National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Fällen stattfand, kehren sie ihre steile Seite dem krystallinischen Gebirge zu und ver-
flachen sich nach der abgewendeten Seite mit sehr geringem Neigungswinkel. Eine dieser
Reihen beginnt aber nicht mit den tiefsten Gliedern, wie am Tung-Wonn-hô; die Schicht-
Gneiss lagert zuerst Kalkstein, 20 Fuss mächtig, dann rother Schieferthon, darauf wieder
Kalkstein u. s. f. — kurz, dieselbe Folge, der wir bereits mehrfach begegneten. Die
Hauptabwechselung besteht darin, dass die Zwischenschichten im unteren Theil aus rothen,
in das wir nun hinabsteigen, tauchen Anfangs die Kalksteine einige Male auf; dann herrscht
der fruchtbare Boden allein. Mehrere grosse Ortschaften liegen im Thalboden zerstreut,
über den sich im Norden der 5000 Fuss hohe Tai-shan erhebt.
Von Tai-ngan-fu nach Tsi-nan-fu (den 6ten und 7ten April).
Entfernungen in li:
Von Tai-ngan-fu nach Titu-tai 50 li; — Tihang-him 60; — Tshow-mi-tün 25; — Tsi-nan-
fu 55 li. — Zusammen 190 li oder 42½ g. M.
Ich war zu sehr Neuling in China, als ich diese Gegend bereiste, um den Werth
eines Besuches der Grabstätte von Confucius in dem zwei Tagesreisen südlich gelegenen
Ku-fu-hien, oder einer Besteigung des Tai-shan, welche kein besonderes Interesse ver-
sprach, zu kennen. Ich bewunderte die imposante Gestalt des Berges, der sich unver-
mittelt mit schroffeformten Abhängen aus der Thalebene erhebt und sich in voller
Klarheit zeigte. Aber mit seiner grossen historischen Bedeutung war ich damals nicht
vertraut. Erst später erfuhr ich, welche wichtige Rolle er, als der höchste und gewal-
tigste Berg von Shantung, und als der östliche unter den vier (später fünf) heiligen Opfer-
bergen des Reiches, schon in dem ehrwürdigen Text des Yu-kung, und des Shu-king
überhaupt, spielt; wie er damals, und später wieder in der Tshôt-Dynastie, eine Grenz-
marke für die Provinzialeintheilung bildete und einer der Orte war, an denen die Kaiser
dem höchsten Wesen Opfer brachten, sowie den Tribut und die Huldigung ihrer Vasallen
entgegennahmen, um die Belehnung zu erneuern. Auch die buddhistischen Priester haben
sich später die wilden Schluchten und barocken Felsgebilde zur Errichtung ihrer Tempel
gesucht. Das Gebirge ist ganz kahl und felsig, von Schluchten durchrissen, zwischen
denen verzweigte Jocher sich herabziehen; es gehört zu denjenigen krystallinischen Ge-
birgen, welche den Charakter versenkter Hochgebirge tragen¹.
Der Tai-shan, auch Tü-ngan-shan genannt, besteht aus Gneiss in vielen Abän-
derungen. Granit kommt unter diesen vor, aber nicht ohne noch einigermassen die
schieferige Tendenz erkennen zu lassen. Quarzit und Amphibolschiefer, oder eigentlich
Amphibolgneiss, bemerkte ich vielfach unter dem Gebirgsschutt, ohne über ihr
Lagerungsverhältniss zum Glimmergneiss Aufschluss zu erhalten. Glimmerschiefer und Thon-
schiefer finden sich nicht. Das Streichen des Gneiss ist N 30° W; er fällt 70—80° SW.
Ausserdem glaubt man bei dem Gesammtanblick des kahlen Gebirges eine Art von Abson-
derung in mächtige Schollen mit westöstlichem Streichen und 30° nördlich gerichtetem Fallen
wahrzunehmen. Quarzgänge sind selten.
Ein tiefer, dem Streichen nahezu parallel von SO nach NW gerichteter Einschnitt
trennt das Gebirge in zwei Theile. Durch denselben führt die Strasse nach der Provinz-
hauptstadt. Ehe sie ihn erreicht, geht sie 20 li über Gebirgsschutt. Dann hat man
1200 bis 2000 Fuss. Er ist ganz mit Gneiss-Schutt ausgefüllt; die Stücke sind von allen
Grössen bis zu mehreren Fuss Durchmesser. Der Weg ist überaus öde. Die Bevölkerung
in den zerstreuten Gruppen ähnlicher Häuser besteht aus privilegirten Bettlern. Die Pass-
höhe beträgt nur 130 Fuss über Tai-ngan-fu; dann fliessen die Gewässer nördlich und
speisen den Yu-fu-hô, dessen Lauf wir nun abwärts folgen. Das Thal erweitert sich und
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