National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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von ihm herab: Granit, Syenitporphyr und dunkler Kalkstein, den ich wegen seines
petrographischen Charakters für Kohlenkalk hielt. Doch machen es die allgemeinen
geologischen Verhältnisse wahrscheinlicher, dass er der Sinischen Formation angehört.
Die Streichrichtung der Hügel ist NNO—SSW. Der Löss zieht sich weit an den flachen
Gehängen hinauf, und eine besondere Structur des Gebirges liess sich nicht erkennen.
Von dem Pass zwischen diesen Hügeln führt der Weg auf der sanften, aber auch hier
tief eingerissenen Muldenfläche hinab. Das Anthracitgebiet von Fön-shan-hsien
liess ich rechts liegen, da neue Aufschlüsse dort nicht zu erwarten waren, und begab
mich direct nach Ping-yang-fu, der Stätte urältester historischer Ueberlieferungen. Denn
hier soll die Residenz des Kaisers Yau gewesen sein, der Hauptort des Landes Kin,
welches seine Krondomaine war¹).
Wir sind im Centrum der grossen Lössmulde angekommen. Ping-yang-fu liegt auf
ebenem Thalboden, in welchem der Fön-hô sich in mehrere Arme theilt. Im Süden
steigt der Löss wieder an und wird von dem Fluss in Schluchten durchbrochen; ebenso
zieht im Westen eine lange Abdachung nach dem Gebirge Nge-shan hinan. Die Becken-
form ist daher vollständig, und es liegt nahe, in der Thalebene einen ausgefüllten See
zu erblicken. Sein Boden sollte aus Seeloss bestehen. Ich konnte diesen damals noch
nicht und unterliess daher zu beobachten, ob er im tiefsten Theil der Gehänge aufge-
schlossen ist. Der Boden aber enthält das Merkmal seiner Entstehung in seinem Salz-
gehalt. In geringer Entfernung nördlich von der Stadt, dort wo ich über den Fön-hô
setzte, wird Steinsalz aus dem Erdreich gewonnen. Es werden Löcher gegraben, die
sich mit einem schwach salzhaltigen Wasser füllen. Man übergiesst damit kleine Erd-
haufen, von denen das Wasser verdunstet. Wenn die Erde hinreichend mit Salz imprägnirt
ist, wird sie in drei Fuss hohe Töpfe mit siebartig ausgeschlagenem Boden, die auf einer
Plattform neben einander stehen, gefüllt und darin festgestampft. Oben bleibt ein Raum
von einigen Zollen frei. Man giesst nun Wasser auf, welches unten, mit Salz gesättigt,
austropft und in Schalen aufgefangen wird. Schon an freier Luft krystallisirt Salpeter
aus. Der Rest der Lauge wird eingedampft. Man gewinnt ein unreines Kochsalz, das
zu 20 tsien das kin (12½ Pfennig das kg.) verkauft wird.
Es gab sich in Ping-yang-fu ein merkwürdiger Contrast kund. Denn während in
dem hinsichtlich seines Baues vollkommen klar aufgeschlossenen östlichen Kohlengebiet
nur Anthracit gewonnen wird, hörte ich hier, dass zwar an verschiedenen Orten entlang
dem Gebirgsrand westlich vom Fön-hô Kohle gegraben werde, aber gar kein Anthracit,
sondern ausschliesslich bituminöse Kohle. Dies wurde durch das hier verwendete
Brennmaterial bestätigt. Wegen dieser auffallenden Erscheinung folgte ich nicht der
Strasse nach Norden, sondern unternahm einen Ausflug nach Nordwesten. Leider konnte
ich mich dabei nicht durch die Ansicht des Gebirges leiten lassen, wie ich es sonst gern
that, da die Luft in diesen Tagen stets mit Lösstaub erfüllt war, sondern musste ein-
fach den Berichten von dem Vorkommen der Kohle nachgehen. Bei einem späteren
Besuch der Gegend sah ich die hohe Steilmauer des Gebirges, welche sich im Westen
über die Thalmulde erhebt und in ihrer Firstlinie sehr einfache Formen darbietet.
Westliche Hälfte des Beckens von Ping-yang-fu. — Den Fön-hô über-
schritt ich in geringer Entfernung nordöstlich von Ping-yang-fu auf einer Winterbrücke.
Er war jetzt ein sehr unbedeutender Fluss, und auch das Sommerbett ist von geringer
Breite. In seinem ganzen Lauf hat er keine schiffbare Strecke, bis kurz vor seiner
Mündung in den Gelben Fluss; denn in den Lössbecken ist er seicht und sandig, in
den zwischen ihnen gelegenen Strecken aber führt er mit starkem Gefäll in klippigem
Bett. Der ebene Thalgrund ist schmal. Mit kaum bemerkbarem Anstieg kommt man
auf den Löss der westlichen Thalseite. Auf ihm liegt Wu-tun, ein bekannter Markt für
die Umgegend, 30 li von Ping-yang-fu entfernt. Die sanft ansteigende Lössfläche ist
mit stark bevölkerten Ortschaften besät. Bei dem Dorf Tien-hui, wo ich in einer Löss-
hohle übernachtete, erreicht man das Bett des Fön-hô-Nebenflusses San-tün-hô. Es ist steinig
und war jetzt wasserlos. An den Seiten ist es von Lösswänden eingefasst; an ihrem
Fuss aber stehen an einzelnen Stellen unter dem gelben Boden Schichtgesteine an, in
denen die productive Steinkohlenformation leicht zu erkennen war. Auch gibt es eine
Anzahl im Abbau befindlicher Gruben. Dem Bach aufwärts folgend gelangte ich an den
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