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0697 China : vol.2
China : vol.2 / Page 697 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Der Kwenlun verhält sich anders.
Umsonst suchen wir hier nach einer grossen Krümmung, wie wir sie sonst
in ausgezeichnetster Ausbildung auf asiatischem Boden finden, sowohl in den süd-
lichen Gebirgsumrandungen der Centralgebiete des Continentes, als in den mit
Vulcanen besetzten Inselreihen, welche die flachen Randmeere im Osten und Süd-
osten derselben umsäumen. Das Gebirge behält starr seine Streichrichtung von
W2N nach O2S, von welcher es ebenso im Süden von Khotan unter dem 80sten,
als bei Nan-yang-fu unter dem 113ten Längengrad beherrscht wird, und wo immer
das Schichtenstreichen bekannt ist, folgt es derselben Richtung. In der ganzen
Erstreckung, gleichviel ob das Gebirge nur aus Einem mächtigen Stamm besteht,
oder in mehrere parallele Ketten aufgelöst ist, bildet die nördliche Fusslinie eine
scharfe Grenze zwischen zwei Klassen von Erdräumen, welche in orographischer
Hinsicht die denkbar grössten Verschiedenheiten darbieten. Denn so weit wir die
im Norden vorgelagerten Gegenden von dem Westrand des Tarym-Beckens bis
zum östlichen China kennen, bestehen sie entweder aus grossen flachen Einsenkungen,
welche mit jugendlichen, höchstens bis zur Kreideperiode zurückreichenden, hori-
zontal gelagerten Meeressedimenten und atmosphärischem Schutt ausgefüllt sind
und die Unterlage nicht erkennen lassen, oder aus älterem Schichtungstafelland. Wir
werden kaum irre gehen, wenn wir annehmen, dass die starre untercambrische
Scholle des nördlichen China bis zu jenen fernen westlichen Regionen fortsetzt,
d. h., dass in dem ganzen Gebiet seit Beginn des Cambrischen Zeitalters nur
regionale Bewegungen in verticalem Sinn, niemals aber Zusammenschiebungen und
Faltungen in grösserer Ausdehnung stattgefunden haben. Eine Differenzirung in
den Niveauveränderungen, welche die Scholle in ihrer Gesammtheit oder in grossen
Theilen erlitten hat, wird, wie wir sahen, durch grosse Brüche und ihrem Verlauf
folgende Normalverwerfungen angezeigt, also durch solche tektonische Vorgänge,
welche auf Raumerweiterung deuten. Diejenigen Bewegungen, welche darauf gerichtet
waren, die Gesteine eines Areals auf einen geringeren Raum zusammenzudrängen, die
Schichten in Falten zu werfen und die Falten über einander zu schieben, haben sich
seit der Zeit der Ablagerung der untercambrischen Sedimente fast ausschliesslich auf
der Südseite der ganzen Linie documentirt und hier, im schroffsten Gegensatz zu
den nördlich angrenzenden Gebieten, die gebirgigsten Länder der Erde geschaffen.
Da die Ueberschiebungen nach Süden gerichtet sind, werden wir die nördliche
Seite als die negative, die südliche als die positive zu betrachten haben.
Die Grenzscheide ist nicht eine gerade Linie, sondern es sind durch Verviel-
fältigung der Kwenlun-Kämme einzelne Theile derselben, der Hauptrichtung parallel,
staffelförmig nach Norden vorgeschoben. Ob grosse Horizontalverschiebungen entlang
quer gerichteten Brüchen dabei eine Rolle spielen, lässt sich noch nicht entscheiden.
In China haben wir ein derartiges staffelartiges Vorspringen nach Norden im
Osten von Hsi-ngan-fu kennen gelernt (s. S. 634). Wir hatten es ferner wahrscheinlich
zu machen gesucht, dass der Sung-shan ein vorgeschobenes Glied des Kwenlun-
Systems ist. In weit höherem Grad finden derartige Vorschiebungen der Nordgrenze,