National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Abflusses nach dem Meer gegen das abflusslose Land, deren geringe Abhängigkeit
von der Gestalt und dem Bau des festen Gebirgsskelettes wir oben (S. 387) darge-
stellt haben. Ich habe im ersten Band dieses Werkes zu beweisen gesucht, welch
ausserordentlich grosser Unterschied zwischen den centralen und den peripherischen
Gebieten im Allgemeinen, und in Asien insbesondere, hinsichtlich der Bedingungen
für menschliche Ansiedelung, Bodencultur und Civilisation besteht. Nirgends könnte
man einen deutlicheren Beleg dafür suchen, als hier, wo beide geographische Typen,
bald in scharfgezeichnetem äusserem Contrast, bald in ganz unscheinbarer und kaum
bemerkbarer Weise, unmittelbar an einander grenzen. Gleichviel ob das Eine oder das
Andere stattfinde, ob die Grenze durch den hohen Steilabbruch einer vulcanischen
Mauer gebildet werde, wie oberhalb Kalgan, oder ob man von der Steppe unmittel-
bar nach einer flachen Niederung komme, deren fast versiegende Gewässer einen
Ausweg nach einem dem Meer zuströmenden Fluss gefunden haben — stets ist der
Chinese mit dem Pflug bis zu den äussersten Grenzen des Abflusses vorgedrungen,
und der Mongole überlässt ihm den Platz; denn sein Gebiet ist das von dem
chinesischen Ackerbauer gemiedene tsau-ti oder »Grasland«, d. i. die salzige und
stetig fortwachsende Steppe. Diese besucht der Chinese als Händler, oder er erbaut
Gasthäuser an den Caravanenstrassen; aber er gründet sich keinen häuslichen
Herd für seine Familie und seine Nachkommen¹).
Der Gegensatz trat in überraschender Weise hervor, als ich von dem mongo-
lischen Zeltplatz Khanörtai nach der Belgischen Missionsstation Hsi-ying-tsze ritt.
Tagelang hatte ich nichts als Grassteppe gesehen, darin in weiten Abständen einzelne
mongolische Zeltlager, umgeben von Heerden von Pferden, Kameelen, Rindvieh,
Schafen und Ziegen, die in den grasreicheren Theilen der flachen Becken in der
Nähe eines abflusslosen Sees oder an einem nach grösseren Becken hinabfliessen-
den Bach weideten; die einzelnen Becken waren durch lange und sanft abfallende
Rücken von schwarzem Dolerit von einander getrennt. Plötzlich, in der Meereshohe
von 6000 Fuss, stand ich am Rand der Steppe; die vulcanische Decke war steil,
aber nicht hoch, abgebrochen. Zu Füssen lag die sehr flache und breite Einsen-
kung Tung-niu-kuan. Die Fläche wimmelte von zerstreuten Gruppen von Lehm-
häusern, welche durch die ringsum aufgehäuften Getreideschober beinahe dem Blick
verborgen wurden. Obgleich nur 250 Fuss tiefer gelegen, als der Rand der Ein-
fassung, besteht doch der Boden aus Granit, und er wird von einem kleinen Bach
durchströmt, der nach dem Yang-ho gerichtet ist. Die chinesischen Ansiedler, Alle
aus der Provinz Shansi, waren erst seit wenigen Jahren hierher gekommen und
hatten sich mitten zwischen Steppenland ein Heim gegründet, nach dem sie ihre
häuslichen Sitten, ihre Gerathschaften, ihren Fleiss und ihren Handelsgeist mit-
brachten. Auf derselben Bodenfläche, wo vorher wenige Mongolen eine armselige
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