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0611 China : vol.2
China : vol.2 / Page 611 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000260
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welche hoch aus dem sich im Norden anschliessenden Gebirge aufragt und einen scharfen
Contrast zu den sanften Formen des dort vorgelagerten Schiefers bildet. Die einzige
Stelle, wo ich einen Ueberblick erhielt, war der Pass Tshai-kwan-ling. In gerader Linie
sah ich von ihm die zackige Kette in der Richtung O4S fortstretchen, so weit das Auge
reichte. Nur an einzelnen Stellen scheint dort der Pass zu überragen. Zu grosserer
Höhe steigt der westliche Theil an, wo die Gipfelhöhen den Pass im Mittel um 2000 Fuss
übertreffen und eine Meereshöhe von ungefähr 8000 Fuss haben. Die Kette scheint in
grossen Strecken die Function einer secundären Wasserscheide auszuüben.

Von Süden betrachtet, wurde der Tsz'-pai-shan weniger augenfällig sein, als er es
von Norden her ist. Nachdem der heutige Weg in einer tiefen Kluft durch sein Inneres
geführt hatte, wand er sich weiter durch continuirliches schroftes Gebirgsland, das über
die Thäler in hohen und, wie es scheint, scharf gezeichneten Kämmen aufragt. Von
den Höhen des Tsz'-pai-shan müsste man gegen Süden über ein Meer von Gipfeln in
ungefähr gleichbleibender Höhe blicken. Die weichen Gesteine, wie sie sanft
geformten Schiefer zonen im Norden des Kalkzuges eigen waren, sind verschwunden. In
so engen Furchen sind die Gewässer in die nun allein noch herrschenden festen Gesteine
eingeschnitten, dass weder das quer gegen das Streichen gerichtete Hauptthal, noch die
der Längsrichtung folgenden Seitenschluchten einen breiteren Thalboden besitzen, und
meist nur Raum für den Bach vorhanden ist. Löss ist noch in einzelnen Spuren vor-
handen, um bald vollständig zu verschwinden. Die Strasse windet sich an den Gehängen
hin und muss oft felsige Vorspringe übersteigen. Hier und da, wo die Steilheit sich
mindert, hängt ein Dorf an der Berglehne, nur aus einer einzelnen Häuserreihe zur Seite
der Strasse bestehend. Mit Mühe sind den Thalwänden einzelne Stellen zur Anlage von
Feldern abgerungen.

Wo man bei Tiau-mu-lung die Felsschlucht betritt, streicht der gebänderte kry-
stallinische Kalk, mit steilem Fallen nach S4W, über sie hinweg. Granit von der vorher
angegebenen Zusammensetzung tritt zunächst nicht mehr auf; an seiner Stelle zeigt sich
ein Diorit, welcher aus einem feinkörnigen Gemenge von grossem Plagioklas, dunkel-
grüner Hornblende und schwarzem Glimmer in sechsseitigen Tafeln besteht. Dasselbe
Gestein hatte ich in untergeordnetem Vorkommen schon nördlich von dem Gebirge beob-
achtet. Hier tritt es in Gängen und mächtigen Massen auf. Es folgt eine mächtige Zone
von reinem Kalkstein ohne Zwischenschichten. Er ist von weisser bis graulichweisser
Farbe und durchaus krystallinisch. An den Contactstellen ist er ein viel gröberes Korn,
als weiter davon entfernt; aber nach Contactmineralien, wie Granat oder Vesuvian, suchte
ich vergebens. Dem reinen Kalkstein folgt, mit gleichsinnigem Fallen, ganz wie im
Norden des Wu-tu-shan, eine Zone, in welcher Zwischenschichten in grosser
Menge auftreten; es sind kieselige, im Querbruch grün und schwärzlich gebänderte
Schichtmassen.

In dem ganzen Durchschnitt wird die Lagerung im Grossen weder von dem Granit
noch von dem Diorit beeinflusst. Wenn auch kleine örtliche Abweichungen vorkommen,
notirte ich doch stetig die Streichrichtung O 12° bis 13° S und ein steiles, zuweilen
senkrechtes Fallen nach Süden.

Endlich tritt, unterhalb Lwan-shi-pu, wieder Granit auf, und diesmal in einer
grossen stockförmigen Masse. Er herrscht allein vom 10 li vor bis 20 li hinter
Liu-pa-ting und bildet ein Gebirge, welches mich in seinen grotesken und romantischen
Formen an die aus demselben Gestein bestehende und für deren landschaftlichen Cha-
rakter typische Insel Pu-tu bei Ning-po erinnerte. Das Thal wird sofort enger und ist
von grossen Felsblöcken erfüllt, zwischen denen der Fluss kleine klare Becken bildet und
von Stufe zu Stufe brausend hinabstürzt. Nur einem erweitert sich das Thal. Dort
steht der kleine, befestigte Garnisonplatz Liu-pa-ting. Eine schöne Umfassungsmauer
umschliesst einige elende Hütten; vor ihren Thoren, die in jeder Nacht geschlossen
werden, ist eine Vorstadt mit einigen Kramladen und Wirthshäusern angelegt. Die Lage
des Ortes ist romantisch. Aber um der Landschaft jenen anziehenden Charakter zu
geben, welchen man in Europa in wilderschnittenen Granitgebieten zu sehen gewohnt
ist, fehlt die Bewaldung, welche, besonders wenn sie aus Nadelhölzern besteht, so schön
gegen die starren Formen der Granitwände und des Felsgewürfels absticht.

Der Granit von Liu-pa-ting gleicht petrographisch dem so eben beschriebenen. Er
hat eine dickschalige Absonderung, und die Hauptzerklüftung ist dem Streichen und