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0486 China : vol.2
中国 : vol.2
China : vol.2 / 486 ページ(白黒高解像度画像)

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doi: 10.20676/00000260
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OCR読み取り結果

ahnte nicht die tiefe Einsenkung, welche dazwischen liegt. Mein Weg führte mich zu-
nächst nach Yun-tshöng. Dies ist ein grosser, mit einer trefflich gebauten Mauer umge-
bener städtischer Platz, welcher dennoch nicht den Rang eines fu oder hsien, selbst
nicht den eines Marktfleckens hat. Hier ist die Residenz eines Täu-tai, welchem die
Verwaltung der grossen Salzwerke für den Staat übertragen ist. Der eigentliche Name
des Ortes wird nur officiel angewendet; bei dem Volk ist ausschliesslich die Benennung
Lu-tsun gebräuchlich, welche einer Vorstadt vor dem nördlichen Thor entnommen ist.
In ihr hat der Salzhandel seinen Sitz, und es gehen von ihr aus täglich Züge von Ka-
meelen, Maulthieren und Wagen nach verschiedenen Richtungen ab, um das Salz nach
den Gegenden seines Verbrauchs zu befördern. Der Ort liegt auf beinahe ebenem
Boden, welcher den Charakter des See-Löss in ausgezeichnetster Weise trägt und stark
mit kohlensaurem Kalk erfüllt ist. Alkalische Salze blühen allenthalben aus dem Boden
aus, und der Ort kann nur aus grosser Entfernung mit trinkbarem, wenngleich noch
stark salzhaltigem Wasser versorgt werden.

Geht man 2 Kilometer in südlicher Richtung, so bietet sich ein überraschender
Anblick. In einer langen geraden Linie, so weit als der Blick reicht, ist der ebene
Grund abgebrochen, und in einer Reihe schmaler Terrassen senkt sich der Boden nach
einem Becken, welches in der Tiefe von 300 Fuss zu unseren Füssen liegt und jenseits
bis an die gewaltige Mauer des Föng-tiau-shan reicht. Es führt den Namen Yen-tshi,
d. i. »Salz-Sumpf« und hat eine Länge von ungefähr 60 li bei einer Breite von 10 li.
Entlang dem Gebirgsrand ist die Senkung am tiefsten und mit einem langen schmalen
Streifen Wasser bedeckt. Dies ist der Salz-See. Er erhält keinen grösseren Zufluss;
denn die ganze umliegende Gegend entsendet ihre Gewässer nach dem Gelben Fluss.
Die Speisung durch den auf dem Areal des Beckens und dem angrenzenden Theil des
schmalen aber steilen Nordgehanges des Föng-tiau-shan niederfallenden Regen, sowie
vielleicht durch Quellen, reicht hin, den See in wechselndem Niveau zu erhalten. Der
Salzgehalt seines Wassers ist jedoch für lohnende Gewinnung nicht hinreichend. Die Salzbe-
reitung findet vielmehr auf dem flachen Boden statt, welcher sich vom Fuss des Terrassen-
abfalls allmälig nach dem See hin senkt. Dieser breite Strich ist der eigentliche »Salz-
Sumpf«. Er nimmt wenigstens zwei Drittheile des Beckens ein und soll vom Frühling
bis zum Herbst in Folge der grossen Zahl der dort beschäftigten Arbeiter einem Bienen-
schwarm gleichen. Mein Besuch fiel Ende December. In dieser Jahreszeit werden nur
die vorbereitenden Arbeiten getroffen, so dass ich über die Manipulationen nur theilweise
aus eigenem Augenschein berichten kann.

Der Boden ist unter 150 Genossenschaften getheilt. Jede besitzt einen Streifen
Landes, welcher sich rechtwinklig zur Längsachse der Einsenkung von der Terrasse bis
zum See erstreckt und die Breite von 600 chinesischen Fuss hat. Am oberen nörd-
lichen Ende eines jeden Streifens stehen die stattlichen Wohnhäuser der Eigenthümer.
Im Winter gräbt man trichterförmige Löcher 20 Fuss tief, und oben 50 bis 60 Fuss
weit, in den Boden. Dieser ist ein mit kleinen Gipskrystallen erfüllter, steifer blauer
Thon. Seine Consistenz macht ihn geeignet, um die Seiten der Vertiefung abzustufen
und ihnen Haltbarkeit zu geben. Im Boden sammelt sich eine concentrirte Salzlauge.
Rings um den Trichter werden eine Anzahl grösserer ebener Felder angelegt. Sie sind
von einander durch kleine Wälle getrennt, welche von dem ausgeschachteten Boden auf-
geführt werden. Es ist nun die Aufgabe der sommerlichen Arbeit, die Lauge zu heben, um
sie auf dem flachen Boden ausbreiten und der Verdunstung durch die Sonne auszusetzen.
Dies geschieht vermittelst der in China auch sonst vielfach gebräuchlichen Schwinge-
eimer. Zwei Männer stehen einander gegenüber auf einer Stufe über dem Rand des Was-
sers und halten an zwei Leinen einen Eimer, welchem sie eine schwingende Bewegung
geben. Mit grosser Geschicklichkeit verstehen sie es, ihn in regelmässigem Tempo mit
Wasser zu füllen und auf eine höhere Stufe hinaufzuschwingen, wo er sich entleert. In
dieser Weise geht das Wasser von Stufe zu Stufe hinauf, bis es auf der obersten durch
Kanäle nach den zu seiner Aufnahme bestimmten Feldern geleitet wird. Nach der
Verdunstung wird das Salz zusammengekehrt und auf Haufen gethan.
Gegen Osten hin scheint der Boden etwas höher anzusteigen, da dort die Löcher
die Tiefe von 40 Fuss erreichen sollen.
Die beschriebene Methode der Salzgewinnung ist jedenfalls uralt, und da der Salz-
Sumpf mitten in dem Gebiet der ältesten chinesischen Geschichte liegt, so lasst sich