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0247 China : vol.2
China : vol.2 / Page 247 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Blick. Das breite grüne Thal des Flusses ist, mit zahlreichen Ortschaften besetzt, bis in weite
Ferne nach Norden und Süden erkennbar. Diesseits sieht man, so weit der Blick nach
Süden reicht, nur Wellen vulcanischen Terrains. Jenseits ist das Land auch wellig, wie-
wohl mit einzelnen Kuppen besetzt; aber der Charakter ist verschieden. Im Süden erhebt
sich dort in der Entfernung von ungefähr 40 li ein vereinzelter Berg von ungefähr 1000 Fuss
Höhe, dessen Formen auf Kalkstein deuten. Aber man erkennt keine Schichtung, und
ich vermuthe, dass es krystallinischer Kalkstein ist. Im Ostnordost endlich erscheinen,
weit abgelegen, die unverkennbaren Umrisse hoher krystallinischer Gebirge. Es sind die,
welche sich im Süden von Lai-tshóu-fu erheben.

Krystallinisches Land bis Hwang-hsien. — Das Thal des Wei ist eine
g. Meile breit. Der Fluss hat ein sandiges breites Bett mit 12 Fuss hohen Ufern und
führt genug Wasser, dass kleine Boote darin fahren können. Jenseits des Thales erwartet
man selbstverständlich die Fortsetzung des auf der linken Seite beobachteten Baues, und
es ist wahrhaft überraschend, wenn schon der erste Schritt auf Granit führt und dieser
mit krystallinischem Schiefer fortan allein herrscht. Nicht ein Bruchstück von
vulcanischem Gestein war zu sehen. Allerdings sind die Aufschlüsse nicht bedeutend,
da Löss mit Concretionen noch das Land bedeckt. Als Baustein sah ich häufig blau-
lichen krystallinischen Kalk verwendet. Wahrscheinlich kommt er aus einem Höhen-
zug, der sich südlich von der Strasse zu 300 bis 400 Fuss über sie erhebt und ihr
parallel von SW nach NO gerichtet ist. Die Terrasse senkt sich unmerklich in den
sandigen Boden des breiten Kiau-hô-Thales. Eine lange, mit Granitquadern gepflasterte
Brücke führt über den Fluss. Dieser hat eben so viel Wasser wie der Wei-hô, aber
fast gar kein Gefäll. Es ist eine merkwürdige Thatsache, dass sein Thal Shantung in
zwei Hälften theilt und die Wasserfahrt quer durch die gebirgige Halbinsel gestattet.

Bei Hsia-hô-kiau erreichte ich wieder die Hauptstrasse, der ich nun folgte. Sie
gewährt bis Hwang-hsien geringes Interesse. Erst geht sie 25 li durch die Alluvialebene
des Kiau-hô, dann 15 li über die kaum 60 Fuss hohen Ausläufer des im Süden weit
ausgebreiteten welligen Terrassenlandes von krystallinischen Schiefern; darauf hinab in
eine Sandebene. Hier überschreitet sie bei Sha-hô-tshong das breite, wasserlose Fluss-
bett des Sha-hô oder Sandflusses, betritt 15 li weiter wieder die krystallinische Terrasse
und überschreitet ihre ungefähr 100 Fuss hohen Wellen, um bei Lai-tshóu-fu abermals
in Alluvialland zu kommen. Dann beginnt höheres Wellenland, das sich von Osten
nach Westen allmälig abdacht. Die Wellen sind im Allgemeinen rechtwinklig zur Küste
gerichtet, sanft gemuldet und durch oben so sanfte Mulden mit sandigen Thalboden, in
denen zuweilen ein kleiner Bach herabkommt, getrennt. Der Löss ist verschwunden.
Auf den Höhen liegt ein sandiger, wenig fruchtbarer Lehm, der zuweilen noch Concre-
tionen enthält, aber die Löss-Structur nicht besitzt.

So einförmig dieser allgemeine Charakter des Landes an der Strasse selbst ist, finden
sich doch einerseits manche interessante Gesteinsvorkommen; andererseits gewähren die
Formen der Landschaft im Ganzen einen häufigen Wechsel. Zur Linken erblickt man
hin und wieder das Meer, und zur Rechten erheben sich hohe Ketten von schroffen
Formen, deren wilder Charakter zunimmt, je weiter nördlich man kommt.

Was den geologischen Bau betrifft, so sind krystallinische Schiefer mit Granit
vorhanden. Gneiss und Hornblendeschiefer walten vor. Glimmerschiefer ist nicht
allein herrschend. Gänge von Quarz und Pegmatit sind sehr häufig. Wenn schon der Boden-
charakter und die Zusammensetzung an das Land entlang der Südostküsten von Liau-
tung und Liau-hsi erinnern, so ist auch, gerade wie dort, die durchgreifende Zersetzung
bemerkenswert. Frisches, festes Gestein kommt an der Strasse überhaupt nicht vor,
und die Zersetzung muss ausserordentlich tiefgehend sein. Die wilden Gebirge zur
Rechten aber sind unzersetzte Riffe derselben Gesteine und senden Ausläufer in das sanft-
wellige Terrain der Zersetzungsmassen hinein. Sie erscheinen wie übriggebliebene feste
Kerne, die von denjenigen umwandelnden Agentien, welche dort den Gneiss, mit Erhaltung
seiner Structur, in ein mürbes, vollkommen erdig zu nennendes Gestein verändert haben,
nicht berührt wurden und wesentlich durch mechanische Zerstörung, in Folge der Eis-
bildung in Spalten, ihre wilden Formen angenommen haben, nachdem ihre ehemalige
Waldbedeckung wahrscheinlich schon seit Jahrtausenden entfernt worden ist. Obgleich
die Gipfel nur 2500 Fuss Höhe erreichen, könnte man sie doch den Formen nach für
Ueberreste eines versenkten Hochgebirges halten. Der erste Steilgipfel ist im Süden von