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0120 China : vol.2
China : vol.2 / Page 120 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Gestalt so individualisirten Berg; das bizarre Profil war mir schon in der Fernsicht vom
Ta-ku-shan aufgefallen. An dem westlichsten Vorsprung theilt sich die Strasse. Ein Zweig
führt stromabwärts, in nördlicher Richtung, nach Fóng-hwang-tshünn, der andere folgt
einem von Südosten hereinkommenden kleinen Zufluss aufwärts nach dem Kau-li-mönn oder
Thor von Korea. Ich schlug diesen ein. Es ist eine wunderbare Landschaft. Man wird
nicht müde, das grossartige Gebirge mit seinem massiven Unterbau und seinem gänzlich
zerrissenen, bis gegen 3000 Fuss über das Thal aufragenden Oberbau zu betrachten.
Eine bessere Grenzmarke für ein grosses Reich hätte man nicht wählen können. Rechts
steigen die Gneissberge mit sanften, vielfach unterbrochenen, in üppiges Grün gekleideten Gehängen zu einer Höhe von 1200 Fuss an und bilden einen fortlaufenden Rücken.
In dem 2000 Meter breiten Thal zwischen Beiden sind einige Dörfer zerstreut, deren
Bewohner Ackerbau treiben. Eine Strecke von 20 li bringt zu einem Dorf von Wirthshäusern, und 3 li weiter ist das Thor, an einer Stelle, wo das Thal durch Ausläufer
von beiden Seiten eingeengt wird. Drei Mal im Jahr findet hier eine Messe statt, zu
welcher Chinesen und Koreaner sich zusammenfinden. Ich kann zu derjenigen, welche
auf den 9ten Monat trifft, will aber bei Gelegenheit dieser geologischen Uebersicht weder
auf die Art und Bedeutung des Handels, noch auf meinen Verkehr mit den Koreanern
eingehen. Das vielgenannte Thor, in welchem der Reisende ein imposantes Gebäude
erwartet, ist ein kleines Wachthäuschen mit Durchfahrt für Einen Wagen¹). Daran schliessen
sich westlich einige Dutzend Gasthäuser, östlich, unter freiem Himmel, die Waarenlager
der Koreaner. Nach dieser Richtung erweitert sich das Thal wieder, mit gleichbleibendem Charakter seiner beiden Gehänge. Aber der Boden ist nicht mehr angebaut, und
man sieht keine menschliche Wohnung. Das ganze Thal ist eine Grasfläche, durch die
ein Saumpfad sich hindurchwindet. Letzterer ist die grosse und wichtige Handelsstrasse
nach Korea. Ein kleiner Graben, der sich vom Thor aus quer durch das Thal und an
beiden Abhängen hinauf zieht, trennt beide Gebiete. Anbau und Bevölkerung im Westen,
Wildniss im Osten. Denn dies ist das neutrale Grenzgebiet, in welchem jede Ansiedlung
bei Todesstrafe verboten ist. Die Einrichtung hat genügt, um China und Korea hermetisch
gegen einander abzuschliessen.

Von Kau-li-mönn nach Sai-ma-ki.

Entfernungen in li:
Kau-li-mönn — Fóng-hwang-tshünn 30 — Ku-bia-tung 50 — Tshü-yu-pèi 40 — Sai-ma-
ki 70. — Zusammen 190 li oder 57 g. M.

Ich musste nun 20 li auf der Strasse zurück und um den Berg herumgehen. Es
fiel mir dabei die Aehnlichkeit der Formen desselben mit manchen von Yosémité in Californien auf; es wäre von Interesse, Photographien zur Vergleichung von beiden Orten
zu haben. Der malerische Zauber wird hier durch die Vegetation üppiger Laubgebüsche
erhöht, welche zwischen den schroffen Pilastern alle Nischen ausfüllt und die Schluchten
bis zur Höhe dicht bekleidet. Aus allen Ritzen und Fugen sprosst sie hervor. Der
Granit des Fóng-hwang-shan ist ein grobkörniges Gemenge von Quarz, Orthoklas
und etwas Oligoklas, mit spärlichen Hornblendesäulen und sporadischen schwarzen
Glimmerblättchen. Der Orthoklas ist fleischroth, gelb und weiss, und sehr vollkommen
krystallinisch, der Quarz bildet runde Körner, oft von krystallinischer Form. Es ist
charakteristisch, dass derselbe nicht, wie man es sonst häufig findet, mit dem Gestein
unregelmässig verwachsen ist, sondern seine wohlgesonderten Individuen wie eingemengt
aussehen. Zuweilen ist er in kleinen Drusen krystallisirt. Accessorische Mineralien habe
ich, mit Ausnahme von Titanit, nicht beobachtet. Neben diesem Hauptgranit finden sich
Abänderungen, aber nur untergeordnet. Ersterer ist von Gängen und Gangmassen von
Syenit durchsetzt, und in beiden treten Gänge von Diorit auf. Die Durchsetzungen
sind zahlreich und gut aufgeschlossen. Auch Diabas kommt vor, doch habe ich ihn
nur als Geröll gefunden.
Fóng-hwang-tshünn, am Fuss des Berges, ist ein bedeutender und wichtiger Handelsplatz. Es führt von hier eine grosse Strasse nach Ying-tsü², eine zweite nach Hsiu-