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0633 China : vol.2
China : vol.2 / Page 633 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Die Thalfurche des oberen Han. — Schon bei der Annaherung an die ge-
nannte Stadt bietet sich ein eigenthümlicher Anblick. Man sieht hinein in eine ganz
geradlinige Furche im Gebirgsland, welche sich nach W 20° S erstreckt. In ihr kommt
der Han herab. Am linken (nördlichen) Ufer führt der Weg aufwärts; denn hier ist das
Gehänge sanft, während es an der gegenüberliegenden Seite schroff ansteigt. Die Tiefe
wird durch den Fluss allein eingenommen, welchem Alluvialland hier gänzlich fehlt.
Innerhalb der Furche erhält der Han mehrere Zuflüsse. In einer Entfernung von 28 li
von ihrer Ausmündung bei Mien-hsien nimmt er den von Norden kommenden schiffbaren
Tiu-shui auf; 6 li weiter mündet von Süden der Pui-yen-hô, welcher nicht schiffbar ist.
Beide sind wasserreicher, als der Hauptfluss oberhalb des letztgenannten Zuflusses. Wiederum
6 li weiter hinauf gelangt man bei Hsin-pu-wan zu dem Ort, wo die Schifffahrt auf dem
Han fast das ganze Jahr hindurch ihr Ende erreicht. Bis hierher ist das Bett dieses
Flusses geradlinig in den Boden der Längsmulde eingesenkt. Oberhalb Hsin-pu-wan
windet er sich auf eine kurze Strecke in südlichem Bogen durch das härtere Gestein dieser
Seite. Die Strasse folgt nicht den dadurch gebildeten Engen, sondern bleibt der früheren
Richtung treu und erreicht den Fluss wieder bei Hsing-ân-wan, 24 li von dem Orte
wie ihn verliess. Nun bleiben beide im Boden der Furche bis Lîk-kîn-pa. Kurz vor
diesem Ort, bei Tui-ngan-yi, kommt wieder ein grösserer Fluss, der Tui-ngan-shui, von
Norden herab, während der jetzt sehr kleine Han bei Lîk-kîn-pa aus der Vereinigung
einiger kleiner Gebirgsbäche entsteht. Einer von diesen kommt genau von Süden; ihm
folgt unser Weg. Ein anderer, der Han-yuin-kîu (d. i. »der Wildbach der Han-Quelle«),
ist in der Fortsetzung der beschriebenen Han-Furche eingesenkt. Blickt man von Lîk-kîn-pa
dorthin, so sieht man die Gehänge von Norden und von Süden hinabziehen nach einer
Muldenlinie, welche die Richtung W 20° S. beibehält. Im Boden der Mulde führt ein
Saumweg, welcher zu den wichtigeren Land-Transportwegen in China gehört; denn in
der Entfernung von 90 li, welche gerade einer Tagesreise entspricht, gelangt man nach
dieser Richtung über einen niederen Pass, der schon in geringem Abstand von Lîk-kîn-pa
überschritten wird, und von dort an einem westlich gerichteten Bach, dem Yen-tsü-hô,
abwärts, nach dem vielgenannten Marktort Yang-ping-kwan am Kia-ling-kiang. Der Ort
soll die höchste Schifffahrtsplatz an diesem grossen Strome sein. Die Waaren gehen von
ihm aus zu Wasser hinab nach Sz'-tshwan. Von Reisenden wird dieser Weg wenig, und
in der Richtung von Süd nach Nord gar nicht beschlagen, weil der Kia-ling-kiang in
der oberen Strecke mit Stromschnellen besetzt ist. Auch die Güter werden zuweilen
schon in dem später zu erwähnenden Tshau-tien-wan von den Fahrzeugen genommen,
um zu Lande nach dem Han gebracht zu werden.

Betrachten wir diese äusseren Verhältnisse der Stromvertheilung etwas näher. Die
Grundlinie bildet die von Mien-hsien bis Yang-ping-kwan in einer Länge von 40 g. M.
eingesenkte, geradlinig von O 20° N nach W 20° S sich erstreckende Furche, in welcher
die niedrige Wasserscheide zwischen den Becken des Han und des Kia-ling-kiang liegt.
Sie gehört zu ⅓ dem ersteren, zu ⅔ dem letzteren an. Abgesehen davon, dass der
Han noch für eine Strecke in der Furche schiffbar ist, bietet auch dieselbe einen auf-
fallend leichten und natürlichen Uebergang zwischen zwei Strömen dar, welche abseits
von ihr durch sehr ausgedehnte, schwierig zu übersteigende Gebirgsländer getrennt sind.
Aus diesen kommen lange und sehr entwickelte Ströme, welche sich in der Furche mit
dem Han vereinigen, und ihn an Länge bedeutend übertreffen. Der Tiu-shui hat seine
Quelle ungefähr 45 g. M. nördlich von seinem Vereinigungspunkt mit dem Han, der
hier erst ungefähr 16 g. M. zurückgelegt hat, während der Pui-yen-hô 30 g. M. lang ist.
Dennoch ist der Hauptname des kleinen Bach geblieben, welchem seit den ältesten
Zeiten der Weg des Verkehrs gefolgt sein muss¹). Wohin jetzt die Quelle des Han