National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Zwei Umstande haben es verursacht, dass Kiau-tshóu seine frühere Grösse
verloren hat. Der eine ist die Versandung des Hafens. Uebercultur und Ueber-
völkerung haben, wie ich bereits für Shantung im Allgemeinen bemerkte, zur
Verwüstung der Berge geführt, und dadurch ist die Versandung der Flussbetten
geschehen. In wachsendem Maass mussten die Sedimente nach den Mündungs-
gebieten hinabgeführt werden. Hier aber und in der ganzen Bai wurde die Bildung
von Untiefen, Sand- und Schlammbanken durch die langsame Hebung befördert,
in der sich die Küste befindet. Die vortreffliche, von der britischen Admiralität
angefertigte Karte der Bai zeigt, dass die Untiefen zwar den Zugang zu den
ehemaligen Ankerplätzen der Schiffe erschweren, aber keineswegs die ganze Bai
als Hafen untauglich gemacht haben. Ihre Bedeutung wäre daher kaum so weit
herabgegangen, wenn nicht die Oeffnung von Tshifu für den Fremdhandel dem
ganzen Verkehr von Shantung eine andere Richtung angewiesen hätte. Mit den
fremden Waaren, die in dieser Provinz ein besonders gutes Absatzgebiet haben,
kamen chinesische Güter in fremden Schiffen an, und so gewöhnte sich der Kauf-
mann der Binnenplätze allmälig daran, seinen Bedarf von Tshifu zu beziehen.
Die Frage, ob nicht die Oeffnung von Kiau-tshóu von Anfang an wichtiger
gewesen wäre als diejenige von Tshifu, scheint wegen des an letzterem Ort investir-
ten bedeutenden fremden Capitals von den Wenigen, die sich mit dem Gegenstand
beschäftigt haben, eben so sorgfältig vermieden worden zu sein, als die sich unmit-
telbar anschliessende, ob es nicht gerathen sein dürfte, noch nachträglich Kiau-
tshóu dem Fremdhandel zugänglich zu machen. Denn es ist nicht zu leugnen, dass
dies der Todesstoss für Tshifu sein würde. Vergleichen wir die Lage beider Orte.
Tshifu ist zur See leicht zu erreichen, die Bai von Kiau-tshóu mit einiger Schwierigkeit
anzusegeln; aber letztere gewährt vollkommenen Schutz, ersteres ist eine nach
Nordosten geöffnete Rhede. Von Tshifu sind die Landverbindungen nach allen
Richtungen schwierig und kostspielig; dennoch können von dort alle Gebiete im
Norden des Lai-Gebirges und östlich von Lai-yang-hsien billiger versorgt werden
als von Kiau-tshóu aus. Dieser geringe Vortheil ist indess grösstentheils illusorisch,
da fast das ganze genannte Gebiet directe Handelsbeziehungen mit kleineren Hafen
unterhält, welche ihre Schiffahrtsverbindung eben so gut mit Kiau-tshóu als mit
Tshifu herstellen können. Das ganze Agriculturland jedoch, welches sich südlich
von der Linie Lai-tshóu-fu — Ping-tu-tshóu — Lai-yang-hsien — Hai-yang-hsien
ausdehnt, ist selbst zu Land einen billigeren Verkehr mit Kiau-tshóu als mit
Tshifu.
Von grösserem Belang ist die Frage, welcher von beiden Orten in der Ver-
sorgung des ungleich volkreicheren westlichen Shantung mit anderen Importhäfen,
insbesondere Tshünn-kiang-fu, am besten concurriren kann. Dieser wichtige Platz
am Yang-tsze blieb in den ersten Jahren nach seiner Oeffnung weit hinter den von
ihm gehegten Erwartungen zurück, einerseits weil der Grosse Canal nach der Aus-
trocknung des alten Bettes des Hwang-hö noch nicht wieder ganz hergestellt war,
andererseits weil die Erhebung von Abgaben auf demselben die Waaren schon
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