National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Sehen wir nun von diesen alten Vorstellungen vollständig ab, um in wenigen
Linien ein orographisches Bild des Landes zu entwerfen.
Als wir die Gebirge Central-Asiens betrachteten, verliessen wir das in vieler
Hinsicht bemerkenswertheste unter ihnen, den Kwen-lun, dort, wo das System
seiner von WzN nach OzS gerichteten Parallelketten in der Meridianzone des
Khukhu-noor und östlich davon seine grösste Breite erreicht und, in wenigstens
sieben einander parallele Faltungszüge aufgelöst, die Grenzen von China betritt.
Wir nannten ihn dort, im Gegensatz zum westlichen, den Mittleren Kwen-lun
und wiesen bereits darauf hin, dass ein dritter Längenabschnitt, den wir als den
Oestlichen Kwen-lun bezeichneten, wie ein mächtiger, in Central-Asien wur-
zelnder Keil sich nach China hinein erstreckt und in der Provinz Honan, unter
113° O.L., sein Ende erreicht, dann aber noch einmal hervortritt und sich bis in
die Gegend von Nanking hinzieht. Die Grenze zwischen beiden Abtheilungen
setzen wir in den Meridian von Lan-tshóu-fu 104°, wo der Tau-hó eine von Süd
nach Nord gerichtete Querspalte durchfliesst. Die grosse Breitenentwickelung des
mittleren Theiles hört hier auf. Nur die beiden mächtigsten Züge, der Tsi-shi-
shan und der Hsi-king-shan, setzen nach Osten fort, erst noch durch das Parallel-
thal des oberen Tau-hó getrennt, dann aber vereinigt und durch das Zusammen-
drängen der Faltungen fest mit einander verwachsen. Im Süden der Thalfläche
des Wei-Flusses hat die starre Kette eine Breite von 75 g. M. und ragt zur Höhe
von ungefähr 11000 Fuss auf. Ihr Nordabfall ist steil, und die Wasserscheide liegt
in der Nähe desselben. Im Inneren fehlt es, trotz vollkommener geologischer
Parallelstructur, gänzlich an Langsthälern. Durch schroffe und tiefe Querschluch-
ten stürzen lange Wildbäche nach Süden und treten aus dem, auch auf dieser
Seite steil abfallenden Gebirge plötzlich hinaus, um sich dem, dem Gebirge paral-
lel fliessenden Han zu vereinigen. So setzt das Gebirge dem von Nord nach Süd
gerichteten Verkehr einen gewaltigen Damm entgegen Nur stellenweise seinen
Charakter verändernd, und durch das Hinzutreten neuer Parallelketten an der Nord-
seite an Breite anwachsend, zieht es mit stets gleichbleibender Streichrichtung
(WzN — OzS) nach Osten fort, bis es in der Provinz Honan plötzlich und un-
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