National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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von gleicher Beschaffenheit wie vorher; dann zum zweiten Mal eine von einer Längs-
schlucht durchschnittene Einlagerung von Kalkstein, welche auch hier durch Quarz-
Ausscheidungen eingeleitet wird, darauf abermals Gneiss, mit viel quarzreichem, grobem
granitischem Gestein durchsetzt. Bei Ma-tau mündet von rechts ein grösserer Bach, der
Yang-kuan-kiu. Auch diese Terraineinsenkung ist durch krystallinischen Kalkstein
bezeichnet. Er ist hier feinköriger, und seine Zwischenschichten sind nicht so deutlich
krystallinisch wie vorher, so dass man den Eindruck erhält, als sei das gleiche Schichten-
system hier weniger stark metamorphosirt.
Die Streichrichtung des gesammten zwischen Tie-fu-tien bis Ma-tau in einer
Mächtigkeit von 40 bis 50,000 Fuss verquerten Schichtensystems ist abweichend von
Allem, was wir bisher in diesem Gebirge kennen gelernt haben. Es ist im Allgemeinen
von WSW nach ONO gerichtet; mit völliger Genauigkeit vermag ich der vielen Krüm-
mungen und Fältelungen wegen die Richtung nicht anzugeben. Das Fallen ist 50—60°
nach SSO.
Der bei Ma-tau-yi mündende Fluss wird auf einer Kettenbrücke überschritten. Es
war die erste dieser Constructionen, welche ich sah. Sechs straff gespannte, 50 Fuss
lange eiserne Ketten liegen in geringem Abstand neben einander und sind an beiden
Seiten in dem Fels befestigt, in welchem die Kluft des Wildbaches eingeschnitten ist.
Quer über dieselben sind Bretter gelegt. Die schwankende Brücke ist für die Lastthiere
nicht ungefährlich. Der Ort, in den man gleich darauf gelangt, ist ein Marktflecken mit
vielen Wirthshäusern und Kleinhandel. Gewöhnlich wird hier eine halbtägige Rast
gemacht. Ich musste sie auch meinen Leuten vergönnen, da Pferde und Maulthiere
beschlagen und allerlei Ausbesserungen an Geschirr zur Vorbereitung für die letzte Weg-
strecke vorgenommen werden mussten.
Achter Tag. Von Ma-tau bis Ma-ping-sü.
Ich hatte mich jetzt dem Han-Fluss schon so weit genähert, dass ich auf Grund
der bisherigen Karten in ebenes Land zu kommen dürfte. Es fand jedoch
gerade das Gegentheil statt. Die Schlucht des Hü-lung-kiang blieb ihrem Charakter
getreu, indem sie, je weiter hinab, desto wilder und grossartiger in die immer fester
werdenden Gesteine eingeschnitten war. Landschaftlich war die heutige Strecke die
grossartigste des ganzen Gebirgsüberganges, für die Strassenanlage ist sie die schwierigste
gewesen. Hier ist sie in der That, wie Martini berichtet, an Felswänden entlang
durch Mauerung aufgedämmt, oder mit eingerammten Pfählen gestützt. An denjenigen
Stellen, wo die uralteste Arbeit am besten erhalten ist, findet man auch, wenn zur Seite
ein Abgrund droht, eine fusshohe gemauerte Brustwehr angebracht. Diese alten Strecken
sind die besten. In späteren Zeiten hat man sich die Mühe einer solchen Arbeit nicht
gegeben, und wo der alte Bau zerstört ist, wurde wenig für die Wiederherstellung gethan.
Sie geht nur so weit, dass Menschen und Packthiere gerade noch fortkommen können.
Der Weg muss jetzt als überaus schlecht, mit Schwierigkeiten besetzt und für Packthiere
gefährlich bezeichnet werden. Dies erklärt die Kürze der Tagereisen.
Die furchtbare Wildheit der Schlucht hat ihre Ursache theils in dem Umstand, dass
sie sehr harte Gesteine quer gegen die Streichrichtung durchsetzt, theils darin, dass das
Gebirge an absoluter Höhe kaum abnimmt, die relative Höhe daher thalabwärts wächst.
Man blickt jetzt durch die Mündungen der engen Seitenschluchten zuweilen hinauf zu
Gipfeln, welche 3000 bis 4000 Fuss über der Thalsohle aufsteigen; aber es ist offenbar,
dass sie nur die Enden von längeren und noch höheren Rücken sind.
Der geologische Bau bietet auch in dieser Strecke grosses Interesse. Bis 8 li vor
Ma-ping-sü ist er dem zuletzt betrachteten ähnlich; dann findet eine Aenderung statt.
Glimmergneiss in normaler Ausbildung waltet vor. An vier Stellen mit krystallinischem
Kalkstein wechselnd, waltet vor. Beiderlei Gesteinskomplexe sind von Granit-
gängen durchsetzt; die Streichrichtung ist noch immer im Mittel WSW—ONO, schwankt aber
zwischen SSW—NNO und SW—O. Die Schichten fallen sehr steil, stehen z. Th. senkrecht,
und die Richtung des Fallens ist bald NW, bald SO; ob die erstere durch Ueberkippung
verursacht wird, vermochte ich nicht zu entscheiden. Die Kalksteineinlagerungen haben
stets bedeutende Mächtigkeit und bestehen theils aus homogenen Massen, theils aus den
beschriebenen Wechsellagerungen mit Gneiss. Der Granit der Gänge ist fast ausnahmslos
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