国立情報学研究所 - ディジタル・シルクロード・プロジェクト
『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

> > > >
カラー New!IIIFカラー高解像度 白黒高解像度 PDF   日本語 English
0402 China : vol.2
中国 : vol.2
China : vol.2 / 402 ページ(白黒高解像度画像)

New!引用情報

doi: 10.20676/00000260
引用形式選択: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR読み取り結果

sieht man sie mit chloritischen Schiefern wechsellagernd, und dann werden sie ganz von
solchen unterteut. Diese werden ihrerseits thonig, fallen steiler und steiler, und gehen
schliesslich in graue und grünlichgraue Thonschiefer mit welligen Schichtflächen und unvoll-
kommener Absonderung über. Diese Gesteine, in welchen zuletzt Quartzite, grau bis
braun in wolkiger Zeichnung gefärbte thonige und sandige Schiefer, Schieferconglomerate
und metamorphosirte Grauwackengesteine, meist in dünnen Einlagerungen auftreten, stehen
an dem letzten Theil der Thalwände an, ehe man das Dorf Wu-tai-shan erreicht. Sie
streichen ONO bis ONO und fallen 45° nördlich. Ausser den Hornblendeschiefer, welche
am Südabhang häufig durch Löss unterbrochen und im Ganzen nicht deutlich zu verfolgen
sind, kommen kalkige Schiefer von den hohen Bergen herab, wo sie wahrscheinlich den
untersten Theil der Sinischen Auflagerung bilden.
Das in Fig. 1 auf Tafel IV dargestellte Profil zeigt die eigenthümliche Lagerung. Die
Beobachtungsreihe ist immerhin vollständig genug, um zu erweisen, dass in der zweiten
Hälfte desselben die gleichen Schichten wie vorher, aber in umgekehrter Reihenfolge (vom
Liegenden nach dem Hangenden gerechnet), auftreten. Die Hornblendeschiefer sah ich
zwar nicht; sie mögen durch Löss verdeckt sein. Aber die Wiederkehr der charakteristischen
Magneteisen-Sandsteine lässt keinen Zweifel über die Identität des Schichtensystems in bei-
den Theilen des Durchschnittes.
Wie bei dem Anblick aus dem Thal von Tai-thöu, so hat der Wu-tai-shan auch
den Charakter des Grossartigen, wenn man seine breiten und hohen Massen von oben
aus überblickt, besonders von der dreizehnstöckigen, mit grün und gelb glasirten Ziegeln
bekleideten Pagode Sé-tsé-wo, welche auf der Höhe des nach ihr genannten Passes
steht. Obgleich das ganze Gebirge durch tief niedersetzende, schroffe und labyrinthisch
verzweigte Schluchten zerschnitten ist, sind doch die hohen Gipfel im Allgemeinen breit
und flach und, wie es scheint, regellos vertheilt, ohne einen centralen Kamm zu bilden.
Die höchsten unter ihnen konnte ich leider nicht sehen, da sie in leichten Nebel gehüllt
waren. Einige nahe gelegene, die noch erkennbar waren, schätzte ich auf ungefähr 1000
Fuss über dem Pass; für andere muss mindestens 2000 Fuss angenommen werden, so dass
das Gebirge eine Meereshöhe von mindestens 10,000 Fuss erreicht. Nach Gletscherspuren
habe ich mich vergeblich umgesehen.
Die Meinung der Bewohner, dass dies das höchste Gebirge in diesem Theil von China
sei, ist wahrscheinlich richtig. Zwar hat Klaproth auf einer chinesischen Karte den
Namen Hsüi-shan (Schneeberg) bei Ning-wo-fu ausfindig gemacht. Ritter, der die Berge
dieses Namens in China ganz allgemein für die höchsten hielt, glaubte auch hier einen
solchen Culminationspunkt gefunden zu haben. Allein in China hat der Name »Schnee-
bergs nicht mehr Bedeutung als in Deutschland und wird von den Bewohnern eines Thales
gern für denjenigen Gipfel angewendet, auf dem ihnen die Aussicht am längsten die
Anwesenheit von Schnee zeigt. Ein Berg, auf welchem Schnee ganz liegen bleibt, ist
hier herein nicht bekannt, und ich konnte auch nichts von besonders hervorragenden
Gebirgen in der Nähe von Ning-wo erfahren. Auf dem Wu-tai-shan soll zwar in jedem
Monat Schnee fallen, mit Ausnahme des sechsten (Mitte Juli bis Mitte August), in welchem
es regnet; doch soll er nicht lange liegen bleiben.
Südabhang des Wu-tai-shan. — Die Lama-Tempel des Ortes Wu-tai-shan
(6035 Fuss) liegen in dem Centrum einer sternförmigen Vereinigung von fünf tief geschnit-
tenen Schluchten. Durch vier derselben kommen Bäche herab, um in der fünften als ein
kleiner Fluss ihren Ausgang in südlicher Richtung zu nehmen. Der Kessel hat ungefähr
3000 Fuss Durchmesser und einen ebenen Boden. Seinen Wänden entströmen zahlreiche sehr
starke Quellen. Das Dorf mit den grössten Tempeln befindet sich am Ausgang der von NO
kommenden Schlucht. Mein weiterer Weg folgte dem Thallbach 8 li in südlicher Richtung
nach einem 500 Fuss unterhalb Wu-tai-shan gelegenen Dorf, führte dann 30 li nach W und
WNW in einer breiten 'steinigen Seitenschlucht ungefähr 1600 Fuss aufwärts nach dem
Pass und Dorf Tsing-ho-ling (7200 F.), von wo man in südlicher Richtung nichts
als Gebirgsrücken und Berggipfel überblickt. Ein steiler Abstieg von 1000 Fuss führt
hinab nach dem Dorf Wu-thöu-li. Von hier folgt man einem Thal erst südwestlich, dann
südlich. Bei Liang-to-tsun ist man schon 2500 Fuss tiefer als der Tsing-ho-ling; noch
hat das steinige Flussbett ein steiles Gefäll. Bei Nan-to-tu mündet dasselbe in ein
grösseres von NW kommendes Thal, dessen Bach bei Hsüi-han-ling (4030 F.) erreicht wird.
Dies ist der erste von fünf Kesseln, die zwischen dem Wu-tai-shan im Nordwesten und