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0231 China : vol.2
China : vol.2 / Page 231 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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4) Dünnschichtige graue Mergelkalke mit gelben thonigen Schichtflächen.
Sie sind den Kalkbänken von 2) zwischengelagert, nehmen aber nach oben zu
und bilden zum grossen Theil die Höhen. An den Gehängen verursachen sie
Böschungen, auf den Höhen sanfte Rundungen.
Die letzteren Schichten bilden, über einer Kalksteinbank, den Rand des Plateaus, 960 Fuss
über dem Fluss. Ein wenig weiter südlich steigt die Fläche noch 300 Fuss höher an.
Die Aussicht von der Höhe gewährt ein interessantes Bild (s. Tafel II). Allenthalben
erblickt man steile Gehänge, an denen senkrechte Abstürze, durch die Kalkbänke verur-
sacht, mit Böschungen von 45° Neigung wechseln. Darüber breiten sich sanftgerundete
Flächen aus, über die sich hier und da ein castellartiger Aufsatz erhebt. In der Tiefe,
dazwischen, sieht man in Thäler mit grossen Dörfern hinab, von denen aus der Feldbau
sich in Terrassen hoch hinanzieht. Der Boden selbst ist mit zahllosen Schalen von
Helix bedeckt, worunter sich einige neue Arten fanden ¹).
Die hier genannte Schichtfolge vervollständigt sich thalaufwärts nach dem Liegenden,
thalabwärts nach dem Hangenden hin. Dort waren es von Anfang an rothe Schiefer-
thone mit Zwischenlagen von Kalkstein gewesen, die auf der Unterlage von Gneiss ruhten.
Bei der Wanderung thalabwärts wächst die Neigung bis 8° m. Es verschwinden daher
bald die rothen Schieferthone; dann sinkt die Gruppe der globulitischen Kalkbänke hinab.
Andere Kalksteine, die erst die Höhen einnahmen, beginnen die Thalwände zu bilden.
Der geringen Neigung wegen ist es schwer, bei schnellem Reisetempo die einzelnen
Schichten zu verfolgen, oder auch nur die Mächtigkeit zu schätzen. Wo man die Grenze
des Gebirgslandes gegen die Ebene erreicht, besteht ersteres überall aus Kalkstein, dessen
Bänke, in ruhigen Linien fortziehend, sich nach Norden neigen und theils unter die
Ebene allmälig hinabsinken, theils gegen sie abgebrochen sind. Die letzten Ausläufer
sind durch buchtartige Thäler getrennt und an ihren Enden in vereinzelte Hügel und
Hügelgruppen aufgelöst.
Noch müssen wir, ehe wir dieses Gebirge verlassen, eines Gebildes erwähnen, welches
die Thäler ausfüllt. Es besteht aus Löss und Gebirgsschutt. Sie wechseln nicht
allein übereinander, sondern auch nebeneinander, indem tiefe Aushöhlungen im Löss mit
Schutt angefüllt sind. Zu beiden Seiten des Flussbettes, an dem unser Weg ging, stehen
die aus einem Wechsel beider Gebilde zusammengesetzten Mauern 60 bis 100 Fuss hoch
an. Der Schutt ist zuweilen cementirt und bildet ein vorspringendes Dach, unter dem der
Löss schon weggeführt ist. Tritt man hinaus aus dem geschlossenen Gebirge, so besteht
noch alles Land zwischen den Hügeln und Ausläufern aus Löss und Schotterbänken.
Diese haben zunächst den Gehängen ein nördliches Einfallen; weiter ab davon werden
ihre Absonderungsflächen horizontal.

Umgebungen von Tsi-nan-fu.

Tsi-nan-fu, die Hauptstadt von Shantung, steht am Rand der Lössterrasse, zum
Theil noch auf Löss selbst. Da diese Bodenart das Wasser vollkommen durchlässt, so
quillt es an ihrem Boden, wo er durch Aufgrabungen blossgelegt ist, und an ihren äusseren
Grenzen, hervor; daher zeichnet sich Tsi-nan-fu durch seinen Quellenreichthum aus.
Ausflug nach dem Hwang-hô. — Der Name Tsi-nan-fu bedeutet »südlich von
Tsi«. Den Fluss dieses Namens haben wir bereits unter den im Yu-kung genannten
»neun Strömen« kennen gelernt. Gegenwärtig hat er seine Selbstständigkeit verloren, da
der Hwang-hô sich seit 1852 seines Bettes bemächtigt hat. Der nächstgelegene Ort an
dem Ufer desselben ist Lü-kiu, der Flusshafen für Tsi-nan-fu. Der Weg dorthin führt
über ausserordentlich fruchtbare Ebene. Der Boden besteht aus fein geschichteten Allu-
vion von trockenem und lockerem glimmerigem Lehm, welcher offenbar dem Löss des
nordwestlichen China entstammt und schon während der vielen Jahrhunderte, in denen
der Hwang-hô früher das Bett des Tsi eingenommen hatte, abgesetzt worden sein mag.
Noch jetzt sind Ueberschwemmungen nicht selten, und dann muss das dicke lehmige
Wasser des Gelben Flusses jedes Mal den Boden mit einer neuen Schicht der feinen,