National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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schluchten und der Erstarkung durch die steten Kämpfe mit den Steppenvölkern.
Andererseits bildeten sie gerade dann, wenn sie mächtig waren, ein Bollwerk gegen
die letzteren. Dieser Schutz fiel, wenn ein so erwachsenes Fürstengeschlecht sich
auf den Kaiserthron erhob und nach einer Periode kräftiger Regierung innere Feinde
im Osten zu bewältigen hatte. Dann konnten jene Grenzen nicht vertheidigt wer-
den, und das nördliche Shensi war in solchen Zeiten den Einfällen feindlicher
Aussenvölker mehr ausgesetzt als irgend eine andere Provinz des Reiches. Die
blühende Cultur, der Reichthum der Bevölkerung und die üppigen Weizenfelder
lockten wiederholt die Steppenvölker heran. Ich habe² zu zeigen gesucht, wie
bedeutend der Einfluss der zu ihrer Abwehr erbauten Grossen Mauer gewesen ist,
indem sie von der vorherrschenden Richtung ihrer Einfälle abgedrängt wurden, und
die an dem Bollwerk sich brechenden Wogen der Völkerbewegungen eine rückläufige
Strömung, nach Westen hin, annahmen, um sich durch die Dsungarei in die tura-
nische Niederung zu ergiessen¹). Aber wenn auch damit die Gefahren vermindert
waren, so waren sie doch nicht aufgehoben. Noch mehr wurde das Eindringen
einer fremden Bevölkerung dadurch erleichtert, dass bei der wiederholten Zerstücke-
lung des Reiches Dynastieen der Steppenvölker über den Nordwesten von China
herrschten, wie z. B. die Wei²), während andere, wie die Mongolendynastie der
Yüen und die jetzige Mantschu-Dynastie des Tsing, das ganze Reich in Besitz
nahmen und von ihrer im Nordosten gelegenen Residenz aus den Nordwesten
ethnisch weniger beeinflussten.
Wir dürfen demnach annehmen, dass die Bevölkerung des Wei-Thales im
Anfang der Geschichte aus einer Mischung der Culturrace mit den von ihr vorge-
fundenen Bewohnern bestand, dann aber im Lauf der Geschichte mehr und mehr
fremde Elemente aus Central-Asien in sich aufnahm. Es mag auch ein Zuzug aus
anderen Theilen von China stattgefunden haben, aber er war wahrscheinlich nicht
bedeutend; denn der Nordwesten ist für die Bewohner der östlichen maritimen
Provinzen nicht verlockend, und noch weniger würden diejenigen des Südens dort-
hin auszuwandern geneigt sein. Die genannten fremden Elemente werden, in so
weit sie die Landesreligion annahmen, der ausserordentlichen Absorptions- und
Assimilationskraft der chinesischen Cultur und des chinesischen Typus unterlegen
sein, und der buddhistische Theil der jetzigen Bevölkerung dürfte als das Endpro-
duct der verschiedenen Vermischungen aufzufassen sein. Allein es kam noch ein
anderes Element, ebenfalls aus Central-Asien, hinzu, welches nicht assimilierungs-
fähig war, weil die Religion eine unüberwindliche Schranke bildete. Den Anfang
seines Erscheinens bildete die Ansiedelung des im 8ten Jahrhundert gegen die Tufan
mit Erfolg zu Hülfe gerufenen Turk-Stammes der Hwui-he in dem zum Hwangho-
Becken gehörenden Theil des heutigen Kansu. Sie scheinen damals schon ganz
oder grossentheils zum Islam übergetreten gewesen zu sein; jedenfalls waren sie
fortan als Mohamedaner von den anderen Bewohnern verschieden³). Andere Turk-
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