National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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wurde, einen zweijährigen Umtrieb, und die freigebige Natur hat in dieser Periode
immer wieder einen neuen Pflanzenteppich geschaffen. Niemals aber wird dieser
genau denselben alten Untergrund vorfinden; denn ein Theil des aufgelockerten
Erdreichs wird von dem nächsten Regen fortgespült, und so wächst wahrscheinlich
von Jahr zu Jahr die Fläche, wo das Gestein entblösst zu Tage tritt.
In dem lieblichsten Contrast zu den kahlen Hohen stehen die angebauten
Thalgründe. Wie man überhaupt in Shantung Gelegenheit hat, verschiedene Phasen
des chinesischen Lebens in ihrer besten Entwickelung zu sehen, so steht auch der
Ackerbau hier auf der Höhe. Der Grund ist klein parcellirt, und jedes Stück wird
wie ein Garten gepflegt. Die ganze Familie theilt sich in die Arbeit, und beim
Reisen bieten sich täglich die wohlthuenden Bilder emsiger Betriebsamkeit. Die
heranwachsenden Söhne helfen dem Vater, und selbst kleinen Knaben sind ihre
Rollen zugetheilt. Wo der Boden abschüssig ist, sieht man ihn bis hoch hinauf
sorgsam angebaut, oft bis zu Höhen, in denen die Berieselung nur selten bei
günstigen Regenverhältnissen geschehen kann und die Arbeit manches Jahr umsonst
geschieht. Sehr günstig ist die Zone des Löss am Nordrand des westlichen Gebirgs-
landes gestellt; denn sie erhält nicht nur dasselbe Maass von Niederschlägen, welches
den anderen Feldern zukommt, sondern geniesst auch noch den Vortheil der Be-
rieselung durch Brunnenwasser, wie ich es oben S. 209 dargestellt habe. Die
blühendsten und ertragreichsten Landstriche sollen jedoch diejenigen sein, welche
sich zwischen dem Westfuss des Gebirges und dem Grossen Canal ausbreiten.
Es würde eine nutzlose Wiederholung mit sich bringen, wollte ich bei jeder
Abtheilung des Landes, die wir besonders betrachten, alle darin angebauten Feld-
früchte beschreiben. Ich beschränke mich daher darauf, die wichtigeren und den
einzelnen Gegenden eigenthümlichen zu erwähnen. Shantung hat unter allen Pro-
vinzen des Nordens die mannigfaltigste Production. Ich habe an einer anderen
Stelle (S. 18 bis 20) darauf hingedeutet, dass das nördliche China sich von dem süd-
lichen in den Erzeugnissen der Landwirthschaft unterscheidet, an der Grenze aber
zum Theil ein Uebergreifen des einen Gebietes in das andere, oft bis weit hinein,
stattfindet. Dies gilt besonders von Shantung, welches, trotz seiner Zugehörigkeit
zu der Gruppe der nördlichen Provinzen, den Reis und den Seidenbau des Südens,
aber nicht dessen Theestrauch besitzt. Die Reiscultur hat ihren Hauptsitz in den
wasserreichen ebenen Landstrichen, welche dem Gebirge im Westen und Süden
vorliegen, wird aber auch in manchen Thälern getrieben. Weizen und Bohnen
sind überall die Hauptfrüchte. Baumwolle hält sich an den Löss und wird daher
in der Westhälfte in ausgedehntem Maass angebaut.
Von Bedeutung ist die Obstcultur. Allenthalben, besonders aber auf dem
terrassirten Ackerboden, welcher die unteren Theile der Gehänge bekleidet, sieht
man sorgfältig gepflegte Reihen von Fruchtbäumen, und in der Zeit ihrer Blüthe
geben sie mancher Landschaft einen Hauch von Anmuth, welche sonst die letzte
unter den Eigenschaften des nördlichen China ist. Als Handelsproducte verdienen
nur die Früchte von Zizyphus Erwähnung, von den Chinesen tsini'r genannt, von
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