National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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ERSTES CAPITEL.
EINLEITENDE ÜBERSICHT.
DAS LAND DER ACHTZEHN PROVINZEN.
Die Chinesen nennen ihr Land Tshung-kwö, oder »Das Reich der Mitte«,
auch wol, in poetischer Form, Tshung-hwa, d. i. »die Blume der Mitte«; denn es
liegt nach ihrer Anschauung im Centrum des Weltalls und strahlt, im Gegensatz
zu den umliegenden, von »Barbaren« bewohnten Gegenden, im Glanz seiner Ver-
feinerung und Cultur. Einst nannte man es auch Tien-hsia, d. i. »Unter dem
Himmel«¹); denn sein Beherrscher war stets in den Augen der Bewohner der Herr
der bekannten Welt, und seine Person, in der sich nur die Grösse und Würde des
Reiches selbst verkörperte, galt ihnen als weit erhaben über die Fürsten der »Aussen-
länder«. Neben ihm stand Niemand; über ihm gab es nur den Shang-ti, oder
den Herrn dessen was oben ist, d. i. des Himmels.
Und dieser selbstgefällige Dünkel war nicht ganz ein leerer Wahn. Denn die
Chinesen sind das einzige leitende Culturvolk, ein wahres »Volk der Mitte«, im
östlichen Asien gewesen. Erhielten sie auch vielleicht die ersten Keime ihrer Civi-
lisation in dunkler Vorzeit von Westen her²), so haben sie doch das Ausserordent-
liche vollbracht, dieselben in der Abgeschlossenheit, ohne fernere Anregung von
aussen, und ohne den Vortheil, welchen der geistige Verkehr mit anderen Cultur-
völkern gewährt, zu hoher Blüthe zu entwickeln und eine besondere Culturform zu
schaffen. Längst hatte dieselbe eine fertige, in ihrem Grundbau unabänderliche
Gestalt erhalten, als, in einer verhältnissmässig späten Zeit, einige wenige, das
Wesentliche nicht berührende Elemente von denjenigen Völkern im südlichen und
westlichen Asien her übernommen wurden, welche dort die Träger der indischen, era-
nischen und semitischen Formen der Civilisation waren. Aber auch Diese trugen
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