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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0718 |
China : vol.2 |
| 中国 : vol.2 |
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stamme von gleicher Religion folgten ihnen. Die vollkommene Toleranz der
Chinesen gegen jede Religion, welche nicht als politische Macht auftritt, gestattete
es den Mohamedanern, sich in den nördlichen Provinzen von China auszubreiten
und friedlich unter den Buddhisten zu wohnen. Besonders bildeten sie in Shensi
einen grossen und stets wachsenden Bruchtheil der Bevölkerung. Da sie dem
Ackerbau wenig ergeben waren, aber gutes Talent für Handel und Industrie
besassen, so concentrirten sie sich in den Städten, wo sie durch Betriebsamkeit
und Wohlhabenheit eine hervorragende Stellung einnahmen. Andererseits konnten
die Chinesen eine ruhige Herrschaft über die mohamedanischen Länder im Tarym-
Becken ausüben und waren dort als Ackerbauer ein wichtiger und nützlicher Bestand-
theil der Bevölkerung.
Dies war der ethnische Zustand des nördlichen Shensi in der ersten Hälfte des
gegenwärtigen Jahrhunderts. Die Rolle der Bewohner in dem grossen geschäft-
lichen Verkehr wurde schon oben bei der Darstellung der Verhältnisse in Shansi
erwähnt¹). Stehen sie auch denen der letzteren Provinz in Hinsicht auf finanzielle
Capacität etwas nach, und müssen sie auch diesen die Leitung der grossen Bank-
häuser durch das ganze Reich überlassen, so besitzen sie doch eine grosse
Betriebsamkeit im Handelsverkehr und im kleineren Geldgeschäft. Sie übten auf
den Verkehrsstrassen durch das westliche Central-Asien bis nach Samarkand hin,
neben ihren Rivalen aus Shansi, die geschäftliche Herrschaft aus, und da diese
Rolle an alte Traditionen anknüpft, so können wir annehmen, dass sie den Verkehr
in ihrer Hand hatten, als venetianische Handelsreisende von Tana aus die Seiden-
märkte im östlichen China besuchten²), und als Josafat Barbaro mehr als ein
Jahrhundert nachher in Samarkand chinesische Kaufleute antraf³). Auch diejenigen
Chinesen, welche in jenen westlichen Gegenden zu verschiedenen Zeiten als Acker-
bauer und für den Betrieb des Kleingewerbes angesiedelt waren, sind in ihrem
Hauptbestandtheil mit grosser Wahrscheinlichkeit als der Ueberschuss der Bevöl-
kerung von Shansi und Shensi zu betrachten.
Mohamedanische Rebellion. — Der ausschliessende Charakter des Islam
hat sich für das Wei-Thal verhängnissvoll erwiesen. Je mehr die Mohamedaner sich
in den Städten ausbreiteten, desto grösser wurde die gegenseitige Spannung. Sie
verachteten die Schweinefleisch essenden Chinesen als unrein und nahmen in Folge
ihrer Energie, ihrer Wohlhabenheit und ihrer wachsenden Zahl eine übermüthige
Stellung an. Die Chinesen hingegen hassten ein unter ihnen lebendes Volk, welches
aus Geringschätzung gegen sie vollständig fremd blieb und keinerlei Verbindung mit
ihnen einging. Sie fühlten sich an Zahl weit überlegen und gaben diesem Gefühl
vielfach Ausdruck. Kleinere Reibereien kamen häufig vor, und die Mohamedaner
scheinen sich nicht ohne Grund wegen ungerechter Uebervortheilungen durch die
Mandarine beklagt zu haben. Offener wurden die gegenseitigen Anklagen, als im
Jahr 1860 die Taiping-Rebellen einen Einfall in Shensi ausführten. Die Chinesen
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