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0073 Am Tor von Asien : vol.1
Am Tor von Asien : vol.1 / Page 73 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000243
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das I. Jhdt. v. Chr. nachzuweisende mittelpersische Aussprache; diese Schreibungen sind also historische und müssen schon lange vor der Sasanidenzeit so geschrieben worden sein. Endlich ist ja die ganze ideogrammatische Schreibweise ein so verwickelter Gedanke, daß er eigentlich nie erfunden werden konnte, wo man in der griechischen oder in minder hohem Maße in den semitischen Schriften ein so vollendetes Werkzeug zur Schreibung auch des Persischen hatte. Die ideogrammatische Schreibung mußte einfach vorhanden, alt eingewurzelt sein, daß man sie trotz besserer Mittel nicht aufgab. Das bedingt, daß sie nicht nur in arsakidischer und auch seleukidischer Zeit bereits geschrieben wurde, sondern daß sie unmittelbar an die babylonische Keilschrift, die ja übrigens bis kurz vor Christi Geburt noch lebendig blieb, Anschluß findet. Mit andern Worten, daß sie die Schrift ist, die in den achaemenidischen Kanzleien entstand, wo babylonisch-aramaeisch geschrieben, aber altpersisch geprochen wurde. Die „andere" Schrift, deren Einführung Dareios nach dem dunklen § 70 der Bistûn-Inschrift für die Pergamente der Kanzleien befahl, ist nicht etwa die achaemenidische Keilschrift, sondern der Anfang des Pahlawlk. /84/ Dieser Gedankengang, der für manche Fragen sehr bedeutungsvoll ist, wäre ohne erhaltene Belege sehr gewagt; jeder neue Fund aber, wie das Pergament vom Awramän und die Inschrift von Sarpul befestigt ihn. Darin liegt der Wert auch der noch unentzifferten I nsch rift.

Nach der Untersuchung von Mithradates' und Gotarzes' Denkmalen mit den griechischen Inschriften und hellenistischen Merkmalen, ist es ganz klar, daß dies rohe Bildwerk mit der Pahlawik-Inschrift und den schon sasanidischen Merkmalen, jünger ist als jene. Auch an den Münzen ist zu beobachten, wie die griechische Schrift schließlich durch aramaeische verdrängt wird, und wie die Prägung in schnellen Verfall gerät. Daß in unserem Felsbild eine Kunst stirbt, keine neue geboren wird, um das zu erkennen, braucht man kein Hippokrates zu sein. Das Werk dürfte in die letzten hundert Jahre der Arsakidenzeit, von 150 — 225 n. Chr. gehören.

Auf seiner zweiten Reise durch das nördliche Mesopotamien, die zur Aufdeckung der ersten mitannischen Bildwerke von Tell Halaf-Gauzan, und damit zum Gedanken dieser so überaus erfolgreichen Ausgrabung führte, fand Freiherr v. OPPENHEIM auch in Ras al-`Ain das auf Tafel XXVI gegebene Bruchstück einer Statue. Seither ist es verschwunden.

Der Block ist das Unterteil einer wohl überlebensgroßen, aus zwei Blöcken zusammengesetzten thronenden Gestalt. Erhalten ist die Sockelplatte, der Thronsitz ohne Armlehnen und der Unterkörper des Sitzenden bis zu den Hüften. Die Kleidung besteht aus sehr langem faltigen Oberrock, um die Lenden ein Gürtel aus viereckigen, mit Juwelen besetzten und offenbar auf Leder aufgenähten Gliedern. Die Beine umhüllen weite, faltige, röhrenartig modellierte Hosen. Es sieht aus, als sei deren Stoff mit Punkten gemustert, aber in Hinblick auf die außerordentlich ähnliche Tracht Khosrô's II. im Bogenfelde des Täq i bustän, Tafel XLIV, muß man wohl an aufgenähte Perlen denken. Die Füße stecken in Schuhen, scheinbar aus Stoff, nicht aus Leder. An den Knöcheln sind breite Binden mit Scheiben und Schleifen angebracht. Diese Tracht ist uns als sasanidische ganz geläufig, liegt aber z. B. am eben besprochenen Reiterbild von Sarpul und am Antiochos-Denkmal vom Nimrüd Dagh bereits vor. Vor der Entscheidung, ob arsakidisch, ob sasanidisch, muß daher ein weiteres Denkmal besprochen werden.

Am Fuße des Bistûn-Berges, kaum 300 m nördlich des Dareios-Denkmals liegt ein dreikantiger