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0245 China : vol.2
China : vol.2 / Page 245 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000260
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verfolgen, da 120 Fuss die grösste Tiefe ist, aus der man das Wasser hier noch mit
Vortheil zu heben vermag. Ohnehin ist der Preis der Kohle von einer auf anderen
Kohlenfeldern fast unerhörten Höhe.

Ein wenig (ungefähr 600 Meter) weiter südlich gelangte ich zu einer anderen Gruppe
von Schachten, die ebenfalls sämmtlich auf Ein Flöz niedergehen. Sie sind alle ver-
lassen. Dies Flöz soll 4 Fuss mächtig sein und ebenfalls schwach nördlich fallen, wie
also im Verhältniss zum ersten, ein Liegend-Flöz sein. Im Hangenden kommen hier
neben Sandstein auch schwarze Kohlenschiefer vor.

Wieder etwas weiter südlich, bei dem Dorf Liu-ku, besuchte ich eine dritte Gruppe
von Schachten, und auch diese gehen auf Ein Flöz nieder. Das Hangende besteht hier
aus grauen und schwarzen pflanzenführenden Kohlenschiefern, in denen ich jedoch nichts
Bestimmbares fand. Diese Verschiedenheit des Hangendgesteins kennzeichnet, neben der
Lage, die drei Kohlenflöze als verschiedenen Niveau's angehörig. Auch hier fand ich
wenige Gruben in Betrieb. Jede hat zwei Schachte, einen zum Wasserheben und einen
zur Förderung. Beides geschieht in ledernen Säcken und durch Handarbeit mittelst
Haspeln. Die Mächtigkeit dieses dritten Flözes wurde zu 6 Fuss angegeben. Ich theile
diese Zahlen, sowie die Thatsache des nördlichen Einfallens auf Grund der Ueberein-
stimmung der Aussagen verschiedener Personen mit, die ich fragte. Uebrigens ist es
von vorn herein wahrscheinlich, dass die Flöze eine wenigstens mässige Mächtigkeit
haben, da dünne Flöze hier nicht mit Vortheil abgebaut werden könnten.

Nach dieser dritten Gruppe folgt bald ein ausgedehntes Feld von theils verlassenen,
theils noch offenen Gruben, die auf einer Reihe von Flözen niederzugehen scheinen.
Kohlenschiefer und Sandstein liegen auf den Halden. Die Qualität der Kohle ist ver-
schieden. Der grösste Theil ist Klein- und Staub-Kohle, was zum Theil der geringen
Teufe, der sie entnommen ist, zuzuschreiben sein mag. Die Stückkohle enthält meist
Lagen von Faserkohle. Doch gibt es auch recht gute Grobkohle; sie ist stets schieferig,
theils von muscheligen, theils von unebenem Bruch.

Südrand des Kohlenbeckens. — So schreitet man nach Süden mehr und mehr
den Liegenden zu. Nirgends stehen die Schichten zu Tage an. Plötzlich tritt unter
dem Löss anstehendes Gestein hervor; aber es ist keine Kohlenformation, auch nicht
der sonst im Liegenden erscheinende Kalkstein, sondern ein gelbes zersetztes Gestein
mit Feldspathkrystallen. Gleich darauf folgt Granit. Gerade hier, in den Einbuch-
tungen dieses Gesteins, ist Alles mit alten Kohlenhalden besät.

Zum ersten Mal begegnen wir hier dem Fall der Auflagerung von Kohlengebilden auf
einem älteren Gestein als Kohlenkalk oder Sinische Formation. Allein die Ueberraschung
endet hiermit noch nicht. Der Granit bildet eine flache Welle, und nur ein wenig weiter sind
ihm die Sinischen gelben und rothen Schiefer, Dolomite u. s. w. der unteren Schich-
ten von Tshang-hun [s. oben S. 196] regelmässig aufgelagert, mit westöstlichem Streichen
und 15° südlichem Fallen. Darauf kommen in regelrechter Folge die geschichteten Kalk-
steine, die uns von demselben Ort und dem Yuen-shan bekannt sind. Sie bilden einen
niederen welligen Höhenzug, dessen Kamm 400 bis 600 Fuss über Wei-hsièn erreichen
dürfte. Zwischen ihm und dem Granit liegt auf den weicheren Tshang-hsün-Schichten
das Dorf Ma-sz'. Dies ist das erste Mal, dass ich in Shantung ein südliches Fallen der
Sinischen Formation beobachtete.

Von Ma-sz' nach dem Wéi-Thal (22ster und 23ster April).

Wir haben hiermit einen Ueberblick der Entwickelung des Kohlenfeldes von Norden
nach Süden gewonnen. Als Westgrenze der anstehenden Kohlenschichten ist jedenfalls die
vulcanische Terrasse anzunehmen. Es bleibt nun noch die Ostgrenze zu untersuchen.
Ich lernte sie einigermassen kennen, indem ich auf einem östlicheren Weg nach der
Hauptstrasse zurückkehrte. Wie zu erwarten, hatte ich zuerst noch einmal den Granit
zu überschreiten. An ihm lehnt sich im Norden eine andere, sehr flache und breite
Welle an, deren Höhe über Wei-hsien ungefähr 250 Fuss beträgt. Sie ist ganz und gar
mit Löss bedeckt¹), der hier ungemein reich an kleinen kalkigen Concretionen ist.