National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Zahl alter Halden ist hier sehr gross. In Betrieb sollen ungefähr hundert Gruben sein,
von denen die bedeutendsten bei dem Dorf Li-fong liegen. Eine dritte Gruppe ist weiter
östlich, wo 30 li von Li-fong, in der Nähe von Hsiu-wu-hsien, mehrere Gruben in Betrieb
sind. Ich besuchte nur die zweite Gruppe. Der unübersehbare Menschenschwarm, in
dem ich mich bewegte, verhinderte jede genauere Besichtigung, und ich kann daher nur
unvollständige Nachrichten mittheilen. Die Schachte sind rund, haben 5 Fuss Durch-
messer und sind mit starken Korbgeflecht ausgekleidet, eine Methode der Verschalung,
welche ich nur hier gesehen habe. Ihre Tiefen betrugen von 120 bis 400 Fuss. Der
Wasserandrang ist nur bei den tieferen Gruben bedeutend. Die Förderung geschieht
mittelst eines Haspels mit doppelter Seilführung, der von acht Mann gedreht wird; als
Fördergefässe dienen geflochtene Körbe, die von 120 bis 130 kin fassen. Auf jeder
der zehn Hauptgruben soll die tägliche Förderung 1000 Körbe (72 bis 78 metr. Tonnen)
betragen, auf den anderen geringer sein. Beim Abbau werden runde Grubenhölzer von
6 bis 8 Zoll Dicke eingesetzt. Der Bergbau beschränkt sich angeblich auf Ein Flöz, das
eine Mächtigkeit von 20 bis 30 Fuss hat, stellenweise aber auf 3 bis 4 Fuss herabgeht.
Da die einzelnen Grubenfelder ein Areal von nur 10 bis 40 mou haben, so entsteht
eine grosse Zersplitterung des Besitzes und der Arbeit; man sieht daher oft zwölf bis
fünfzehn Schachte ganz nahe bei einander.
Die Kohle ist Anthracit von vorzüglicher Beschaffenheit. Er bricht in grossen
Stücken von 4 bis 5 Kubikfuss, und der Stückkohlenfall beträgt ungefähr ²⁄₃ der gesam-
ten Fördermenge. Der Rest ist meist Würfelkohle; Fein- und Staubkohle ist nur wenig
vorhanden. Der Anthracit ist hart, von hohem specifischem Gewicht, muscheligen Bruch
und lebhaftem, etwas fettigem Glanz. Der Verkauf geschieht, wie überall in China,
nur nach dem Gewicht. Der Preis ist 500 tsien 38 Pfennig für den tan Pikul von
100 kin, wobei jedoch 20 statt 16 Unzen auf das kin gerechnet werden, so dass die
Tonne 5 Mark kostet; für ausgesuchte grösste Stückkohle wird 150 tsien genommen.
Der Transport geschieht auf Schiebbkarren, die 300 kin laden, und auf niedrigen festen
Wagen, die auf vier eisernen Rädern stehen und durch Pferde oder Maulthiere gezo-
gen werden. Diese Art Wagen habe ich nur hier und im südöstlichen Shansi im Gebrauch gefun-
den. In Tsing-kwa, 28 li von den besten Gruben, ist der Preis schon 2¹⁄₂ tsien für das kin
von 16 Unzen (M. 15. 50 die Tonne). Die Hauptmärkte sind, ausser Tsing-hwa und
Hwai-king-fu, die Schifffahrtsplätze Hsiu-wu-hsien vor bei Hochwasser und Tau-kou-
tshönn am Wéi-ho, und der von mir berührte Platz am Hwang-ho, wo der Preis schon
5 tsien das kin 31 Mark die Tonne beträgt. Auf dem ersteren Fluss geht die Kohle
hinab nach Tien-tsin, auf dem zweiten nach Kai-fong-fu, so dass sie bedeutende und
volksreiche Landstriche versorgen kann.
An Entblossungen der kohlenführenden Schichten fehlt es nicht; doch sind sie unvoll-
kommen. Sie zeigen ein Streichen von SW nach NO und ein Fallen von 8° nach SO.
Anstehend sind nur mürbe Quarzsandsteine, meist von gelben Farben; nahe der Kohle
werden sie feinkornig, thonig und schwärzlich, wie die Halden beweisen. Sie enthalten
Pflanzenreste, doch war es mir wegen des Menschengewimmels nicht möglich, etwas zu
sammeln. Dem flachen südöstlichen Fallen entsprechend nehmen die Schachte in der-
selben Richtung an Tiefe zu. Einige derselben sind noch im Alluvium angesetzt, unter
das die Kohlengebilde hinabsinken. Die Zukunft des wichtigen Kohlenfeldes liegt in seiner
Aufschliessung noch weiter nach der Richtung des Fallens, sowie in derjenigen des Strei-
chens am Gebirgsabhang hin. Nicht nur würden sich dadurch wahrscheinlich die drei
getrennten Gruppen von Werken als Einem continuirlichem Kohlenfeld angehörig ergeben,
sondern dasselbe würde vermuthlich in einer noch grösseren Langenausdehnung nachge-
wiesen werden können.
Schon jetzt ist das Kohlenfeld von Hwai-king-fu das wichtigste am westlichen Rand
der Grossen Ebene. Aber seine Bedeutung wird wahrscheinlich in nicht langer Zeit
erheblich zunehmen. Wenige Orte sind so günstig gelegen, um die Dampfkraft, mit der
die Chinesen bekannt geworden sind, im Bergbau anzuwenden. Selbst vor Einführung
derselben würde die Herstellung einer Pferdeeisenbahn auf dem ebenen Grund von den
Gruben bis Hsiu-wu-hsien oder Tau-kou-tshönn es ermöglichen, die Kohle an letzterem
Ort für einen billigen Preis niederzulegen, um sie zu Schiff nach anderen Theilen der
Ebene und nach Tien-tsin zu bringen, wo sie, ihrer vorzüglichen Beschaffenheit wegen, mit
dem weniger guten Anthracit des viel näher gelegenen Fang-shan-hsien concurriren könnte.
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