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0053 China : vol.2
China : vol.2 / Page 53 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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der Ebene die Sonne hinter dem langen blauen Hohenzug untergehen sieht, der sei-
nen Blick und seine Landeskenntniss in dieser Richtung begrenzt, so wendet er wol
auch häufig den Namen Hei-shan, d. i. »die Gebirge des Westens« an. Er be-
greift darin in unbestimmtester Fassung die dahinter sich ausbreitende Gebirgs-
welt. Steigen wir an verschiedenen Stellen auf die Mauer des Tai-hang-shan hin-
auf, so kommen wir in das ausgedehnte Bergland der Provinz Shansi, dessen Cha-
rakter, soweit er unter der allgemeinen Lössbedeckung erkennbar ist, in dem Inein-
andergreifen plateau-artiger Ausbreitungen und hoher, aus ältesten Formationen
aufgebauter Faltungsketten besteht. Es ist ein Gebiet, in welchem das ausschliess-
liche Studium der Formen zu dem unbefriedigenden Ergebniss völliger Regellosig-
keit führen würde, und der geologische Blick allein die einfachen Gesetze der
Anordnung zu erspähen vermag. Dasselbe Merkmal des Ineinandergreifens der
beiden genannten Elemente scheint für das ganze nordwestliche China herrschend
zu sein. Eine Reihe der dadurch entstehenden Combinationen werden wir später
für einen Theil des Landes kennen lernen. Hier sei nur so viel bemerkt, dass
die Faltungsketten sich in der Art vom Kwen-lun abzweigen, dass sie ihm erst
von W nach O nahezu parallel laufen, dann sich nordöstlich wenden und zumeist
dieses Streichen beibehalten, zum Theil aber sich noch weiter zu einer beinahe
meridionalen Richtung umbiegen. Aber die Ketten kommen nur streckenweise deut-
lich zur Geltung, da sie hier und da in grösserer Entfernung von den söhlig darüber
hinziehenden Plateau-Schichten bedeckt werden. Die ausgezeichnetste mir bekannt
gewordene Entwickelung der Parallelfaltungen findet sich im nördlichen Theil der
Provinz Shansi und in dem angrenzenden Gebiet von Tshili. Es wird dadurch
dort eine wilde Gebirgswelt geschaffen, welche in dem 10,000 Fuss hohen Wu-
tai-shan gipfelt. In dem ganzen übrigen Theil von Shansi walten tief durchschnit-
tene Plateaubildungen vor. Ein Formenwechsel wird einerseits durch tiefe becken-
förmige Einsenkungen hervorgebracht, welche von Nord nach Süd an einander
gereiht sind und zur Bildung ebenso vieler grosser Lössmulden Veranlassung gege-
ben haben, andererseits durch einen Gebirgszug, welcher sich in dem Granitstock
des heiligen Ta-Hwa-shan von den Tsin-ling-Ketten abzweigt, jenseit des grossen
Knies des Hwang-hô in dem Fông-tian-shan fortsetzt und sein Ende in dem, dem
Fônn-hô parallel laufenden, 8000 Fuss hohen Hü-shan erreicht. In dem Winkel,
welchen dieser Zug und einige ihm wahrscheinlich im Osten parallel laufende Ket-
ten mit dem Tsin-ling-shan bilden, werden wir im Süden des Hwang-hô eine
Gruppenanordnung kennen lernen, in welcher der über 7000 Fuss hohe heilige
Sung-shan den letzten Eckpfeiler gegen die Ebene bildet.

Der Ta-Hwa-shan gehört schon zur Provinz Shensi. Von ihm aus gegen
Westen fällt für ungefähr 160 g. M. das Tsin-ling-Gebirge nach Norden steil in
ein weites Becken ab, das an diesem Rand, entlang dem Lauf des Wei-hô, seine
geringste Meereshöhe hat, während sein lössbedeckter Boden nach Norden hin all-
mälig ansteigt. Durchschnittene Plateaubildungen, die Fortsetzung derjenigen von
Shansi, scheinen den nördlichen Theil jener Provinz wesentlich auszufüllen und