National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Formen und Verzierungen führte, während später die Technik wol erhalten blieb,
aber sich auf die Nachahmung der alten Muster beschränkte.
In Shansi war die beste Gelegenheit zur Bethätigung des Triebes nach künst-
lerischer Nachahmung gegeben. Man besass plastischen Thon in unmittelbarer
Nachbarschaft von billiger Steinkohle und verstand früh, Gusswaaren aus Eisen
herzustellen. Allein es ist gerade in dieser Provinz zu einer hohen Blüthe der
Kunst nicht gekommen. Selbst von der alten Bronce-Industrie werden hier im
Vergleich zu Shensi nur wenige hervorragende Werke gefunden. In einer späteren,
nicht weit zurückliegenden Zeit herrschte wenigstens in einigen Theilen des Landes
ein Sinn für architektonische Ornamentik. Ich fand die Spuren davon in schönen
Sculpturarbeiten an Gebäuden in den Dörfern der östlichen Anthracit-Terrasse, wo
der durch das Eisen gewonnene Reichthum früher zu einigem Aufwand von Luxus
führte. Eine ähnliche Auszeichnung haben die Ortschaften im südwestlichen Theil
der Ebene von Tai-yuén, wo die Dächer der Häuser, selbst in kleinen Dörfern,
mit Erzeugnissen der keramischen Kunst in reicher Weise ornamentirt sind. Sie
sind aus glasirtem Thon gefertigt und stellen meist die Figuren von Drachen und
Fischen in gut stilisirten Verzerrungen dar.
Bemerkenswerth ist der bereits angedeutete¹) Einfluss, welchen der Löss in
Shansi auf den Baustil ausgeübt hat. Am augenfälligsten in den von mir berührten
Gegenden war er in der Landschaft, welche sich unmittelbar südlich an die Ebene
von Tai-yuén anschliesst. Während rohe, mit Cement verkleidete Aushöhlungen
überall in der Provinz, wo der Löss mächtig lagert, zu treffen sind und einem grossen
Bruchtheil der Bevölkerung Wohnung geben, entstand hier, vielleicht in Folge
einer geringeren Consistenz des Löss, die Gewohnheit, die Höhlungen mit gebrann-
ten Ziegelsteinen zu wölben, und zwar werden ausschliesslich langgedehnte Gewölbe
mit Spitzbogenquerschnitt angewendet. Der einfachste Fall ist der, dass ein langer
Raum rechtwinklig zur Frontwand des Löss ausgehöhlt und überwölbt ist. Da
der Eingang nur eine kleine Oeffnung in der stehengebliebenen Frontmauer von
Löss ist, so kann zu jeder Seite noch ein Fenster angebracht werden. Will man
eine grössere Wohnung haben, so legt man ein zweites, drittes, viertes etc. Spitz-
gewölbe parallel zum ersten an und macht nach aussen entweder noch mehr
Eingangsthüren, oder nur Fenster. Mittelst eines rechtwinkligen Quergewölbes
werden dann alle Räume mit einander verbunden. Um solchen Wohnungen ein
vornehmes und behagliches Aussehen zu geben, wird die äussere Lösswand mit
einer Schutzmauer versehen, in welche die Thüren und Fenster eingelassen sind;
oben trägt sie ein phantastisches Gitterwerk aus Ziegelsteinen. Das Bestreben,
die durch gemeinsame Abstammung und gemeinsamen Namen zusammengehörigen
Familien in eine Gruppe zu vereinigen, hat zur Folge gehabt, dass solche Systeme
ausgemauerter Lösswohnungen zuweilen in langen Linien sich aneinanderreihen.
Man sucht dann in den Mauern, welche die Lössfront verkleiden und die Thüren
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