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0195 China : vol.2
China : vol.2 / Page 195 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Mehrere kleine Thaler vereinigen sich hier, um ihre Gewässer durch ein gemein-
sames Thor zu einem Zufluss des Ya-lu-kiang zu vereinigen. Dem entsprechend
gehen auch mehrere Strassen sternförmig von hier aus. Eine führt nach Mukden,
eine zweite nach Ying-tszĕ, eine dritte nach Hsiu-yen, eine vierte nach Ta-ku-shan,
und endlich eine fünfte nach Korea. Die letztere folgt jedoch nicht dem Lauf des
Flusses, welcher sich wahrscheinlich durch felsige Engen Bahn bricht, sondern
führt um den südlichen Fuss des Fóng-hwang-shan herum nach dem Kau-li-mönn,
oder Thor von Korea. Auch dies ist ein Handelsplatz, aber nur eine Dependenz
der genannten Stadt. An ihm findet ausschliesslich der directe, aber auf bestimmte
Messzeiten beschränkte Handel mit Korea statt, während in Fóng-hwang die mit
denselben beschäftigten Firmen ihren dauernden Sitz haben. Die Bedeutung des
letzteren Ortes beruht wesentlich in diesem Umstand: wenig erheblich ist die Ver-
sorgung der Umgegend mit Importen und das Aufsammeln ihrer Erzeugnisse,
unter denen nur die wilde Seide von Interesse ist. Der Platz ist sehr volkreich
und lebhaft, und er schien mir der bedeutendste, den ich südostlich von Ying-
tsze getroffen habe.


Kau-li-mönn, oder das Thor von Korea.

Von handelsgeographischem Standpunkt nimmt Kau-li-mönn unser Interesse
in erster Linie in Anspruch. Ich beschränke mich auf eine Darstellung meiner
Beobachtungen an demselben. Gleich meinen Vorgängern Williamson und Mac-
pherson hatte ich das Glück, den Ort während einer der drei Messen zu besuchen
und dadurch die Koreaner, von denen wir so wenige zuverlässige Beschreibungen
besitzen, durch persönlichen Umgang kennen zu lernen. Da ihre Eigenthüm-
lichkeiten bei gleichzeitiger Berührung mit Chinesen scharf hervortraten, so sei es
mir gestattet, den bei flüchtiger Bekanntschaft gewonnenen Eindruck nach meinem
Tagebuch hier wiederzugeben.

Den Weg, welcher in einem nach Osten gerichteten Gebirgsthal nach dem
Kau-li-mönn führt, haben wir oben (S. 87, 88) kennen gelernt. Man erwartet in dem
vielgenannten Ort einen grossen Handelsplatz, und in dem Thor von Korea ein
monumentales Bauwerk zu finden. Vergebens sieht man sich nach Beidem um,
und man glaubt falsch berichtet zu sein, wenn ein kleines Wachthäuschen mit
einer Durchfahrt, die in Breite und Höhe für Einen Wagen Raum gewährt, als
das berühmte Thor bezeichnet wird, welches fast die einzige gesetzlich erlaubte
Verbindung zwischen China und Korea herstellt. Es steht an einer Stelle, wo die
Thalwände nahe zusammentreten und nur einem schmalen Durchgang Raum
gewähren. Im Westen, auf der chinesischen Seite, schliessen sich daran einige
Dutzend Gast- und Unterkunftshäuser, und östlich, unter freiem Himmel, befinden
sich die Waarenlager der Koreaner. Weiterhin ist in dieser Richtung kein Haus
und kein Anbau zu sehen. Ein dichter Grasteppich überzieht Thalboden und