National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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der Welt, der durch reich bevölkerte Gegenden fliesst, sind diese Gefahren in
gleicher Grösse vorhanden wie bei dem Gelben Fluss; denn bei keinem hat der
flache Schuttkegel, über den das Wasser nach verschiedenen Richtungen hinab-
strömen kann, eine so bedeutende Ausdehnung. Wird ein Damm durchbrochen,
so geschieht im günstigsten Fall eine Ueberfluthung der angrenzenden Gegend und
ihre Ueberführung mit dem im Strombett angehäuften Sand. Es kann aber auch
der Riss erweitert werden und die gesammte Wassermasse, das erhöhte Bett ver-
lassend, nach der tiefer gelegenen Ebene stürzen. In solchen Fällen ist oft unsäg-
liches Unheil angerichtet worden. Städte und Dörfer wurden vernichtet; und da
die Fluth sich mit reissender Schnelligkeit ausdehnte, sind oft hunderttausende von
Menschenleben zum Opfer gefallen. Fand auch das Wasser in jedem einzelnen
Fall einen schon bestehenden Fluss vor, in den es sich ergoss, und dessen Bett es
tiefer ausgrub, so blieben doch seeartige Ausbreitungen über den ertragreichsten
Niederungen durch Jahrzehnte bestehen, ehe die künstliche Eindämmung dem neuen
Bett in seiner ganzen Länge eine feste Bahn anweisen konnte. Die periodische Häufung
derartiger Katastrophen, welche dem Strom den Namen ‚China's Kummer' gegeben
haben, bezeichnet nach der Ansicht der Chinesen das drohende Ende der Dynastien.
Und nicht ganz mit Unrecht. Denn in Zeiten des Verfalls werden die Dämme des Gelben
Flusses, deren Erhaltung ein besonderes Augenmerk jedes umsichtigen Herrschers
bildet, vernachlässigt; es treten Rebellionen, und innere Kriege gegen neue Kron-
prätendenten ein, und zu wiederholten Malen ist dann ein Damm durchstochen
worden, um die feindliche Macht zu vernichten.
Als die gefährlichsten Stellen gelten jetzt, ausser der angeführten bei Yung-
tsö-hsien, ein Ort 80 li westlich von Kai-fong-fu, und die Gegend von Lung-mön-
köu, wo der neue Lauf von 1852 an sich abzweigte. In der Nähe dieser Stelle
geschahen wahrscheinlich alle grossen Aenderungen, welche sich vollzogen haben,
seitdem der Gelbe Fluss seinen Lauf nach Osten nimmt. Es ist ein öder Platz,
und noch fortdauernd verursacht dort der reissende Strom Zerstörung durch die
Erosion seiner Ufer. Morrison beschreibt die Landschaft, durch welche der erste
Theil des alten Laufes führt, als eine trostlose, versandete Gegend. Wie grosse
Gefahren gerade hier gedroht haben, wird durch die Thatsache anschaulich gemacht,
dass zum Schutz des Landes mehrere Dämme dem Flussufer parallel aufgeführt
sind, bis zu einem Abstand von 10 engl. miles¹).
Das Gebiet des Hwai.
Das ausgedehnte Strombecken dieses Flusses gehört fast ganz dem Flachland
an. Aus den dasselbe im Westen und Süden umsäumenden Gebirgen kommen die
sehr zahlreichen Zuflüsse, welche durch ihr centrales Zusammenströmen die Becken-
gestalt in seltner Weise veranschaulichen. Sie theilen sich in zwei Gruppen: die nördliche,
welche den Abfluss des Fu-niu-shan und der zwischen diesem und dem Hwang-hö
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