National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Seide, nach den fernsten Teilen Inner-Asiens, wo sie unabweisbare Bedürfnisse des
Lebens geworden sind: Die zweite dient in ihrer Gesammtheit wesentlich politischen
und strategischen Zwecken, für den Handel ist sie nur in ihren Theilstrecken von
Bedeutung.
Unter allen Orten, welche nördlich von der gigantischen Mauer des Kwenlun,
in seiner gesammten Länge vom Pamir bis zum Meer, gelegen sind, nimmt Hsi-
ngan-fu allein eine derartige Stellung ein. Keine andere unter den weit im Inneren der
Continente, fern von schiffbaren Strömen gelegenen Städten hat eine Weltstellung,
welche sich gleichzeitig in politischer, strategischer und commercieller Beziehung in
annähernd ähnlicher Weise auszeichnet. Da überdies die Stadt in einem Gebiet von
peripherischem Charakter gelegen ist, so war hier der natürliche Sitz des Herrschers über
die Welt des Ostens, bis im Lauf der Zeit veränderte Verhältnisse die Verlegung der
Residenz nach Peking veranlassen mussten¹). Die Rolle einer Capitale des Handels
aber verblieb der Stadt im Thal des Wéi; ihre Bewohner beherrschen ihn trotz
grosser politischer Aenderungen.
Handelsbewegung. — Der Reichthum von Hsi-ngan-fu gründet sich in
erster Linie auf den Handel mit Seide und Thee. Beide werden aus den südlichen
Provinzen importirt und, abgesehen von Binnenverbrauch, nach Central-Asien aus-
geführt. Einst, als Kaiser Wu-Ti der Han-Dynastie die Wege nach Turan eröffnete,
strömte die Seide, welche vorher langwierige und kostspielige Wege genommen
hatte um West-Asien zu erreichen, zum ersten Mal in offenen Canälen unbehin-
dert dorthin aus²). Man kann sich heute schwer einen Begriff von dem Auf-
schwung machen, welchen die Seidenindustrie und der Seidenhandel nehmen mussten,
als plötzlich dieser ergiebige Abfluss nach den damaligen Ländern an Yaxartes
und Oxus, nach dem Partherreich, Indien, dem Euphrat-Land und schliesslich dem
einer unbegrenzten Consumtion fähigen Römischen Reich geöffnet wurde. Chine-
sische und westliche Berichte vereinigen sich, um uns einen Einblick in die Grösse
der transcontinentalen Handelsbewegung thun zu lassen³). Abgesehen von den
Völkerbewegungen in Central-Asien, welche die freie Circulation abschnitten, war
der erste Schlag für diesen Handel die Einführung der Seidencultur in Khotan und
ihre Verpflanzung von dort nach Byzanz⁴), von wo sie sich über Vorder-Asien und
das südliche Europa ausbreitete. Dennoch nahmen die Verkehrsbeziehungen in den
Zeiten der Sui und der Tang einen neuen Aufschwung⁵). Wir erfahren nicht, was
damals die Hauptgegenstände des Handels gewesen sind, so weit Hsi-ngan-fu in
Betracht kam. Porzellan aus Kiangsi und Gegenstände der Kunstindustrie, welche
im südöstlichen China erblühte, mögen eine Rolle dabei gespielt haben. Mo-
schus und Rhabarbar, welche hervorragende Bedeutung im transcontinentalen Handel
hatten, wurden weiter westlich gewonnen; und der Markt, von welchem die
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