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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0044 |
China : vol.2 |
| 中国 : vol.2 |
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es, durch welchen uns die ungeheure Grösse China's vor Augen geführt wird. Auf
dem angegebenen Areal lebt eine Bevölkerung von mindestens 430 Millionen See-
len¹), während die genannten 79676 Quadratmeilen von Europa nur ungefähr
236 Millionen Einwohner zählen, und die Bevölkerungszahl dieses ganzen Conti-
nentes auf 309 Millionen veranschlagt wird. Wären Areal und Menschenmenge als
die einzigen Factoren in die Wagschale zu legen, um gleichsam das relative Ge-
wicht der einzelnen Staaten zu bestimmen, so würde China der erste Rang gebüh-
ren. Doch haben wir uns gewöhnt, den Werth der Völker nach ihren Leistungen
auf geistigem, politischem und wirthschaftlichem Gebiet abzumessen, und diese
Gesichtspunkte sind es, welche ein so grosses Uebergewicht für Europa und die
Vereinigten Staaten von Nord-America ergeben. Manche Negerländer und die fet-
ten Reisböden der Thäler Indiens bergen dichtere Menschenmengen, und doch tritt
der Inhalt, welchen diese dem Areal geben, weit zurück gegen die Bedeutung von
weniger bevölkerten Gegenden in den leitenden Culturstaaten Europa's.
China steht unter diesen, aber über den zuerst genannten Ländern. Wenn
wir dort auf einem Flächenraum, welcher nur den 33sten Theil des Festlandes der
Erde bildet, eine Bevölkerung finden, welche beinahe den dritten Theil der ge-
sammten Menschheit beträgt und in Hinsicht auf geistige und industrielle Ausbil-
dung nur den bevorzugteren Gliedern der kaukasischen Race nachsteht, so ist es
klar, dass die günstigsten Bedingungen zusammenwirken müssen, um ein so eigen-
thümliches Verhältniss zu gestatten. Neben einer aussergewöhnlichen Genügsam-
keit der Bewohner und einer auf hoher Stufe stehenden Fähigkeit, dem Boden die
für die Ernährung und Bekleidung des menschlichen Körpers erforderlichen Pro-
ducte zu entlocken, muss die Natur auch seltene Vortheile für die Gewinnung die-
ser Erzeugnisse, sowie für die geistige Entwickelung der Bewohner bieten. In ab-
flusslosen continentalen Centralgebieten, in einer weit ausgedehnten vollkommenen
Ebene, oder in continuirlichem Gebirgsland, hätte sich ein so günstiger Boden
für fortschreitendes Geistesleben nicht bieten können. Nur ein vollkommen peri-
pherisches Land, wo atmosphärische Niederschläge reichlich niederfallen und Ab-
fluss nach dem Meer haben; wo Gebirge und Hügel die Verdichtung der Feuchtig-
keit begünstigen, und das Wasser die Bestandtheile der Zersetzung herabführt,
um den Boden der Niederungen fortdauernd zu verjüngen; wo dadurch der stetige
Stoffwechsel beschleunigt wird und die Bedingungen zu Leben und Bewegung ge-
geben sind — ein solches Land nur konnte dafür fähig sein. Wenn wir nun be-
denken, dass China sich durch zwanzig Breitengrade erstreckt, im Westen in Hoch-
gebirgsland wurzelt und im Osten an das Meer grenzt, so ergibt sich auf die dem
Reisenden häufig gestellte Frage, welcher Art die Landschaft in China sei, schon
von vorn herein die Antwort, dass der Reichthum der Gestaltung und Bekleidung des
Bodens im Verhältniss zu der Ausdehnung des von Menschen wimmelnden Cultur-
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