National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0598 China : vol.2
China : vol.2 / Page 598 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000260
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

die Chinesen durch zehn Jahre nicht vermocht hatten, die Rebellen auch nur in
der schwerbedrückten Provinz Shensi Herr zu werden, hatte ich doch auf Grund
der Kenntniss der Verhältnisse, insbesondere der den Chinesen zur Verfügung
stehenden Truppen, wie ich sie nun in beständigem Verkehr mit deren Führern
auf dem Weg von Tung-kwan aus gewonnen hatte, festes Vertrauen, dass es diesem
General nicht schwer werden würde, nicht nur die Rebellen aus Shensi und Kansu
hinauszutreiben, sondern auch die weit ausgedehnten Ländergebiete in Centralasien
wieder zu erobern. Diese der damals herrschenden Meinung ganz entgegenstehende
Ansicht sprach ich in einem aus Hsi-ngan-fu an die Handelskammer in Shanghai
gerichteten Brief aus¹). Die Entwickelung der Verhältnisse hat sie gerechtfertigt.
Mit Thatkraft und Geschick hat Tso-Tsung-Tang seine grosse Aufgabe in dem
Zeitraum weniger Jahre durchgeführt. Für einen Freund abenteuerlicher Reisen
hätte seine Aufforderung zur Begleitung eine grosse Anziehung haben müssen.
Für die friedliche Aufgabe geologisch-geographischer Forschung bot sie nichts
Verlockendes. Monate würden erforderlich gewesen sein, um nur die Grenzdistrícte
von Kansu kennen zu lernen.

Seitdem haben sich die Verhältnisse vollständig geändert. Wenige Jahre nach
meiner Reise konnte Sosnoffski seine Expedition von China um die Nordseite des
Tien-shan herum nach Ili führen, und in erstaunlichem Maass ist die Erforschung
dieser Theile von Central-Asien, besonders durch Prjewalski's grosse Verdienste,
gefördert worden, während wir in Beziehung auf die näher liegenden Gebiete von
Kansu den wichtigen Veröffentlichungen der Resultate der von Graf Béla Széchenyi
mit eben so viel Energie als Geschick und Glück geführten wissenschaftlichen Expe-
dition entgegensehen. Tso-Tsung-Tang aber hat sich nicht nur als ein erfolgreicher
Feldherr, sondern auch als ein weitblickender Mann in der friedlichen Verwaltung
der ihm übertragenen Länder erwiesen. In Lan-tshóu-fu, das vor Kurzem noch
ein schwer zu erreichendes Ziel für Europäer war, hat er eine von Deutschen
geleitete Tuchfabrik mit deutschen Maschinen errichtet; ein deutscher Bergingenieur
erforscht die Gebirge in Hinsicht auf ihre mineralischen Schätze; ein Anderer ist
mit der Aufgabe betraut, tiefe Brunnen in den wüsten Gegenden jenseits Lan-
tshóu-fu zu bohren. So geht gerade das Gebiet, welches, zur Zeit meiner Reise
völlig unbekannt, das besondere aber unerreichbare Ziel meiner Wünsche bildete,
durch die Energie und den hohen Sinn eines chinesischen Militärbeamten einer
völligen Erschliessung schneller entgegen, als viele unter jenen Gegenden, welche
in unmittelbarer Nachbarschaft der den Europäern geöffneten Handelshäfen liegen.

Die Weltstellung von Hsi-ngan-fu wird durch die Erwägung gekennzeichnet, dass
mit dem Aufgeben der in dem ungeheuren Westen sich darbietenden, scheinbar
unmittelbar vor mir gelegenen, und doch durch die Verhältnisse unerreichbaren
Forschungsaufgaben meine Schritte sich nur nach einer durchaus davon getrennten,
völlig verschiedenen Welt richten konnten. In dem offenen Land des Westens