National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
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Nach der Auffassung, welche ich durch die Combination der einzelnen zerstreuten
Beobachtungen gewonnen habe, bildet also der Ta-pa-shan eine zu seinem inneren
Streichen diagonal gerichtete Auftreibung der Sinischen Faltungszonen, und diese
setzen nordöstlich, über das Thal des Han hinweg, nach der Südseite des Tsinling-
Gebirges fort. Die Axe der Auftreibung ist dem Gebirgsstreichen des Tsin-ling-
shan und dem Schichtenstreichen seines nördlichen Theils nahezu parallel. Dem-
selben Parallelismus scheint das Thal des Han, trotz vielfacher und bedeutender
Krümmungen, sowohl im Allgemeinen, als in einigen grösseren Theilstrecken des
Flusslaufes, zu folgen. Es findet also eine zweifache Beziehung des Ta-pa-shan
zum Tsin-ling-shan statt. Orographisch sind sie einander parallel, und es scheint
als ob in der Auftreibung des Ta-pa-shan noch einmal das alte Kwenlun-Streichen
zur Geltung gekommen wäre; im inneren Bau ziehen Faltungen schiefwinklig über
die Axe des Ta-pa-shan hinweg, um in der Südhälfte des Tsin-ling-shan fortzu-
setzen und auch dort eine Diagonalstructur hervorzubringen.
Das Thal des Han trennt beide Gebirge. Im Verhältniss zu deren orogra-
phischen Axen ist es ein Längsthal, im Verhältniss zum Schichtenstreichen ein
Diagonalthal. Der Fluss hat sich wahrscheinlich sein Bett entlang einer sehr alten
Erosionslinie eingegraben. Aber unzweifelhaft hängt dies mit der Tektonik zu-
sammen. Die Thatsache, dass sie eine Anzahl eingesenkter Becken verbindet,
scheint auf das Vorhandensein einer Zone von Brüchen hinzudeuten, welche in der
Streichrichtung der beiden Gebirge die Schichten schief durchsetzen. Das Thal
des Han dürfte daher interessante Probleme einer ungewöhnlichen Art der Verbin-
dung von Tektonik und Erosion darbieten.
Verwachsung der beiden Faltungssysteme. — Zu den bemerkenswerthesten Umständen gehört das feste Verwachsung der Sinischen Faltungszonen
mit denen des Kwen-lun im Tsin-ling-shan. Wie, wenn man einen schweren Stab
auf ein in parallele Falten geworfenes Tuch unter schiefem Winkel zur Richtung
dieser Falten legt und ihn gegen dieselben hin rechtwinklig zu seiner Axe fort-
schiebt, die Falten sich bis zur völligen Anschaarung umbiegen, so schmiegt sich
der starre Stamm des Kwenlun an die Sinischen Faltungen. In grösserem Abstand
von ihm von SW nach NO gerichtet, biegen sie an ihm zu einem WSW—ONO-
Streichen um. Zugleich drängen sie sich so dicht, und die Schichten nehmen
eine so steile Stellung an, dass sie sich zu einer einzigen starren Masse mit dem
Hauptstamm verbinden. Die erodirenden Kräfte vermochten diesen festen Bau nicht
in seine beiden Bestandtheile aufzulösen und trennen ihn, in der Linie des Han,
erst dort ab, wo die Sinischen Faltungen lockerer stehen.
Die Anordnung ist derartig, dass von jedem Punkt an der Vereinigungslinie
eine Divergenz nach Westen hin stattfindet. Das Gebirge müsste mithin von seinem
östlichen Ende aus gegen Westen fortdauernd und in sehr bedeutendem Maass an
Breite wachsen. Dies ist jedoch im Osten desshalb nicht der Fall, weil die erwähn-
ten, vom Han durchströmten Einsenkungen die Stetigkeit des Sinischen Faltungs-
gebietes unterbrechen und den Zug des Tsin-ling-shan plastisch hervortreten lassen,
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