National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Es tritt kein Hauptkamm gegen Nebenkämme hervor, und man erhält den Ein-
druck, als müsse jene Fläche ungefähr einer einstigen Oberfläche des krystallinischen
Landes entsprechen, oder ihr parallel sein.
Eine zweite Besonderheit besteht darin, dass die höheren und schrofferen
Formen des krystallinischen Gebirges an beiden Küsten erst in einigem Abstand
vom Meer beginnen, bis zu ihnen aber eine Zone sich ausbreitet, in welcher
der Boden entweder flachwellig ist und aus den tief zersetzten Schichtenköpfen
derselben Schiefer besteht, oder, wenn er aus den überlagernden Sedimenten gebil-
det wird, auf das Vorhandensein einer ebenso beschaffenen Unterlage schliessen
lässt. Es ist in der That sehr auffällig, wenn man dieselben Gesteine, die hier
gleichsam verfault sind und einen sanftgeformten, weichen und fruchtbaren Boden
bilden, in ihrem unmittelbaren Fortstreichen zu scharf geschnittenen Kämmen auf-
ragen sieht. Die Erscheinung ist den Küsten des Gelben Meeres eigenthümlich,
und wir werden auf sie bei der Betrachtung von Shantung zurückkommen.
So deutlich sich aus unseren fragmentarischen Beobachtungen die Grundgesetze
im Gebirgsbau von Liautung ableiten lassen, stehen wir vor einer terra incognita,
wenn wir uns über die Ostgrenze hinaus nach Korea wenden. Bei unsrer Wan-
derung am Rand des neutralen Gebietes sahen wir die Formationen von Liautung
dorthin fortziehen. Was wir ausserdem über das Land wissen, ist am besten im
Jahr 1843 von Carl Ritter zusammengetragen worden¹. Auf Grund der Karte,
welche die Jesuiten theils nach koreanischem Material, theils nach den Notizen
eines zum Zweck astronomischer Ortsbestimmungen ausgesandten Chinesen con-
struirten, kennen wir annähernd den Verlauf der Flüsse, die allgemeinen Grenzen
von Ebene und Gebirgsland und die Lage des höchsten Gebirges in der Nähe der
Ostküste. Die Gipfel des letzteren wurden von Seefahrern gemessen, und sie
beobachteten seinen steilen Abfall nach dem Meer. Wenig ist uns die tief ein-
gebuchtete, inselreiche Westküste bekannt, und nur aus dürftigen Beschreibungen,
in Verbindung mit den Karten, vermögen wir auf die wilde Gestalt und die Aus-
dehnung des hohen Tshang-pai-shan im Norden zu schliessen. Schon ein flüch-
tiger Blick auf die Karte genügt, um die Scheidung von Korea in zwei Theile zu
zeigen, welche von verschiedenen Gesetzen des Gebirgsbaues beherrscht zu werden
scheinen. Rechtwinklig zu den Streichrichtungen von Liautung schiebt sich ein
langgezogenes Rechteck in das Meer hinaus. Mit seiner schmalen Nordwestseite
ist es dem Festland angewachsen. An dieser Stelle findet plötzlich eine bedeutende
Verbreiterung nach Osten und Westen statt, und es beginnt ein Land von anscheinend
verschiedenem Charakter, welches fast die Hälfte des ganzen Reiches einnimmt und
von zwei grossen Flüssen, dem Yalu und dem Tumen, durchströmt wird. Schon
wenn man versucht, aus den Linien des Flussnetzes, mit Berücksichtigung homolog
wiederkehrender plötzlicher Krümmungen, die wahrscheinlichste Richtung der Ge-
birgszüge zu construiren, so fallen die wesentlichsten Linien, vor allen diejenigen
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