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0279 China : vol.2
China : vol.2 / Page 279 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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in beiden Fällen die Quellgegenden der Hauptflüsse bilden. Aber während im
Westen zwei Linien sich auf den ersten Blick als die Wassertheiler geltend machen,
zieht sich durch die ganze Länge des östlichen Shantung eine viel gewundene
Scheidlinie. Dort behauptet den ersten Rang die hohe Anschwellung, welche im
Tai-shan gipfelt und im I-shan fortsetzt; während der Kiu-niu-shan die zweite,
seitlich gelegene Wasserscheide bildet. Im Osten entsendet das Lai-Gebirge die
meisten Gewässer, besonders wenn man das granitische Ai-shan-Gebirge zu-
rechnet. Weiterhin macht sich nur noch der Kun-lun-shan als Wasserscheide
geltend.

In beiden Theilen werden die hohen Gneissgebirge nicht von den Gewässern
durchbrochen. Im Osten strömen diese radial von jenen hinweg; im Westen
sammeln sie sich gern in Rinnen, welche den Verwerfungsspalten folgen. Dies
gilt vom Wei-ho, welcher die Trennungslinie der beiden Gebirgshälften bezeichnet,
vom Ta-Wonn-ho, welcher der Verwerfung des Tai-shan entlang fliesst, und in
geringerem Grad vom Hsian-Wonn-ho und Tung-Wonn-ho, welche sich ihre Betten
zwischen der zum Kiu-niu-shan gehörenden Sinischen Auflagerung und den aus
Gneiss bestehenden Rückwänden der nächsten nordöstlich sich erhebenden Schollen
gegraben haben. Der bei I-tshow-fu mündende Fang-ho folgt wahrscheinlich genau
der südwestlichen Verwerfungslinie des Kiu-niu-shan. Auf den flachen Böschungen
der Frontseiten der Schollen fliessen dagegen die Gewässer in langen Furchen ab,
welche der Neigung folgen und im Allgemeinen rechtwinkelig zur Firstlinie gerichtet
sind. Es findet daher im Osten ein Parallelismus der Flüsse überhaupt nicht statt,
und man kann dort von Längs- und Querthälern nur für einzelne kurze Strecken
im Verhältniss zum Bau der unmittelbar benachbarten Gebirge sprechen. Im Westen
darf man mit einigem Recht den Ausdruck Längsthäler für die den Steilseiten der
Schollen, und daher auch dem Streichen der Sedimentschichten parallelen Strecken
der Flussthäler gebrauchen. Enge Durchbrüche finden sich auf der Flachseite der
Schollen, wo die Rinnsale sich tief in die Sinischen Sedimente eingegraben haben,
oder wo sie Querspalten, z. B. durch den Kalksteinriegel bei Po-shan-hsien, benutzen.

Sammtliche Flüsse haben so viel Zeit gehabt, ihre Betten auszugraben, und
sind darin so wenig durch örtliche Niveauveränderungen des Landes in späteren
Zeiten gestört worden, dass es ihnen möglich war, alle Hindernisse aus dem Weg
zu räumen und ein gleichmässiges Gefäll zu erlangen. Die obersten Quellbäche
im schroffen Gebirge stürzen steil hinab und sammeln sich bald in einem tief
gelegenen Bett, das sich mit sehr geringem Gefäll nach der Küste senkt. In der
Zeit, als die Gebirge von Shantung noch waldbedeckt waren, mogen die Flüsse
einen mässigen Wasserreichthum ohne sehr grosse Schwankungen gehabt haben.
Aber schon lange ist der Schmuck der Berge geschwunden. Wo immer die Ge-
hänge steil sind, haben daher die Regen das Erdreich hinweggespült. Dasselbe
saugt das Wasser nicht auf, um es fest zu halten und den Flüssen in gleichmässiger
Vertheilung zukommen zu lassen, sondern die Niederschläge sammeln sich unmittel-
bar in den Rinnsalen und werden dem Meer zugeführt, oft mehr Zerstörung als