National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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begegneten wir ihm sporadisch im Gebirge, und fanden ihn allgemeiner an dessen
Rand verbreitet; aber er bestimmt dort nicht den physiognomischen Charakter der
Landschaften, und sein Einfluss erstreckt sich höchstens auf die Art des Feldbaues.
Selbst die ausgedehnten Lössablagerungen in der Grossen Ebene vermochten nicht,
denjenigen Typus zu schaffen, welchen wir im ersten Band als das Merkmal der
Lösslandschaften beschrieben. So wie wir das Nordgehänge des Nankóu-Gebirges
erreicht haben, tritt er uns in voller Reinheit entgegen. Fast eine jede der grossen
Einsenkungen, wenn wir sie von einer Höhe überblicken, hat die Gestalt eines
Steppenbeckens, indem die Verticalebene die Oberfläche in einer Curve von der
Form eines zwischen den beiden Gehängen schlaff gespannten Seiles durchschneiden
würde. Der Höhenunterschied zwischen den Rändern und der Mitte beträgt oft
mehrere tausend Fuss; aber die Abdachung ist so allmälig, dass das Auge sich
keine Vorstellung von der Grösse dieser Differenzen machen kann. Zunächst den
Gehängen ist der Neigungswinkel am grössten; gegen die Mitte hin nimmt er
immer langsamer ab, bis sich der diesseitige mit dem jenseitigen Abfall in einer
Ebene begegnet. Der obere Muldenrand geht bald unmittelbar durch Anhäufungen
von eckigem Schutt in den aus festem Gestein bestehenden trennenden Gebirgs-
rücken über, bald lehnt er sich an Felswände, welche noch hoch darüber aufragen.
In allen Schluchten, deren Boden unterhalb des Niveau's des Muldenrandes mündet,
setzt die Lössausfüllung fort, oft so hoch hinauf, dass sie über die Pässe hinweg-
reicht. Jede solche Schlucht bildet eine tributäre Mulde, mit geschwungenem
Querdurchschnitt, auch wenn der grobe Schutt den feinen Löss weit überwiegt.
Neben diesen normalen Formen treten auch einseitige Lössmulden auf,
bei denen die lange, geschwungene Abdachung sich nur von Einer Flanke herab-
zieht, und wo von dem tiefsten Theil derselben entweder eine durch Seeausfüllung
entstandene, beinahe vollkommene Ebene bis an das jenseitige Gehänge hinanreicht,
oder eine schmale Lossaufschüttung den zweiten Muldenflügel gewissermaassen nur
andeutet. In allen solchen Fällen, so weit ich deren beobachtet habe, ruht der aus-
gebildete Muldenflügel auf einer im Durchschnitt sanft geneigten Fläche des unter-
liegenden Gesteins, während der rudimentäre Theil, oder der ebene Boden, an eine
steile und im Verhältniss sehr hohe Felswand grenzt. Die Erklärung der Erscheinung
durch atmosphärische Strömungen liegt nahe. Aehnliche Einflüsse, wie diejenigen,
welche es verursachen, dass Flüsse zur Seite von senkrechten Felswänden, welche sie
unmittelbar bespülen, ihre grössten Tiefen zu haben pflegen, dürften auch der in Rede
stehenden Form der Ablagerung des Löss zu Grunde liegen. Beispielen werden wir
mehrfach begegnen; so ist in dem Becken von Pau-ngan-tshóu der südliche, in dem-
jenigen von Ta-tung-fu der südöstliche, in dem von Kiai-tshóu (im sudwestlichen
Shansi) der nördliche Muldenflügel allein ausgebildet.
Durch die Lössaufschüttungen ist das ursprüngliche Relief des Bodens zum
grössten Theil verwischt. In den Einsenkungen, an den Gehängen, und nicht selten
auch im Inneren der einzelnen Gebirgsketten, sind viele der Unebenheiten verdeckt;
nur die Scheidegebirge zwischen den Becken steigen über die Muldenränder, oft
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