National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
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günstig sind wiederum die Verhältnisse in dem weiten Thal von Tai-ngan-fu; aber
hinter dieser Stadt führt die Strasse einen halben Tag durch ein Gebiet, wo fast
nur Bettler leben. Erst wo der Yu-fu-hö durch Kalkstein fliesst, gewährt sein Thal
günstigere Verhältnisse, und wenn man einen Berggipfel besteigt, so zeigen sich
Dörfer in allen Schluchten des Gebirges zerstreut.
Wollte man nach der beschriebenen Strecke Weges urtheilen, so müsste man
Shantung für eine der schwächer bevölkerten Provinzen von China halten, und
wahrscheinlich würde sich bei der Durchwanderung aller ihrer gebirgigen Theile
der Eindruck nicht ändern. Erst wenn man bei Tai-nau-fu in die Ebene kommt,
gewahrt man die ausserordentlich ungleiche Vertheilung. Entlang dem ganzen
Gebirgsrand von hier bis Wei-hsien ist das ebene Land ungemein dicht bevölkert.
Am meisten scheint dies für den Bezirk von Tsiug-tshön-fu zu gelten. Und doch
dürfte die Dichtigkeit hier noch gegen manche Gegenden am westlichen Gebirgs-
abfall, insbesondere die Bezirke von Yen-tshön-fu und Lin-tsin-tshön, sowie gegen
die nördlich vom Gelben Fluss gelegenen Landstriche zurückstehen. Abgesehen
von der bedeutenden Zahl grosser Städte, welche ausserhalb des Gebirgslandes
liegen, ist eine Landbevölkerung von 15 bis 16000 auf die Quadratmeile dort
wahrscheinlich nichts Seltenes.
Die Bewohner von Shantung sind zum Theil als die Träger einer uralten
Cultur zu betrachten, da der Westen der Provinz, wie wir oben (S. 174 ff.) erwähnten,
ein früher Sitz des herrschenden Volkes geworden war; auch ging ja später von
hier die Regeneration des gesammten geistigen, und damit auch des staatlichen
Lebens von China, durch Confucius, aus. Ein Theil der Bevölkerung jedoch,
und wahrscheinlich der bei weitem grössere, ist als die Nachkommenschaft ursprüng-
lich ansässiger Stämme, wie der Lai und der Kiau, zu betrachten, welche erst
spät unterworfen wurden. Eine Amalgamation der beiden Elemente hat wol längst
stattgefunden. Der eben bemerkte Unterschied gegen die Bewohner von Kiangsu,
welcher scharf an der Grenze eintritt, wird sich wahrscheinlich in ähnlicher Weise
bei dem Uebergang in andere Nachbarprovinzen beobachten lassen. Diese provin-
zielle Absonderung bestimmter, im äusseren Ansehen wie in Charaktereigenschaften
und geistiger Begabung individualisirter Typen ist eine der Eigenthümlichkeiten
von China. Sie mag einerseits ein Ueberrest der uralten Eintheilung der Fürsten-
thümer sein; andererseits ist sie in dem conservativen Streben der Familien
nach Bodenbeständigkeit begründet. Wie in Palaestina die Angehörigen verschie-
dener Stämme zusammen wohnen konnten, ohne dass der Einzelne das Bewusst-
sein seiner engeren Heimath verlor, findet sich dieses Gefühl noch heute bei den
Chinesen stark ausgeprägt. In manchen Provinzen, wie in Kiangsu und Honan,
bleiben sie überhaupt sesshaft, da die Vorliebe zum Ackerbau und Kleingewerbe
ihnen keinen Grund gibt, andere Gegenden aufzusuchen. Diejenigen von Shansi
und Kiangsi hingegen, ebenso wie die Bewohner von Ningpo und Canton, sind
überall in den Städten zerstreut zu finden, da ihre Befähigung zum Handel und
Verkehr ihnen eine geistige Superiorität über die Bewohner der übrigen Provinzen
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