National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Fällen, darunter auch in demjenigen von Peking, bestätigt die Geschichte die Rich-
tigkeit des Eindruckes. Wenn man es nicht wusste, so würde man es bei der Reise
von Osten oder Norden her nicht ahnen, dass man sich einer der grössten Städte
der Welt nähert, bis man aus der Ferne die lange Linie der Mauer mit ihren
aufgesetzten Wachtthürmen und den hinter ihr aufragenden Tempeldächern erblickt.
Fährt man nicht nach einem der wenigen Thore, vor denen eine schmale Vorstadt
zu beiden Seiten der Strasse sich ausbreitet, so wahrt der ärmliche ländliche Cha-
rakter bis zur Mauer selbst, die unvermittelt aus dem Boden aufsteigt.
Der Raum gestattet uns nur eine flüchtige Umschau über die gigantische Stadt.
Kein Standpunkt ist dazu geeigneter, als die Zinne der Umfassungsmauer, seit
Jahren der Lieblings-Spazierweg der in Peking wohnenden Europäer. Stellen wir
uns auf denjenigen Theil der Umwallung, welcher die beiden Städte trennt, so blicken
wir hinab in das Gewimmel der Strassen und auf ein doppeltes Meer von Häusern.
Letztere werden von den Bäumen der zahllosen Gärten überragt, die sich in der
Ferne zu einem dichten Wald zu vereinigen scheinen, so dass dort die Häuser
nicht mehr erkennbar sind. Hoch darüber erheben sich in der Mantschu-Stadt
die barocken, mit gelbglasirten Ziegeln gedeckten Schnörkeldächer der weitläufigen
Baulichkeiten des mit einer besonderen Mauer umgebenen kaiserlichen Palastes,
die gelben und grünen Dächer der Tempel, bei denen jeder Zoll die chinesische Archi-
tektur verräth, die Moschee der Mohamedaner, der Thurm der katholischen Cathe-
drale und andere Bauwerke, während im Süden der in seinem Stil einzig dastehende
Tempel der Sonne und der Tempel der Erde den Blick fesseln. Nur in den Haupt-
zügen zeichnet sich so der herrliche monumentale Charakter, der sich in endloser
Mannigfaltigkeit dem Besucher der Stadt selbst bietet und seine Höhepunkte in
dem Confucius-Tempel, in der Marmorbrücke mit dem Blick auf die in grünem
Gehölz versteckten Paläste, und in dem Schnitzwerk der Häuserfronten erreicht: er
gewährt eine dauernde Quelle des Genusses und des Studiums. Man ahnt von unserm
Aussichtspunkt nicht den Verfall im Inneren, die Entvölkerung, welche sich in der
Menschenleere ganzer Stadttheile und der Herrenlosigkeit mancher ehemaliger
fürstlicher Residenzen kennzeichnet, die Unreinlichkeit der Strassen, deren früheres
System gut gemauerter Abzugscanale seinen Dienst längst nicht mehr versieht,
und die sich nach Regengüssen in Seen und Lachen verwandeln, noch auch die
Unzahl der Bettler, welche in ihrer Bekleidung durch wenige Lumpen den ästhe-
tischen Sinn des Europäers verletzen¹).
Der Zauber des durch und durch eigenartigen, stets auf's Neue mächtig fes-
selnden Gemäldes wächst, wenn wir die Bilder der Vergangenheit an uns vorüber-
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