National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
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ziehende Theil, den wir uns als eine weite Grasfläche vorzustellen haben. Die
hohen Gebirge im Norden und Nordwesten der Ebene mussten auch noch Nieder-
schläge condensiren, und es wird daher nicht an Flüssen gefehlt haben, welche
die hier wahrscheinlich nur langsam wachsende Steppe durchzogen, wie es gegen-
wärtig in den Prärien zwischen Missouri und Rocky Mountains, in den Pampas des
La-Plata und in den Schwarzerde-Districten von Süd-Russland und Indien der Fall
ist. Die grossen, von den Gebirgen herabgeschwemmten, aber von den fliessenden
Gewässern nicht fortgeschafften Trümmermassen an den West- und Nordrändern
des Beckens dürften zum Theil aus dieser Periode stammen.
Westlich von den Grenzen der Grossen Ebene begann das Gebiet der völlig
abflusslosen Steppenbecken mit Salzseen. Wir sahen den Engpass von Tungkwan¹),
ebenso wie die Schlucht des Fönn-hô bei Ling-shi-hsien²), in gleicher Weise mit
mächtigen Lössmassen verstopft.
Der Uebergang von dem Steppenklima zu dem feuchten Klima der Lössperiode
muss sich, dem Gesagten zu Folge, durch die bis in die Gegenwart fortgesetzte
Versenkung der im Südosten gelegenen Gebirgsbarrièren und das mit abradirender
Wirkung verbundene Vorschreiten des Meeres von Südost gegen Nordwest vollzogen
haben. In beiden Beziehungen werden wir weitere Beweise bei der Betrachtung
der Ausfüllungsmassen der Grossen Ebene anzuführen haben.
Was die Zeit des Ueberganges von der Steppenperiode in die Lössperiode
betrifft, so besitzen wir wenig Anhalt für ihre Bestimmung. Der Steppenboden
enthält, wie der europäische Löss, in den zugänglichen oberen Theilen, nach den
Bestimmungen von Herrn Ed. von Martens, die Gehäuse von noch lebenden
Arten von Landschnecken. In Europa existirten die Schnecken des Löss gleich-
zeitig mit zahlreichen Steppen-Säugethieren. Bei dem Eintritt eines feuchteren
Klima's zogen sich diese in höhere Breiten, jene in grössere Meereshöhe zurück,
so dass offenbar das Klima auch wärmer wurde. Andererseits entwickelt sich die
Steppenperiode aus der ihr unmittelbar vorangegangenen Eiszeit. In China kennen
wir keine Eiszeit, und die Schnecken der obersten Theile des Löss leben heute
noch in derselben Gegend, wo ihre fossilen Gehäuse vorkommen. Der Uebergang
zur Jetztzeit ist daher mit einer nachweisbaren Erwärmung des Klima's nicht ver-
bunden gewesen. Wahrscheinlich fällt dieser Uebergang später als in Europa,
also nach Abschluss der Eiszeit: denn wenn das feuchte Klima der Jetztzeit eben
so lange angedauert hätte wie dort, so hätte die Befreiung des Landes von seiner
Lössdecke in grösserem Umfang geschehen müssen, als es der Fall ist.
Es ergibt sich hieraus mit Wahrscheinlichkeit, dass die Periode, in welcher das
nördliche China mit Steppen bedeckt war, die europäische Eiszeit umfasst.
Das Klima wird in seiner Gesammtheit auch hier an der allgemeinen Verminde-
rung des Jahresmittels der Temperatur theilgenommen, aber doch wegen seines
continentalen Charakters heisse Sommer mit stark aspiratorischer Wirkung gehabt
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