National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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inneren Höfen ist dem Volk verschlossen. Die Hauptstrassen der anderen acht
Quadrate sind durch regen Verkehr belebt und mit zahlreichen, zum Theil gut
versehenen Kaufladen besetzt. Keine Stadt von China, mit Ausnahme des ungleich
schöneren Tshöng-tu-fu, der Hauptstadt von Sz'tshwan, gewährt einen so vornehm-
ernsten Eindruck. Mukden hat vor Peking den Vorzug, nicht ein Bild verfallener
Grösse zu geben. Dagegen fehlt ihm der Schmuck der chinesischen Residenzstadt:
die malerischen Tempel, die grossen Baulichkeiten und Höfe der Regierungs-
behörden, die monumentale Zier, und der schöne Hintergrund des Gebirges. Das
günstige Bild wird beeinträchtigt, wenn man die zwischen den Hauptstrassen gele-
genen und ebenfalls rechtwinklig angeordneten engen und schmutzigen Seitengässchen
betritt. Hier entfaltet sich die ganze Kleinlichkeit des chinesischen Lebens. Der
Handel der Stadt ist nicht unbedeutend, beschränkt sich aber auf die materiellsten
Gegenstände. Von irgend einer Art landesthümlicher Kunstindustrie ist nichts zu
bemerken. Den Fremden fesseln am meisten die aus wilder Seide gewebten Stoffe
und die Felle von Zobel, Hermelin, Eichhörnchen, Fuchs, Dachs, Wildkatze,
Marder, Panther, Tiger u. s. w. Man versteht es vortrefflich, grössere Decken
in kunstvollen Mustern aus kleinen Stücken zusammenzusetzen. Der Pelzhandel
ist sehr bedeutend. Keine andere Stadt von China befindet sich in der Lage, die
Felle so massenhaft aus erster Quelle zu beziehen. Ueberhaupt bildet Mukden ein
wichtiges Handelscentrum. Auch befinden sich hier die Hauptbanken der Provinz.
Wie überall, werden sie von Familien aus der Provinz Shansi gehalten. Es herrscht
sichtlich Wohlstand, nicht nur bei den Kaufleuten, sondern auch bei den grund-
besitzenden Mantschu, welche in nicht geringer Zahl die Landeshauptstadt zum
Aufenthaltsort wählen. Ein Capital von 10000 Unzen Silber (60000 Mark) gilt als
ein unabhängiges Vermögen.
Es befindet sich in Mukden eine sogenannte wissenschaftliche Akademie. Auch
werden hier die Prüfungen für die Provinz abgehalten. Ich kam zur Zeit derselben,
und es waren gegen zweitausend Candidaten versammelt. Anderwärts sind diese
jungen Leute aggressiv gegen Europäer und geneigt, das Volk gegen sie aufzu-
hetzen. Hier benahmen sie sich gesittet und liebenswürdig. Mehrere statteten mir
einen Besuch ab.
Ku-tshön-fu, im Rang die zweite Stadt der Provinz, ist ein unansehnlicher
Ort, im Innern äusserst unreinlich. Zwei Hauptstrassen, eine von West nach Ost,
die andere von Nord nach Süd gerichtet, durchkreuzen sie zwischen den vier
Thoren; am Kreuzpunkt steht das Kulu, eine Halle mit einem thurmartigen, aus
sich verjüngenden Dächern bestehenden Aufbau. Es findet sich fast in jeder Stadt,
da es den Segen auf sie herabbringt. Ausserhalb der Thore schliessen sich Vor-
städte an, welche der Hauptsitz des Handels sind.
Die Stadt Föng-hwang-tshöun, welche wir bereits auf unserem Reiseweg
berührten¹, liegt am Fuss des erhabenen Föng-hwong-shan oder Phönixberges.
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