National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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sich, dass sie damals den Steppenbecken geglichen haben müssen. Wir stellen nun
umgekehrt die Frage, was aus den Wellenthalern des mongolischen Plateau's werden
würde, wenn ein Abfluss 1000 Fuss unter dem jetzigen Niveau ihrer Sohle hergestellt
würde. Offenbar würde in der Mittellinie eines solchen Beckens ein tiefes Bachbett aus-
gefurcht werden, in das von beiden Seiten eine grosse Zahl sich verzweigender Runsen
einmünden würden, gerade wie es in den normal ausgebildeten Lössmulden der Fall ist;
dabei würde doch, wie in diesen, die Gesammtform der ursprünglichen flachen Mulde
so lange gewahrt bleiben, bis die Abspülung der Ausfüllungsmassen den felsigen Unter-
grund auf grössere Strecken blossgelegt und ähnliche Verhältnisse herbeigeführt hätte, wie
wir in den Thälern im Westen von Hai-wan-tsé fanden. Diese Betrachtungen machen
es in hohem Grade wahrscheinlich, dass das Lössgebiet über die Mongolei fortgesetzt und
im Wesentlichen deren Charakter bedingt, wie wir es früher dargestellt haben. In ihr
aber ist die Bildung des Bodens in offenbarem Fortschreiten begriffen, indem das Wasser
die Gehänge abspült und der Wind der Vegetation in Form von Staub und Sand feste
Bestandtheile zuführt, welche sie festhalten. Diese Massen haben sich derartig angehäuft,
dass man jetzt ebenso wenig ahnen kann, was unter der Oberfläche der Steppenmulden
ansteht, als man den Charakter des liegenden Gesteins zu errathen vermag, wenn man
auf ebenem Lössgrund geht. Auch dieser hat eine braune, nicht selten an der Ober-
fläche durch Humus geschwärzte Farbe, und erst in Runsen kann man erkennen, dass
der Boden Löss ist. Auf dem Plateau fehlen solche Einschnitte. Aber es brauchte nur
der Rand desselben an einer Stelle von einem Riss durchsetzt, und dadurch ein Abfluss
für die Gewässer geschafft zu werden, so würde die Herstellung eines in der äusseren Form
analogen Phänomens, wie es die Lössmulden bieten, die nothwendige Folge sein. Wenn
dann der durchrissene Boden sich als Löss zu erkennen gäbe, so würde der unzweifel-
hafte Beweis geliefert sein, dass Steppenboden und Löss identisch sind. Solche
Stellen aber sind vorhanden, und an ihnen ist die angedeutete Identität klar ersichtlich.
Wir werden deren sogleich zu beschreiben haben.
Von dem mongolischen Zeltplatz [hier Oll genannt] Khanortai, wo eine starke Quelle süssen
Wassers mit einer Temperatur von 6½° C. hervorbricht, verlässt man kaum mehr den Dolerit.
Nach einer Strecke von 25 li folgt Hwéi-tung-bai und 20 li weiter das erste chinesische Haus.
Abstieg nach Hsi-ying-tsé. Bald danach steht man am Rand einer Ver-
senkung, noch auf Dolerit und in einer Meereshöhe von 5320 Fuss. Es ist eine breite
und flache, nur 260 Fuss tiefer gelegene Thalmulde, von Nord nach Süd gestreckt,
Tung-nin-kuan-tsé genannt. Sie ist nicht mehr abflussloses Land; denn bereits haben
die Gewässer einen Ausweg nach Süden an zwei Stellen gefunden. Auf Löss steigt man
hinab, bis man Granit als sein Liegendes erreicht. In scharfem Contrast zu der Ein-
samkeit des mongolischen Graslandes ist das Thal voll chinesischer Dörfer, deren Bewohner
Ackerbau treiben; denn wo dem Steppenboden sein Ueberfluss von Salzen entzogen ist,
erzielt man selbst in dieser Meereshöhe (ungefähr 5100 Fuss) noch gute Ernten. Ueber
Hügelausläufer, die einige der Zerstörung entgangene Schollen der doleritischen Decke
tragen, erreicht man 20 li weiter die belgische Missionsstation Hsi-ying-tsé, wo ich vom
12ten bis 14ten November einer wohlthunden Gastfreundschaft genoss.
Von Hsi-ying-tsé in der Mongolei nach Ta-tung-fu in Shansi
(den 15ten bis 20sten November 1871.)
Entfernungen in li:
Hsi-ying-tsé — Orr-shi-van-kau 90 — Tshang-ku-ber 20 — Hung-thi-liau 30 — Pass am Lan-
yé-miau 12 — Tshang-tai-yau-tsé 58 — K'wan-tung-fu 20 — Mauerthor Tshünn-tshuan-khu 20
— Shan-li 30 — Ta-tung-fu 30. — Zusammen 310 li¹) oder 86 g. M.
Das Missionshaus in Hsi-ying-tsé liegt in einer nach Südwesten sich verbreiternden
flachen Thalmulde. Im Nordwesten und Osten ist sie von Hügeln eingefasst, und in
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