National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0434 China : vol.2
China : vol.2 / Page 434 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000260
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

schen Standpunkt, um diejenigen Factoren kennen zu lernen, welche sich in einem
Land, wo sich gewissermaassen die Wahl zwischen verschiedenen Bedingungen bot,
als die wirksamsten für die Ausbreitung und die Sonderung der Racen erwiesen
haben.

In dem Zug des Nanköu-Gebirges fanden wir einen mächtigen natürlichen Wall,
an dem sich die politische Geschichte in ihrem wechselnden Gang wiederholt gebro-
chen hat. Für feindliche Heere bei nur geringer Vertheidigung unübersteigbar,
schützte er Peking und die Grosse Ebene von der nordwestlichen Seite. Dagegen
vermochten weder die Grosse Mauer selbst, noch die Engpässe, deren Zugang sie
sperrt, ein starkes Heer abzuhalten, von den Steppen her in die Lösslander im
Stromgebiet des Sang-kan-ho einzufallen. Man sollte daher glauben, das Nanköu-
Gebirge und seine westliche Abzweigung, der Man-tóu shan, hätten die natürliche
politische und ethnographische Grenzlinie für China und die Chinesen sein sollen.
Auch ist ja hier eine orographische und geologische Scheide, deren unendlich hohes
Alter und durch alle Zeiten fortdauernde Bedeutung für geologische und klimatische
Vorgange wir nachgewiesen haben. Und doch hat sie der chinesischen Race und
Cultur nicht Halt geboten. Mit Pflug und häuslichem Herd, mit seiner Neigung
zu städtischem Zusammenleben und seinem Geschick in communaler Verwaltung
hat das emsige Volk in früher Zeit die feste Schutzmauer überstiegen und sich
in dem von der Natur wenig begünstigten und den Einfällen der Nomaden stets
ausgesetzt gewesenen Land von Hsüen-hwa-fu und Ta-tung-fu Wohnstätten gegrün-
det. Um den Besitz zu sichern, baute es vor mehr als zwei Jahrtausenden die
Grosse Mauer zur Abwehr gegen die Nomaden. Dennoch wurden die Bewohner
wiederholt von diesen decimirt. Aber kein noch so herbes Geschick hat sie ver-
treiben können. Die Möglichkeit, dem Boden Nahrung und Kleidung abzugewinnen,
übte eine Anziehung, welche sich stärker erwies als jedes Hinderniss. Ein zeitwei-
liger Halt wurde dort gemacht, wo entlang der durch das Thal des Nan-Yang-ho
bezeichneten grossen Bruchspalte die flachen Gneissgewölbe an die Gebirge von
zusammengefaltetem Gneiss grenzen; denn in dem Gebiet der ersteren waren die
Bedingungen zu freier Bewegung vorhanden, in dem des letzteren lagen schwie-
rige Engpässe, und jenseits kam man in offenes Land, in welchem die Nomaden
umherstreiften. In der That blieb dies durch lange Zeit die ethnographische Grenze
gegen die Mongolei. Aber das Hinderniss des weiteren Vordringens war nicht
unüberwindlich. Es beruhte in der Existenz eines Gebirges, das kein hermetisches
Abschluss bildete, indem die Flüsse, an denen die Chinesen wohnten, ihre Quellen
jenseits desselben hatten. Politisch konnte es als Grenzscheide bestehen und durch
die Grosse Mauer gefestigt werden; durch den Drang der Racenausbreitung wurde
es überwunden. Der Pflug drang weiter und weiter vor, nach dem Türken-ghool
im Westen, nach dem ausgedehnten Quellgebiet des Yang-hö im Osten. Endlich
fand er seine Grenze. Aber sie ist derartig, dass man sie nach dem Anblick eines
Kartenbildes für die unscheinbarste von allen, welche auf physischen Verhältnissen
beruhen, und die letzte an Bedeutung halten würde; es ist die Scheide des