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0350 China : vol.2
China : vol.2 / Page 350 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000260
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V. Nan-kôu-Pass und Ming-Gräber
(den 11ten und 12ten August 1869).

Der ganze nördliche Theil der Ebene von Peking ist, wie wir an einer anderen
Stelle (S. 276) hervorhoben, ein Schuttkegel, der sich von dem Fuss sämmtlicher Gebirge
nach dem Sha-hô oder Sandfluss hin senkt. Man befindet sich daher in Nan-kôu schon,
ungefähr 436 Fuss über Peking. Es ist ein kleiner Ort, durch nichts ausgezeichnet, als
dass er am Eingang in einen der historisch berühmtesten Pässe liegt. In der Gebirgs-
ansicht macht sich der letztere kaum bemerkbar. Denn die Schlucht, in der man aufwärts
geht, ist nur eine enge Unterbrechung in der gradlinigen Mauer, mit der das Nankou-
Gebirge in die Ebene abfällt. Wir haben bereits (S. 281) dargestellt, dass es ein wichtiges
und bedeutendes Scheidegebirge ist, sowie, dass die einzige, nicht mit allzu grossen
Schwierigkeiten zu bewerkstelligende Verbindung von Nord-Tshili mit der Grossen Ebene
vermittelst eines tiefen Risses durch dasselbe geschieht, in welchem die Strasse führt. Steile
Wände engen ihn ein und erschliessen den innersten Bau des Gebirges, während der Boden
oft bis 200 Fuss über dem Bach mit grossen Gesteinsblöcken angefüllt ist, deren Beweg-
lichkeit bisher jeden Versuches zum Bau einer dauernden Strasse gespottet hat. Die Gehänge
der Schlucht bestehen aus Sinischen Kalken, die von zahlreichen Eruptivgesteinen durch-
brochen werden. Schon am Eingang erblickt man zwei mächtig aufstrebende Pfeiler aus
krystallinischem Kalk mit Hornstein, welcher der Gruppe c unseres früheren Profils
S. 307 angehört. Der Hornstein bildet Lamellen und knotige Zwischenlagen; einzelne
Schichten des Kalksteins sind frei davon und treten als ein sehr reiner Marmor auf. Die
Schichten streichen O 25° N—W 25° S und fallen 39° SSO. Eingelagert sind rothe
Schiefer mit glimmerigen Ablösungsflächen. Ein mächtiger Gang von Syenitporphyr
steigt zur Linken unweit des Eingangs auf, ohne anscheinend die Regelmässigkeit der
Lagerung zu beeinträchtigen. Es folgen nun in rascher Folge eine Anzahl von Syenit-
porphyrgängen, besonders an der östlichen Thalwand, die oft auf ganze Strecken daraus
besteht. Zuweilen schneiden sie durch alle Schichten hindurch bis zur Höhe; meist
aber endigen sie schon weit darunter. Der Contact der Kalke mit dem Eruptivgestein
lässt sich leicht beobachten, ist aber durch keine Mineralbeimengungen, sondern höchstens
durch ein grösseres Korn des krystallinischen Gefüges, ausgezeichnet. Der Syenit-
porphyr ist wesentlich Plagioklas-Hornblende-Gestein. Abänderungen entstehen durch
gröberes oder feineres Korn der Grundmasse, durch die Grösse der eingeschlossenen
Krystalle, und durch das Vorwalten von Feldspath oder Hornblende unter diesen. Einige
Gangmassen sind mehrere hundert Fuss mächtig.
Je weiter man in der Schlucht kommt, desto flacher wird der Neigungswinkel der
Schichten, und schon in geringer Entfernung wird horizontale Lagerung herrschend,
gerade wie bei dem früheren Uebergang. Es bilden sich dadurch ebene Zinnen, welche,
wenn sie durchrissen sind, Castellformen annehmen. Ungefähr 8 li von Nankôu ver-
schwinden die Gänge von Syenitporphyr. Für eine Strecke von 5 li ist der Kalkstein
beinahe rein; nur schmale Gänge von dunklen Porphyren durchsetzen ihn. Zugleich
vermindert sich das Maass metamorphischer Einwirkung. Hier jedoch haben die Sedi-
mente eine Verwerfung erfahren. Denn es tritt ein höheres Glied der Sinischen Reihe
auf, dasjenige der globulitischen Kalke. Zuerst macht es sich in horizontal
geschichteten schwarzen Tafelkalken bemerkbar, welche von schwarzen Kugeln mit radialer
Structur erfüllt sind. Dies ist eine ungewöhnliche Form. Die eigentlichen Globulitkalke
sind in weissen Marmor verwandelt, auf dessen frischen Bruchflächen die Structur nicht
wahrzunehmen ist; bei der Verwitterung jedoch treten die Körnchen deutlich hervor.
Eine neue Ganggruppe wird, nachdem man diesen Zwischenraum durchschritten hat,
durch eine auffallende Gangmasse von grellrothem Porphyrit eingeführt, in welcher ein
2 Fuss mächtiger Gang eines schwarzen aphanitischen Gesteins aufsetzt. Der Porphyrit
führt in feinkorniger rother Grundmasse zerstreute Krystalle von Orthoklas, sparsame
Blätter von tombakbraunem Glimmer und Säulen von Hornblende. Es folgen gleich
darauf noch zwei Gänge, von denen einer sehr glimmerig und stark zersetzt ist und
wahrscheinlich aus Syenitporphyr besteht. Gänge und Gangmassen von Porphyrit werden