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0450 China : vol.2
中国 : vol.2
China : vol.2 / 450 ページ(白黒高解像度画像)

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doi: 10.20676/00000260
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OCR読み取り結果

an die Besichtigung der Schmelzwerke. Denn wol an hundert Millionen Menschen mögen,
ehe der europäische Import störend eingriff, ihren Bedarf an Eisen aus dem Gebiet des
Kreises Fêng-tai-hsiên bezogen haben. Es ist, aus dem vorher (S. 408) angeführten Grunde,
im Handel als Lu-Eisen bekannt. Lu-ngan-fu hat in Geschichtswerken, und zum Theil
noch heute im Volksmund, einen Ruf, der ihm jetzt wegen der politischen Abzweigung
des wichtigsten Eisen- und Kohlengebietes nur noch in beschränktem Maass zukommt.
Denn Fêng-tai-hsiên steht in der Eisenproduction unter den Kreisen des ehemaligen
Bezirkes obenan, und in ihm wiederum ist Tai-yang der Hauptort für die Darstellung
des Roheisens. Ich erwartete daher etwas Grosses, zum Mindesten eine Reihe von
Hochofen. Allein das Imponirendste sind die gigantischen Haufwerke verbrauchter, zer-
schlagener Schmelztiegel. Von Hochofen ist nichts zu sehen.

Das Eisenerz wird an mehreren Stellen in den Umgebungen des Ortes aus den in
flacher Lagerung in welligem Terrain aufgeschlossenen Schichten, die unter den Kohlen-
gebilden lagern, gewonnen. Die grössten Gruben liegen 3 li östlich von der Stadt. Es
sind meist Tagebane. In westlicher Richtung lagern die Flötze über den Kohlenschichten, und
da der Boden unter sehr geringem Winkel ansteigt, so beissen die Flötze in grosser
Erstreckung an den Gehängen aus und sind für den Abbau sehr leicht zugänglich.
Dies ist wahrscheinlich der Grund, dass hier der Anthracit der meisten Gruben brockelig
und mürbe ist. Einige liefern ihn auch in grossen festen Stücken, doch habe ich die-
selben nicht besucht.

Die Schmelzung geschieht in einer grossen Zahl kleiner Werkstätten. Ein aus-
gezeichneter und ein wenig geneigter Platz von 8 Fuss Länge und 5 Fuss Breite ist wie
eine Tenne festgestampft. An den beiden langen Seiten wird er von Lehmmanern begrenzt.
Die vordere Seite, nach welcher die Fläche sich senkt, ist offen, während die vierte durch
die Lehmwand einer kleinen Hütte geschlossen ist, in welcher sich der von zwei bis vier
Mann getriebene Blasebalg befindet. Der Boden des Brennplatzes wird mit faustgrossen
Stücken von Anthracit belegt. Darauf stellt man ungefähr 150 Schmelztiegel von feuer-
festem Thon, welche 15 Zoll hoch sind und oben 6 Zoll Durchmesser haben. Die Tiegel
werden mit einem Gemenge gefüllt, das in folgender Weise bereitet wird. Das Erz wird
mit der Hand klein geschlagen und das Grobere durch ein Sieb abgeschieden. Das
Feine wird mit Grübenkleie von Anthracit und kleinen Stücken eisenreicher Schlacken
vermengt. Dies wird nun in die Tiegel geschüttet. Den Raum zwischen den Tiegeln
füllt man sorgfältig mit Stücken von Anthracit aus, und zuletzt breitet man eine Lage
der letzteren über die Tiegelschicht aus. Darauf stellt man dann eine zweite Schicht
von 150 angefüllten Tiegeln. Auch diese wird mit Kohle bedeckt. Obenauf werden
alte, unbrauchbare Tiegel gelegt, und ebenso wird vorn eine Wand von horizontal lie-
genden alten Tiegeln aufgesetzt. Nun wird Feuer gemacht und Luft eingeblasen. Sobald
die Hitze gross genug ist, hört man auf zu blasen, da die frei hindurchstreichende Luft
hinreichend ist, um die Gluth zu erhalten. Die weitere Behandlung richtet sich danach,
ob das Metall zur Bereitung von Gusswaare oder von Schmiedeeisen dienen soll. Für
den ersteren Zweck werden die Tiegel aus der Gluth genommen und der flüssige Inhalt
auf einer ebenen Fläche ausgegossen. Man erhält dadurch ein weisses sprödes Eisen in
dünnen Scheiben. Will man Schmiedeeisen haben, so lässt man den Haufen durch vier
Tage langsam abkühlen. Die Tiegel werden dann zerschlagen; an ihrem Boden befindet
sich das Eisen in Form von halbkugeligen Stücken. Der Preis des so dargestellten Roh-
eisens von beiden Arten ist etwas über 10 tsiên das kin (M. 3. der Centner).

Tai-yang und Kau-ping-hsiên sind nach den Mittheilungen, welche ich erhielt, in diesem
Theil von Shansi die einzigen Orte, wo Roheisen dargestellt wird. Von letzterem District
wird es nach Lu-ngan-fu, von Tai-yang nach dem uns bereits bekannten Nan-tun (s. S. 409)
gebracht, zu dem ich nun einmal zurückkehre.

In Nan-tun gibt es hunderte von Werkstätten für verschiedene Arten der Eisen-
industrie, wie Giessereien, Frischfeuer, Nagelschmieden, Drahtzichereien u. s. w. Ich habe
nur wenige von ihnen flüchtig ansehen können, da es eines Aufenthaltes von einigen Tagen
bedürfen würde, um das Vertrauen der Leute in hinreichendem Maass zur Gewährung
einer detaillirten Besichtigung ihrer Werkstätten zu gewinnen. Um Gusswaaren herzu-
stellen, verfährt man gerade wie bei der Bereitung des Roheisens. Die plattenförmigen
Stücke des letzteren werden zerschlagen und, mit Anthracit und Frisch-Schlacken gemengt,
in Tiegel gefüllt, die in zwei Reihen von je 150 übereinandergestellt werden. Ist Alles