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0039 Am Tor von Asien : vol.1
Am Tor von Asien : vol.1 / Page 39 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000243
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Flehen kommt also gar nicht in Frage. Diese Abweichung vom geschichtlichen Vorgang zeigt sehr deutlich die tatsächliche Abhängigkeit des Entwurfes von älteren Bildern, wie dem des Annubanini. Dem Magier folgen stehend, verschieden an Gewand, an Bart- und Haartracht, alle ihrer Abzeichen entledigt, in dürftiger Kleidung, ohne Kopfbedeckung, die Hände auf den

Rücken gebunden, alle mit einem Strick um den Hals gefesselt: Athrina, ein Elamit; NidintuBel, der sich in Babylon als Nebukadnezar, Nabûnäid's Sohn ausgab; Fravartish, ein Meder,

der als Khshathrita aus dem Geschlecht des letzten medischen Großkönigs Huvakhshatra (Kyaxares) auftrat; dann der Perser Martiya, der als Ummannish sich zum König von Elam ausrief; ein Sagartier, — ein Teilstamm der Meder - ,Tchitrantakhma,ebenfalls von Kyaxares abzustammen vorgebend; Vahyazdâta, ein Perser, der als zweiter falscher Bardiya erschien; Arakha, ein Armenier, ein zweiter falscher Nebukadnezar; und endlich Fräda, der sich in Margush (Marw) zum König aufwarf.

Die letzte, zehnte Gestalt, mit der seltsam spitzen Mütze, ist kein Lügenkönig. Bild und Inschrift sind erst nachträglich gesetzt. Der Name lautet: Skunka, der Sake. Leider ist die Inschrift über den Feldzug gegen diese Saken zu stark zerstört, als daß man mit Sicherheit sagen könnte, welche von den vielen Saken, d. h. der von den Griechen Skythen genannten Völker, gemeint seien.

Der Tracht nach, die uns von den Grabreliefs der Achaemeniden bekannt ist, können es entweder die fern im Pâmir zu suchenden spitzmützigen Saken, ap. Sakâ Tigrakhauda, gr. Ortho-

korybantioi sein, oder aber die europäischen Skythen. Von dem nach griechischer Auffassung

mit einem vollen Mißerfolg endenden Feldzuge des Dareios gegen die europäischen Skythen erzählt uns Herodot ausführlich. Dem würde nicht widersprechen, wenn der Feldzug von den

Persern als großer Erfolg aufgefaßt und als solcher im Denkmal verherrlicht worden wäre. Tatsächlich scheinen die Reste der Inschrift, die vom Überschreiten des Tigris und dann vom Überschreiten eines Meeres reden, -- man denke an das Überschreiten des Bosporus und der Donau --, sich auf den berühmten Feldzug gegen die europäischen Skythen zu beziehen, während von einem Zug gegen die Orthokorybantier keinerlei Kunde zu uns gelangt ist.

Anfang 521 hatten die Sieben Genossen Gaumäta ermordet. Die Riesenaufgabe der Unterwerfung der aufrührerischen Provinzen, die die Inschrift F eindrucksvoll schildert, hat wie Dareios nach-

drücklichst betont, nur ein volles Jahr in Anspruch genommen. Im Jahre 517 war Dareios in Ägypten. Vorher beschäftigt ihn eine Expedition nach Indien, bei der in gedanklichem Zusammenhang mit der späteren Erbauung des Suez-Kanales der Indus durch Skylax von Karyanda erforscht wird. 518/17 muß der Bau von Persepolis begonnen sein. 515 fängt der Skythenzug an. Also sind die Jahre 520/19 das genaue Datum des Denkmals.

Es hat nie einen geschichtlichen Augenblick gegeben, wo alle diese besiegten Feinde so vor Dareios standen. Das Bild ist eine sinnbildliche Erfindung, keine epische oder dramatische Dar-

stellung einer wirklichen Handlung. Ein solcher Symbolismus ist tief in der ganzen Weltanschauung begründet, und wir berühren da wieder das Problem des Sinnes dieser Felsdenkmale überhaupt: das Bild soll nicht nur wie die Inschrift, deren öffentliche Verkündung dem Leser ans Herz gelegt wird, des Tatenruhmes Ewigkeit sichern, das Symbol soll auch des dargestellten Triumphes Dauer auf magischem Wege erzwingen: Dies Reich soll unversehrt sein!

Für uns birgt das Bild keine Geheimnisse mehr, seine Sprache ist klar und unmißverständlich.