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0149 Am Tor von Asien : vol.1
Am Tor von Asien : vol.1 / Page 149 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000243
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digen Tieren, in den reichsten Beispielen von Tierüberfallungen, Jagdbildern und ganzen Gemälde-Entwürfen gefüllt.

Auch in der gesamten abendländischen Weberei ist dieses Muster, das gelegentlich als „rotae siricae", d. i. assyrische Kreise, benannt wird, weit verbreitet. In den abendländischen Beispielen sind die Kreise noch oft nicht vereinzelt, sondern ein Kreisgeflecht von Bändern. Darin stimmt das Schema überein mit dem überhäufigen Vorkommen in der Mosaikkunst. Es stammt also von der griechischen Gestalt des Flechtbandes ab. In den sasanidischen Beispielen dagegen kommt die ursprüngliche Verflechtung nie mehr vor. Das Schema hat sich also von seiner Ursprungsgestalt weiter entfernt, als die abendländischen Formen. Daher kann man nicht die westlichen für abhängig von den östlichen betrachten, eher umgekehrt, trotz der Bezeichnung „rotae siricae". Die Vorstellung von der morgenländischen Herkunft des Musters hatte man nicht aus unwahrscheinlicher, geschichtlicher Kenntnis, sondern sie stammt einfach von der häufigen Verwendung auf sidonischen Stoffen, bei der üblichen Vermischung der Begriffe Phönizien, Syrien und Assyrien im späten Altertum.

Dieses bezeichnendste aller sasanidischen Muster hat in echten Stücken mit Vorliebe die Coronae in Gestalt einfacher oder doppelreihiger Perlendiademe, mit viereckigen Schließen auf den

I      Axenpunkten. Das ist genau die Gestalt der Corona, wie sie die Genien des Täq i bustän in
den Händen tragen, und wie sie in dem Belehnungsbilde im Bogenfelde in Ohormizd's und Anähit's Hand und sonst so oft bei Göttern und Königen erscheinen. Eine solche Corona halten auch oft die dargestellten Vögel im Schnabel, wie auf dem Entenstoff von Ming Oi bei Qyzyl, Tfl. LXIII o. So entsteht der Eindruck, als habe dieser noch so deutlichen Form ein eigentüm-

k      lich sasanidischer, geheimer Sinn zu Grunde gelegen. Die Form ist ein Perlendiadem. Dies
Perlendiadem tragen bereits die Arsakiden. Aber Form und Namen haben sie und ihre Nach-

i      Polger, die Sasaniden aus dem Griechischen entlehnt. Häufig sind die Schließen, die zwei sich
berührende Coronae verbinden ihrerseits wieder als kleine Coronae ausgebildet, die dann im

i      Mittelpunkt eine Mondsichel enthalten. Da diese Mondsichel, gelegentlich auch als Gegenstück
die Sonnenscheibe von etwa 12 Sternen in Perlenform umgeben, dies alles auf einer runden

I   Scheibe, oft in den Scheitelpunkten der Gewölbe der mittelasiatischen Höhlen erscheint, so

I   möchte man dort und in den kleinen Coronae der sasanidischen Stoffe gern eine gegenständ-

liche, auf den Himmel, Sonne, Mond und Sterne bezogene Bedeutung erblicken.

21. Rosetten in Coronae, dazwischen lanzettliche Blätter, Tfl. LXV u., nach dem von GRÜN- WEDEL nach dem Urbild angefertigten Aquarell. Zieratliche Rahmenmalerei aus der MucilindaHöhle bei Toyoq Mazar, vgl. GRÜNWEDEL, 1. C. p. 325, fig. 652.

Die Coronae haben 24 große und in den Zwickeln doppelt soviel kleine weiße Perlen auf schwarzem Grunde. Sie umschließen ein hellgrünes Feld, mit Lotosblüten in Vollansicht. Diese haben zwei Blattkränze von je 7 weißgeränderten, rehbraunen Blättern; und in der Mitte den Nelumbium-Fruchtboden mit 7 Punkten in etwas abweichend brauner Farbe. Der Grund des Stoffes ist rehbraun wie die Lotosblüten, und die lanzettlichen Blätter sind, in bezeichnend weberischem Farbenwechsel, wieder hellgrün. - Ein Blick auf das Muster Nr. 17 vom Mantel der Göttin auf dem Kapitell, Tfl. LXV o. r. zeigt, daß der fromme Maler von Toyoq Mazar einen solchen

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