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0594 China : vol.2
China : vol.2 / Page 594 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000260
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senkrechten Wänden begrenzt. Man war jetzt damit beschäftigt, diese Vertiefungen durch
Abstechen der Wände, besonders nach der Richtung, wo der Boden anstieg, zu vergrössern.
Die zahlreichen offenen Zellen an den Wänden zeugten von der Dichtigkeit der
früheren Bevölkerung. Ich sah hier auch eine für die Natur des Löss sehr charakteristische
Art von Wohnungen. Wo nämlich die Oberfläche eben ist, also eine Wand zum Anbohren
sich nicht bietet, gräbt man eine Grube mit schief geneigter Bodenfläche, steilen Seiten-
wänden und senkrechter Rückwand. Von dieser aus wird dann durch Unterminiren die
Wohnung angelegt. Dies kann natürlich nur in einer Bodenart geschehen, welche das
Wasser vollkommen durchlässt und der Gefahr des Alspülens nicht ausgesetzt ist. Im
Lehmboden würde das Wasser bald an den Wänden den Nivellirungsprocess beginnen und
sich am Grunde ansammeln. — Hier befindet man sich auf echtem Steppenboden. Die
Oberfläche steigt sehr sanft nach Norden und Westen an. Grobes Material von den
Bergen ist nicht zugeführt worden. Daher fehlen auch die natürlichen Absonderungen
in einzelne Lagen, und die Lössmännchen sind selten. Der Boden ist von homogener
Beschaffenheit, sehr porös, voll von senkrechten Wurzelröhrchen, die bis ein Zoll Durch-
messer erreichen, und nie sucht man in tiefen Entlässungen und frischen Anbrüchen
vergeblich nach Gehäusen von Landschnecken.
Die Oberfläche der ehemaligen Steppenmulde setzt, für das Auge unbegrenzt, fort
gegen Westen, wo in der weiten Ebene, deren tief eingeschnittene Flussbetten und Rinnen
man nicht gewahrt, die Stadt Fung-tsiang-fu liegt, ehemals der Sitz der ersten Herrscher
der Tshóo-Dynastie, deren hier im Westen erstarkte Hausmacht sie befähigte, die höchste
Gewalt an sich zu reissen.
Im Norden erhebt sich ein flaches Gebirge, der Ki-shan, an dessen Fuss die Stadt
Ki-shan-hsien liegt. Er verursacht eine Einschnürung zwischen den im Westen und den
im Osten gelegenen weiten Lössländern und ist bei der Einförmigkeit der Landschaft im
Norden des Wei eine augenfällige Landmarke. Zu einer Breite von 10 g. M. verengt
sich hier das Lössland zwischen ihm und dem Fuss des Tsin-ling-shan, und die tiefen
Einschnitte der Thäler des Wei und des Hsiung-shui des Durchgang nur in
einer weit engeren Begrenzung. Diese Stelle ist daher eine strategisch und für den Verkehr
wichtige Pforte, indem die Linien desselben von Westen her convergiren, um im Osten
wieder auseinanderzugehen. Aus diesem Grund ist der Ki-shan schon im höchsten Alter-
thum als ein bemerkenswerther Berg erschienen. Er findet im Yu-kung seine Erwähnung
an hervorragender Stelle¹).
Die Formen des Ki-shan erinnerten mich an den Plateau-Abfall im Westen von
Tai-yun-fu. In söhliger Schichtung bauen sich an den massig steilen Gehängen die
Sedimente 1500 bis 2000 Fuss über dem Niveau der Lössfläche auf. Ein schwärzlicher,
splittiger Kalkstein ist vorherrschend, wie die Gerölle der Bäche und die in der Orna-
mentik und Architektur überwiegend angewendeten Gesteine schliessen lassen. Wahrschein-
lich ist er in den tieferen Theilen durch die Wasserrisse blossgelegt; denn die höheren
Gehänge verrathen Sandstein, und die Plateauformen gehören diesem an. Um die Analogie
mit dem Schichtenbau im südlichen Shansi herzustellen, fehlt nur noch die Schichten-
gruppe über dem Kalkstein, welche die Steinkohle führt. Da sie sich in den östlicheren
Hügeln und ebenso im Westen findet, und da sie am Ki-shan an allen zugänglichen
Stellen im Laufe der Jahrtausende ausgebeutet worden sein könnte, so ist bei der Ein-
fachheit der Lagerungsverhältnisse der Schluss auf das wahrscheinliche Vorhandensein der
steinkohlführenden Schichten gerechtfertigt²).
Kurz vor Ki-yang-hsien verliess ich die Hauptstrasse, um die Stadt Pau-ki-hsien,
welche eben von Truppen stark besetzt war, zu umgehen. Ich erreichte das Wei-Thal
bei Kwö-tshün³). Es war mein letzter Weg über eine Lössfläche; aber hier bot diese
Bodenart noch einmal ihre charakteristischen Merkmale in auffälliger Weise dar. Die
Oberfläche steigt gegen Süden allmälig an, und man glaubt deutlich zu erkennen, wie
die ehemalige Steppenmulde nach den Gehängen des Tsin-ling-shan hinanzog. Anfangs