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0451 China : vol.2
中国 : vol.2
China : vol.2 / 451 ページ(白黒高解像度画像)

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doi: 10.20676/00000260
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in Gluth, so fasst man die Tiegel mit eisernen Zangen und giesst ihren Inhalt in die Formen.
Vorwaltend verfertigt man grosse eiserne Kessel bis 4 Fuss Durchmesser und 6 bis 12
Zoll Tiefe, welche in keinem chinesischen Haushalt fehlen und sich durch die ausserordent-
liche Dünne des Metalls und ihre Haltbarkeit die höchste Anerkennung von europäischen
Kennern zugezogen haben. Sie werden, wie alle Gusswaaren, für 20 tièn das kin ver-
kauft. Der Preis der Stücke ist durch rothe Fabrikstempel angezeigt, deren jeder für
60 tièn gilt; kleinere Bruchtheile werden besonders bezeichnet. Eine Unzahl anderer
Gegenstände für Haushalt und Landwirthschaft werden hergestellt. Man wendet für sie,
je nach den Anforderungen an die Eigenschaften des Eisens, verschiedene Mischungen
und Methoden an; diese sind das lang vererbte Geheimniss der einzelnen Fabriken,
deren Stempel allgemein bekannt sind, und welche sich daher monopolartig in die Anfer-
tigung der einzelnen Gegenstände theilen. Ich sah zwar selbst nur das harte weisse
Eisen verwendet. Doch wurde mir gesagt, dass zu manchen Zwecken das langsam gekühlte
Eisen in verschiedenem Verhältniss zugesetzt wird. Dasselbe geschieht mit einer dritten
Art von Roheisen, die ich in Tai-yang nicht sah. Es bildet sehr harte und spröde
Tropfen und scheint durch langsames Giessen des flüssigen Eisens in Wasser bereitet zu
werden. Die berühmte Vortrefflichkeit des Eisens von Shansi mag zum Theil der durch
lange Erfahrung erworbenen Kenntniss dieser Mischungen zuzuschreiben sein.
Die Darstellung des Schmiedeeisens habe ich nicht sehen können. Es wird dazu
nur das langsam gekühlte Roheisen verwendet. Das Product ist so vorzüglich, dass die
Chinesen es bei gleichen Preisen dem importirten europäischen vorziehen. Doch kann es
nur wenig über die Grenze hinaus, wo die Preisgleichheit stattfindet, ausgeführt werden,
da die theuren Transportmittel bald die Concurrenz unmöglich machen. In Nan-tun
stellt man das Schmiedeeisen in Barren dar, welche, wie die Gusswaaren, für 20 tièn
das kin verkauft werden.
Es gibt auch eine grosse Zahl von Werkstätten für die weitere Verarbeitung des
Eisens. Insbesondere werden Draht und Nägel gemacht. Dies geschieht meist in klein-
stem Massstab in den Häusern der Dorfbewohner.
Die Eisenindustrie von Nan-tun muss sehr alt sein. Denn das Thal ist voll von
sehr grossen Schlackenhalden, zwischen denen die Strasse oft mehrere li weit hindurchführt.
Der weitaus grösste Theil derselben gehört Werken an, die längst eingegangen sind.
Auch in Tai-yang werden in den zahlreichen Häusern des Ortes die kleinen Zweige
der Eisenindustrie betrieben. Insbesondere macht man Draht und Nähnadeln. Letztere
sind weich und biegsam, und es fehlt ihnen die Politur. Einst wurde von hier aus fast
das ganze Reich mit Nähnadeln versorgt. Aber vor einigen Jahren sind die Chinesen
mit dem europäischen Erzeugniss bekannt geworden, und natürlich eroberten die glatten
und harten fremden Nadeln schnell das Feld, so dass zur Zeit meiner Anwesenheit der
Ruin mancher Familie, in der dieser Fabrikzweig erblich geworden war, herbeigeführt
wurde. Trotz des grössten Fleisses vermochte man den Preis nicht billiger zu stellen,
als 50 tièn für 90 Stück. Von weither kamen die Händler regelmässig an; die Nadeln
von Tai-yang versorgten jeden Haushalt des unermesslichen Reiches und gingen bis nach
Central-Asien. Auch jetzt war die Fabrikation noch erheblich. Aber mit Wehmuth
betrachteten die Leute die englischen Nadeln, welche ich ihnen zeigte; denn sie mussten
sich wol überzeugen, dass dieselben sehr hoch über den ihrigen standen.
In alter Zeit waren die Schwerter und Waffen von Shansi berühmt. Nach einigen
Quellen sollte Tai-yüen-fu, nach anderen Lu-ngan-fu der Fabrikort sein. Ich erkundigte
mich daher besonders nach der Bereitung des Stahls, erfuhr aber, dass solcher in
Shansi nicht gemacht werde. Es wurde mir versichert, dass der Hauptort für die Ver-
fertigung von Stahlwaaren, wie Schwertern und Messern, vor Allem Rasirmessern, Hung-
king-fu sei, wiewohl man sich auch an einigen Orten von Shansi damit beschäftige.
Der Stahl, und zwar theils chinesischer, theils europäischer, werde von Han-kiu und
Wu-hu importirt; der europäische aber sei zu spröde, und werde daher mit weichem
Eisen versetzt. ¹)