Bewegungssinn, von Leben erkennen läßt. Sehr hervorstechen die dütenartigen Bildungen an den Rändern und Enden; sie werden geradezu ein Stilmerkmal späterer, in mittelbarem Zusammenhange stehender Künste, in Mittelasien und Samarra, und zwar immer in der Malerei. Die Behandlung des Faltenwurfs ist eben nicht mehr bildnerisch, sondern nur noch ein Mittel malerischer Flächengliederung. Ärmel, Oberröcke, Mäntel sind ganz flach, Hosen und Mäntel etwas tiefer geritzt. Die Bänder haben nichts Flatterndes mehr, weil sie malerisch in heller Farbe gedacht, aber räumlich stark hervortretend als klotzige Steinmasse, nie als durchscheinendes Band wirken.

Ein weiteres Stilmerkmal, unerhört in der gesamten Bildhauerei von Naqsh i Rustam, Naqsh i Radjab, Shâpûr und andern Orten, ist die grundsätzliche Veränderung der perspektivischen Haltung. Die ältere Zeit kennt nur — in seltenen Beispielen — die reine Vorderansicht, oder — als geläufige Art — die gemischte Seitenansicht, d. h. Beine und Füße in Seiten-, Brust in Vorder-, Kopf wiederum in Seitenansicht. Dabei bemüht sie sich viel vergeblicher, als etwa die altaegyptische Kunst, die in Vorderansicht unmäßige Breite der Schultern zu verschleiern. Ohne sich durch eine passende Bewegung zu helfen, versteckt sie gewöhnlich einfach den inneren Arm und zeigt nur die stumpfartige Schulter. Hier dagegen sind die ganzen Körper in Vorderansicht gegeben, dabei die Füße widernatürlich nach außen verdreht.

Diese Erscheinung ist von tiefster Bedeutung. Die achaemenidische Kunst kennt nichts als die strenge Seitenansicht. Das einzige, was gelegentlich in Vorderansicht erscheint, sind die Köpfe von Löwen in den Bildern von Tierüberfallungen oder Tierkämpfen. Die hellenistische Kunst beherrschte den Raum im Relief mit voller Meisterschaft. Die sasanidische Kunst folgt ägyptischen Grundsätzen. Bei dieser Zeitfolge ist die sasanidische Art und Weise der Mischung von Seiten-und Vorderansicht mit schlecht verhüllten Übergängen zweifellos als Rückfall in altmorgenländische Formen anzusehen. Denn eine ägyptische Beeinflussung ist ja unsinnig. Die reine Seitenansicht der achaemenidischen Kunst könnte man sich von altersher überliefert vorstellen. IhreVeränderung in gemischte Ansichten aber ist nur zu erklären als Ergebnis der Aneignung griechischer Raumauffassung durch die iranische Kunst: diese scheidet die hellenische freie Beherrschung des Raumes wieder aus, bleibt aber selbst soweit verändert, daß ihr das alte einfache Profil nicht mehrgenügt, und gelangt daher, in entwicklungsgeschichtlichem Atavismus, zu altmorgenländischen Stufen, wie dieser ägyptischen zurück. Je mehr der bildnerische Sinn erlischt, scheiden auch solche Nachwirkungen des Hellenismus noch aus. Die Malerei benutzt die Vorderansicht mit Vorliebe, weil sie ganz morgenländisch den Raum aus dem Geiste des Bildhelden anschaut: in jedem Profilbild liegt etwas vom Zuschauerstandpunkt. DieVorderansicht aber bedeutet die Vorstellung von sich selbst. Man sieht sich im Spiegel von vorn, nicht von der Seite. So offenbart sich in dem Wechsel der Sichten ein völlig neuer Geist.

Die Haltung der Arme ist nicht gerade bequem, aber besser als sonst von der Handlung veranlaßt: Ohormizd stützt die Linke auf die Hüfte, die Rechte reicht den Kranz. Ardashir's Rechte ergreift, übermäßig über die Brust gespannt, den Kranz, die Linke ist etwas gepreßt an den Schwertgriff gelegt. Mihr's Rechte hält einigermaßen natürlich die Barsomzweige, die Linke greift mit zu, aber auch beengt wie die des Königs. Die Köpfe aber, und das ist das völlig Neue, und kennzeichnet den malerischen Stil, sind alle in Dreiviertel-Profil gedreht. Dabei sind

9 HERZFELD, Asien