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0726 China : vol.2
China : vol.2 / Page 726 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Betreffs der Richtigkeit der Identificirung des von Marco Polo angewendeten
Namens Quengianfu mit der Stadt Hsi-ngan-fu herrscht kein Zweifel mehr¹). Auch
er bezeichnet sie als Hauptstadt eines vormaligen gleichnamigen Reiches und ist
erfüllt von der Grösse und Pracht der Stadt und dem Reichthum ihrer Umgebun-
gen. Insbesondere erwähnt er der grossen Maulbeerpflanzungen auf den Feldern
und der Seidenindustrie des Ortes.

Hsi-ngan-fu ist heute noch eine imposante Stadt und in praktischer Beziehung
die Capitale des nordwestlichen China, wenn auch der Generalgouverneur von Shensi
und Kansu wegen der grossen extramuralen Landstriche, deren Verwaltung ihm
zusteht, seine Residenz in Lan-tshóu-fu hat. Nichts verräth die Annäherung an
eine Gross-Stadt, wenn man von Osten kommt. Langsam geht es in einer Schlucht
auf die früher (S. 550) erwähnte Lössterrasse hinauf. Hier sieht man plötzlich die
weithin in gerader Linie sich ziehende Stadtmauer. Ausgedehnte Vorstädte, jede
selbst eine kleine Stadt mit besonderer Umwallung, liegen vor den vier Haupt-
thoren, welche sich in der Mitte jeder der vier Seiten befinden. Sie hatten den
Mohamedanern nicht zu widerstehen vermocht und waren jetzt völlig zerstört.
Zwischen Ruinen führte die Strasse hin. Die Thore sind grossartiger als die von
Peking, die Mauern nicht ganz so mächtig wie dort. Das Strassennetz im Innern
ist grösstentheils rechtwinklig angelegt. Die Häusermasse erfüllt ein Quadrat von
10 li (¾ deutsche Meile) Seitenlänge. Im nordöstlichen Theil liegen innerhalb
besonderer Umwallung die Magistratsgebäude und das Quartier der Mantschu-Gar-
nison. Aber die Ruinen der 36 Paläste aus früher Zeit, welche die Reichsgeogra-
phie eingehend beschreibt²), sollen kaum noch erkennbar sein. Die Einwohnerzahl
wurde mir auf eine Million angegeben, darunter 50,000 Mohamedaner³). Diese
befanden sich zur Zeit meines Besuches in der traurigsten Lage. Sie hatten eine
wohlhabende und einflussreiche Mittelklasse gebildet. Bei Ausbruch der Rebellion
wurden die angesehensten unter ihnen festgenommen und zu Formalitäten gezwun-
gen, welche als mit der Abschwörung ihrer Religion gleichbedeutend erachtet
wurden. Hohe Contributionen, die Unmöglichkeit, die Stadt zu verlassen und