National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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209
Gehängen sieht man viele Kohlenshalden. Die Kohle ist von sehr geringer Qualität und
wird an der Strasse zum Kalkbrennen benutzt. Die Schichten schienen mir von S nach
N zu streichen und westlich einzufallen.
Nordrand des Gebirges westlich von Tsing-tshóu-fu. — In Tshang-tien
werden an der Strasse geschliffene Gegenstände, namentlich Tuschnäpfe und kleine Kugeln,
feilgeboten, welche man aus verschiedenen bunten, besonders breccienartigen und conglome-
ratigen Varietäten von Kalksteinen verfertigt. Hier sah ich zum ersten Mal jenes eigenthüm-
liche Gestein, das ich bereits in Liaotung als Wurmkalk bezeichnete s. S. 99, und nachher
charakteristisch für die obersten Sinischen Gebirge erkannte. Die Gebirge, soweit man
sie auf der Strasse nach Osten übersehen kann, bestehen aus denselben regelmässig
geschichteten Sinischen Kalksteinen, wie südlich von Tsi-nan-fu. Sie fallen hier 2
bis 3° nach N und NW. Gesteine höherer Formationen beobachtete ich nicht. Doch
soll Steinkohle bei Lin-tshi-hien gewonnen werden. Ich sah in der Richtung des Ortes
nichts als Ebene. Das Vorkommen ist wegen seiner Lage in der Nähe des Meeres einer
Untersuchung werth. Der Löss bedeckt die Vorlage des Gebirges bis Lu-lin-tshu. Selbst
der Tshi-hö, welcher bei Lin-tshi vorüberfliesst, hat sein 400 Fuss breites Bett in
Löss eingraben. Jetzt war er ein kleines Bächlein. Seine Lössufer sind 60 bis 80 Fuss
hoch; aber am Rand der Hügel steigt die gelbe Erde noch 100 Fuss höher an. Wie
überall, ist dieselbe auch hier ungemein fruchtbar und trägt üppige Gartencultur. Dorf
reiht sich an Dorf. Die Bevölkerung war auf den Feldern geschäftig; denn es hatte seit
vier Wochen nicht geregnet, und der Boden war vollständig ausgedörrt. Die ausserordentlich
grosse Production wird nur durch künstliche Bewässerung erzielt, die überall dort, wo der
Löss nicht sehr mächtig ist, leicht bewerkstelligt wird. An dem ganzen Gebirgsrand, von
Tsi-nan-fu an, ist der Boden wie ein Sieb von Brunnen durchlöchert, welche bei jedem
einzelnen Feld angebracht sind. Meist erreicht man das Wasser in der Tiefe von 10
bis 20 Fuss. Es wird mittels eines Haspels in schnellem Tempo gehoben und aus den
Eimern in Furchen gegossen. Knaben liesorgen, durch Verstopfen der letzteren mit
Lehmballen an gewissen Stellen, die Leitung in die einzelnen Rinnen und allmälig über
das ganze Feld. So hatte das Land trotz der Dürre ein frischgrünes Ansehen. Ich fand
später diese Methode überall in Anwendung, wo der Löss dünn liegt und an Hügel
stösst. Da er alles Regenwasser aufsaugt, so dienen seine unteren Theile als ein Reser-
voir, vorausgesetzt, dass das Wasser nicht abfliessen kann. Dies wird aber gerade hier
durch die vielen Lager von Schutt und Kalkconcrietionen, die manchmal fest cementiert
sind, erschwert.
Thal des Mi-hö. — Bei dem breiten Alluvialthal, an welchem die Stadt Tsing-
tshóu-fu deren erste Silbe sich von der alten Provinz Tsing des Yu-kung, s. Bd. I
S. 356 und 375 Anm., erhalten hat, liegt, ändert sich der Charakter der Landschaft.
Blickt man nach Süden, so sieht man den ebenen Thalboden weit zwischen die Hügel-
landschaft hinein ziehen. Die westlichen Gehänge, an deren Fuss die durch ihren Seiden-
handel berühmte Stadt in gesegneter Lage sich anlehnt, sind noch immer dieselben, fast
horizontal geschichteten, der Sinischen Schichtenreihe angehörigen Kalksteinberge,
wie bei Tsi-nan-fu. Sie setzen gegen das Thal in einer langen, eingebuchteten, 800
bis 1000 Fuss hohen Mauer ab, über die sich Gipfel bis 1600 Fuss erheben. In langen
horizontalen Bändern ziehen sich die Ausgehenden der Schichten mit ihren helleren und
dunkleren Färbungen an der Mauer hin. Im Süden verschwinden die Gebirge fast voll-
ständig; nur eine krystallinische Gruppe macht sich in weiter Ferne durch ihre charak-
teristische Gestalt bemerkbar. Es ist der Tung-Tai-shan oder östliche Tai-shan, dessen
fernsten Gipfel gehören wohl aber schon dem hohen Zug des I-shan an. Ganz neue
Formen bietet die östliche, von SW nach NO gerichtete Thalseite. Dort sieht man über einer
150 Fuss hohen Terrasse eine Reihe unverkennbarer vulcanischer Kegel aufsteigen,
einige klein und spitz, andere sehr breit und abgestumpft. Ihre Höhen schätzte ich auf
300 bis 600 Fuss über der Thalebene. Die Terrasse ist nicht continuirlich, wie die des
Löss, sondern sie sendet lange Vorsprünge aus und ist eingebuchtet. Sowie man an den
Mi-hö kommt, der das Thal durchströmt, sieht man die vulcanischen Gerölle.
Die Strasse führt östlich von Tshang-lo-hien noch einmal über einen ungefähr 350 Fuss
hohen Rücken von Sinischem Kalk. Str. WSW—ONO. Fallen 12° NNW. und kommt dann
an einen nur 50 Fuss über den Löss aufragenden vulcanischen Hügel. Er besteht aus
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